12.08.2008 · Vor Olympia hatten wir ein vorgefertigtes Bild von China. Und nun? Vor allem Peking ist noch schlimmer, als es unsere gutgepflegten Vorurteile vorgesehen hatten. Doch eine Sache finden wir nun wirklich total normal.
Von Cai Tore Philippsen, PekingWas wir vor Olympia über China wussten? Dass es ein extrem großes Land ist, in dem ganz viele Menschen leben, die ihre Umwelt extrem verschmutzen und von einer ganz undemokratischen Regierung geführt werden. Obwohl die einzige Partei sich kommunistisch nennt, sind manche ganz reich und viele extrem arm.
So weit der Scherenschnitt, der als Schablone der Vorberichterstattung im deutschen Funk und Fernsehen, im Internet und auf Papier verwendet wurde. Sofern sich niemand traute, die Erwartungen der Medienkonsumenten mit einem differenzierteren Blick zu enttäuschen. Nun müssen wir lernen, dass China und vor allem Peking noch viel extremer ist, als es unsere gutgepflegten Vorurteile vorgesehen hatten. Der Flughafen extrem groß und ganz leer, der Bus extrem langsam und ganz laut. Alle Häuser extrem hoch und ganz hässlich.
Ganz wenig anzuziehen war doch keine gute Idee
Die Sicht ganz schlecht. Smog dürfen wir die dicke Brühe aber nicht nennen, das hören die Chinesen extrem ungern, schließlich haben sie ganz vielen Autos das Fahren verboten und andere extreme Maßnahmen ergriffen. Das Heer der olympischen Freiwilligen ist ganz freundlich, aber angeblich mit extrem vielen Spitzeln durchsetzt.
Erst war Peking extrem heiß und ganz luftfeucht. Extreme 97 Prozent maßen die Meteorologen an einem Tag, da fühlt sich der Gast beim Spaziergang, als würde er in der heißen Badewanne liegen. Ganz verschwitzt waren alle Chinesen und Gäste, deswegen roch es manchmal, und zwar extrem. Ganz wenig anzuziehen war dennoch keine gute Idee, weil Chinesen Klimaanlagen extrem prima finden. Deswegen sind diese immer ganz aufgedreht, also extrem kalt.
Die Helden der Wettermacher hatten wohl ganz frei
Dann schüttete es den ganzen Tag. Extrem viel Regen. Das wäre nicht ganz so schlimm gewesen, würden die Chinesen ihre Straßen und Parkplätze nicht so extrem gerade bauen. So konnte das ganze Wasser nicht ablaufen, und alle hatten extrem nasse Füße, den ganzen Tag. Da wünscht man sich ganz cool zu sein, so wie der chinesische Freiwillige, der auch im extremsten Wolkenbruch seinen Platz an der Radstrecke nicht verlassen hat. Der mit den ganz neuen Sponsorenturnschuhen knöcheltief im Wasser stand, extrem lange. Offenbar hatten die Helden der Arbeit aus dem Büro der Wettermacher den ganzen Tag frei.
Mit welchen extremen Mitteln die Chinesen die Hochglanzfassade ihrer Spiele aufpolieren, lernen wir Tag für Tag nur ein ganz kleines bisschen mehr. Das extrem spektakuläre Feuerwerk, das sich während der Eröffnungsfeier wie riesige Fußstapfen am Himmel über Peking dem Olympiastadion näherte, wurde für das Fernsehen und die 91.000 Zuschauer im Vogelnest vom Videoband abgespielt. Die extrem einfallsreichen Chinesen hatten es ganz lange vor der Feier aufgezeichnet. Wer verlässt sich schon gerne auf die Realität? Das finden wir nun wirklich total normal.