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Ekaterina Thanou Der Spuk der Sünderin verschwindet einfach nicht

 ·  Sie nähert sich Peking unaufhaltsam wie die olympische Fackel. Aber das IOC will die griechische Sprinterin Ekaterina Thanou um keinen Preis am Start sehen. Erinnerungen an den Doping-Skandal von Athen um Thanou, ihren Sprinterkollegen Kenteris und Trainer Tsekos werden wach.

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Wie man hört, hält sich in Griechenland das Interesse an den Olympischen Spielen 2008 in Grenzen. Warum wohl? Wahrscheinlich schlechte Erinnerungen an hektische Bautätigkeit und hohe Kosten der Spiele 2004. Dazu ein Trommelfeuer von positiven Doping-Fällen in den vergangenen Wochen. Kaum Medaillenchancen.

Und vor allem: eine anhaltende Überdosis Ekaterina Thanou. Die 33 Jahre alte Sprinterin, eigentlich als notorische Wegläuferin bekannt, ist nicht abzuschütteln. Sie nähert sich auch Peking wieder unaufhaltsam wie der olympische Fackellauf. Ob sie noch zu stoppen ist? Das Internationale Olympische Komitee (IOC) jedenfalls will sie nicht haben.

Ein Fall für die IOC-Disziplinarkommission

Es hilft nichts: In der kommenden Woche wird die Disziplinarkommission unter Vorsitz von Vizepräsident Thomas Bach den Fall noch einmal aufrollen müssen, der vor vier Jahren für das IOC abrupt damit endete, dass Thanou ihre olympische Akkreditierung zurückgab. Durch die neuerliche Akkreditierung fällt sie nun wieder unter die Rechtsprechung des IOC.

Das Gremium will Thanous Anwalt Gregory Ioannidis Gelegenheit geben, seine Interpretation des Falls darzulegen. Ein Ultimatum des Rechtsvertreters, bis Montag über die Starterlaubnis über 100 Meter zu entscheiden, wird nicht berücksichtigt.

Thanou und Kenteris gehören zum Inventar des olympischen Kuriositätenkabinetts

Die vier Jahre alten Bilder sind unvergessen: Ekaterina Thanou und ihr männliches Gegenstück Konstantinos Kenteris, unscharf aufgenommen, wie sie angeblich verletzt im Krankenhaus liegen. Verschanzt hinter der ärztlichen Schweigepflicht, denn im Olympischen Dorf warteten die Doping-Fahnder auf die beiden, die wie so oft wild entschlossen waren, keine Proben abzugeben. Die Geschichte, wie sie angeblich ins Krankenhaus gerieten, gehört zum Inventar des olympischen Kuriositätenkabinetts. Angeblich hatten sie einen Motorradunfall. Später zeigte sich, dass sie nicht etwa gefallen waren, sondern ihr Land in einen beschämenden Doping-Skandal stürzten.

Das ist vier Jahre her. Doch die Geschichte überschattet auch noch den Beginn dieser Spiele. Thanou stellt sogar ein Doppelproblem dar. Sie erhebt nachträglich Anspruch auf den Olympiasieg von 2000 in Sydney. Die damals als Siegerin des 100-Meter-Laufs geehrte Amerikanerin Marion Jones hat ihre Medaillen zurückgegeben. Vorher hatte sie vor Gericht ein Doping-Geständnis abgelegt.

Eine neuerliche Sinnkrise des IOC droht

Noch lenken die Diskussionen um Umweltverschmutzung und Internet-Zensur die Olympia-Kritiker vom Dauerthema Doping ab. Doch der Start von Ekaterina Thanou im 100-Meter-Lauf von Peking und dazu die Ehrung einer ausgewiesenen Doperin mit der Goldmedaille, die eine andere ausgewiesene Betrügerin verlor, würde dem IOC eine weitere Sinnkrise bescheren.

Ekaterina Thanou hat bis heute keine Schuldgefühle. „Ich wurde verleumdet und meine Karriere zerstört“, sagte sie am Freitag auf einer Pressekonferenz in Athen – es waren ihre ersten öffentlichen Äußerungen seit 2004. „Genug ist genug. Ich bin nie positiv gestestet worden.“ Und ihr Anwalt ergänzte: „Es gibt andere Athleten, die wegen schwerer Doping-Vergehen verurteilt wurden und in Peking ohne Probleme teilnehmen dürfen.“ Ihre zweijährige Sperre nach den Vorfällen von Athen hat die Griechin längst abgesessen.

Ob es reicht, ihr den Olympia-Start zu verweigern?

Am 14. Juli 2008 erreichte sie mit 11,39 Sekunden über 100 Meter die Olympia-Norm und wurde daraufhin für die Spiele nominiert. Allerdings hat das IOC bis heute die Vergehen von Athen nicht bestrafen können. Mittlerweile hat sich das Nationale Olympische Komitee Griechenlands für das IOC bei der Athener Staatsanwaltschaft nach dem Verfahren erkundigt, das immer noch gegen Ekaterina Thanou anhängig ist. Tatsächlich ist die dreimal verschobene Verhandlung nun für den 2. Februar 2009 terminiert. Es geht um Meineid im Zusammenhang mit der Motorradlüge.

Ob das schon reicht, um ihr den Olympia-Start zu verweigern? Um eine Lösung des Sydney-Problems bemüht sich auch Thomas Bach als Vorsitzender der Juristischen Kommission des IOC. Recherchen in den Vereinigten Staaten haben bisher zu keinem verwertbaren Ergebnis geführt. Eine Verwicklung des Sprinter-Pärchens Thanou/Kenteris gemeinsam mit seinem Trainer Christos Tsekos in den amerikanischen Balco-Skandal, der mehrere Sydney-Starter betraf, ließ sich bisher nicht belegen. Möglicherweise wird die IOC-Exekutive, die am Wochenende zusammentritt, den Fall noch einmal vertagen.

Normalerweise vedünnisiert sich Thanou, nun will sie nicht verschwinden

Ekaterina Thanou will in Peking über die kürzeste Strecke antreten, die es in der olympischen Leichtathletik gibt. Und doch ist sie ein Langstreckenproblem des Sports. Schon 2001 bei den Weltmeisterschaften von Edmonton wurde bekannt, dass sie zweimal lieber auf ein üppiges Preisgeld verzichtet hatte, als die simpelsten Voraussetzungen dafür zu erfüllen: Sie hätte zwei unangemeldete Trainingskontrollen mit negativem Ergebnis vorweisen müssen.

Bereits 1997 hatte sie gemeinsam mit ihrem Trainer einen Doping-Kontrolleur rüde in eine Ecke gedrückt und war davongerannt. Gesperrt wurde sie, weil sie nicht nur in Athen, sondern zuvor an zwei Tagen in Tel Aviv und an zwei Tagen in Chicago Doping-Kontrollen verweigerte. Sich vor der Urinabgabe verdünnisieren – das war ihr Trick über viele Jahre. Doch nun ist alles anders: Ekaterina Thanou will einfach nicht verschwinden.

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Jahrgang 1958, Sportredakteurin.

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