15.08.2008 · In China verwundert so manches: Vertreter der ethnischen Minderheiten werden praktischerweise von Schauspielern gespielt. Fischköpfe kommen direkt in den Kochtopf. Und Rückwärtsgehen dient der Volksgesundheit.
Von Evi Simeoni, PekingDas Leben ist eine Illusion. Um das zu erfahren, muss man eigentlich nicht nach Asien reisen. Aber eines ist hier anders: Niemand regt sich darüber auf, wenn so eine kleine Korrektur der Wirklichkeit auffliegt. Darum fand es Wang Wei, der Vizepräsident des chinesischen Organisationskomitees, auch gar nicht schlimm, dass die 56 Kinder der ethnischen Minderheiten, die man bei der Eröffnungsfeier vor einer Woche präsentierte, gar keine Vertreter der ethnischen Minderheiten waren.
Nein, das waren ganz normale Han-Chinesen, dafür aber in authentischen Kleidern. Eine Fälschung? Wieso? Hier in China, sagte Herr Wang verwundert, sei es traditionell so, dass man Schauspieler in alle möglichen Verkleidungen stecke.
Fischköpfe auf den Tisch
Recht hat er. Bei uns macht man das ja schließlich ebenso. Viel tragischer ist es, wenn man im Restaurant vom Kellner etwas anderes gebracht bekommt, als man vorher zu bestellen glaubte. Da gibt es bei China-Reisenden ja eine ganz besondere Paranoia. So erschrak vor kurzem ein argloser Esser, als ihm plötzlich klar wurde, was er gerade kaute. Es war ein Hot Dog. Und er schmeckte nicht gerade authentisch.
Immer noch besser als ein Fischkopf. Auch das isst man in China gerne. Hier weiß schließlich niemand, dass man in Deutschland unter Fischköpfen seine Mitmenschen aus dem Norden versteht. Hier aber kommen echte Fischköpfe auf den Tisch, wobei das wichtigste daran die feine Soße sein soll. Köstlich, finden Adaptierte, und wirre Vorstellungen brechen sich beim Zuhörer Bahn, wie der Gourmet sein dünnes Essstäbchen ins Auge seines Lieblingsgerichts stößt.
Warum ist Rückwärtsgehen nicht olympisch?
Ein bisschen gruselig ist das schon. Deshalb ist es wahrscheinlich besser, man besinnt sich in diesem Moment auf eine andere chinesische Tradition. Während nämlich die Olympiastarter dieser Tage sich hauptsächlich vom Start ins Ziel bewegen, ob nun im Wasser, auf der Fahrradstrecke oder auf der Laufbahn im Vogelnest, finden Chinesen es praktischer, zum Zweck der Körperertüchtigung rückwärts zu laufen.
Klingt attraktiv. Eigentlich stellt sich die Frage, warum das Internationale Olympische Komitee diese Disziplin nicht China zu Ehren in das Programm der Spiele von Peking aufgenommen hat. Rückwärtslaufen hat doch sehr viele Vorteile: man sieht zum Beispiel genau, wer einen gerade überholen will, und kann ihm eine Grimasse schneiden. Und wer geübt ist, kann sich in Rekordgeschwindigkeit davonmachen, wenn er merkt, dass er sich aus Versehen in ein Fischkopf-Restaurant verirrt hat.
'Ist schon verständlich
Peter Graf (Peter_Graf)
- 15.08.2008, 18:23 Uhr