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Schützin Sonja Pfeilschifter „Olympia mog mi net, und i mog Olympia nicht“, neue Version

09.08.2008 ·  Sie war als Topfavoritin gestartet und wurde Zwölfte: das Scheitern gehört für Sonja Pfeilschifter zu den Olympischen Spielen wie für andere der Einmarsch bei der Eröffnungsfeier. Zwar hat sie noch eine zweite Chance, aber eigentlich ist es schon ihre achte.

Von Michael Reinsch, Peking
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Die Favoritin ist gescheitert, wie immer bei Olympischen Spielen. Der Gewehrschützin Sonja Pfeilschifter entfuhren am Samstag, als sie eigentlich um die erste Goldmedaillen dieser Spiele und den ersten Olympiasieg ihrer erfolgreichen Laufbahn kämpfen sollte, einige Kraftausdrücke. Dann verordnete sie sich, um Dampf ablassen zu können, ein Training im Kraftraum des Olympischen Dorfs.

„Ich hätte nach zwanzig Schuss nicht geglaubt, dass das noch schief gehen kann. Ich war der festen Überzeugung, dass ich die nächsten zwanzig Schuss auch noch durchziehe“, sagte die 37jährige Schützin ratlos. Nach den zweiten zwanzig Schuss mit dem Luftgewehr nämlich hatte sie plötzlich vier Neuner zu Buche stehen. Die Konkurrenz ging ins Finale, Sonja Pfeilschifter verließ wütend die Schießhalle im Westen Pekings.

Das Scheitern gehört für sie zu den Spielen

Mit 396 Punkten, weit unter ihrem Niveau, war sie Zwölfte geworden. Die Tschechin Katerina Emmons siegte mit 503,5 Punkten vor der Russin Ljubow Galkina (502,1) und der Kroatin Snjezana Pejcic (500,9).

„Olympia mog mi net, und i mog Olympia nicht.“ Das hatte die Bayerin vor vier Jahren trotzig festgestellt, als sie in Athen zwei Mal Sechste geworden war - auch damals war sie Favoritin gewesen. Man hat den Eindruck, dass dieser Satz trotz sieben Weltmeisterschaften, Weltrekorden und weiterer Erfolge zu dem wie in Stein gemeißelten Motto der Pfeilschifterschen Schützenkarriere werden könnte.

Trotz Verzichts hatte sie einen Kater

Denn das Scheitern gehört für sie zu den Olympischen Spielen wie für andere der Einmarsch bei der Eröffnungsfeier. Weil sie zu den frühen Startern gehört, geht sie am tollsten Abend der Olympischen Spiele stets zeitig ins Bett. Am Freitag verzichtete sie auf das atemberaubende Fest im Vogelnest. Am Tag drauf hatte sie trotzdem einen Kater. „Sie hat ja noch eine zweite Chance“, sagte Sportdirektor Heiner Gabelmann vom Deutschen Schützenbund. Er meinte die achte Chance.

Die ersten beiden vergab die damals 21 Jahre alte Sonja Pfeilschifter 1992 in Barcelona, wo sie sich von den Journalisten bedrängt und bedrückt fühlte und auf die Plätze 28 und 30 kam. Auf die Chancen Nummer drei und vier musste sie bis Sydney 2000 warten, weil sie in der Qualifikation für Atlanta knapp scheiterte. In Australien zuckte, als die Goldmedaille zum Greifen nahe war, das Bein. Sonja Pfeilschifter wurde Vierte und Fünfte. In Athen verdarb sie sich den Erfolg mit „purem Leichtsinn“, wie sie klagte. Siegesgewiss schoss sie übers Ziel hinaus: zwei Mal Platz sechs.Nach einer perfekten Halbzeit in ihrem ersten Wettbewerb bei den Olympischen Spielen, brachten zwei Fehlschüsse sie aus dem Konzept.

„Die größte Enttäuschung ist vorbei“

„Ich hab ja noch fünf Tage, vielleicht ändert sich was und ich mache es dann“, sagte sie am Samstag. Am Donnerstag tritt sie zum Dreistellungskampf mit dem Kleinkalibergewehr an. Von Aufrappeln und davon, dass sie nun Trost bräuchte, wollte die Schützin, die mit ihren 1,57 Metern eine feste Größe in der Welt der Sportschützen ist, nichts wissen. „Der Wettkampf ist abgeschlossen, ab morgen wird wieder trainiert“, kündigte sie an, „und am Donnerstag kommt die Kampfansage.“

Obwohl sie wieder einmal gescheitert war, beschrieb sie selbstbewusst, wie sicher sie in den Wettbewerb gegangen war. „Um so näher der Startschuss kam, um so ruhiger war ich“, erinnerte sie sich. „Diesmal war ich ganz ruhig. Ich war mir sicher: Das ziehe ich durch.“ Doch nach dem ersten, spätestens dem zweiten Fehlschuss - einer millimeterkleinen Abweichung bei zehn Metern Distanz - schien sie allerdings zu zweifeln. Sie setzte das Luftgewehr ab, setzte neu an - und schoss noch zwei Mal neben die Zehn. „Da hat sie langsam gemacht, um ja keinen Fehler zu machen“, analysierte Gabelmann. „Dabei hat sie ihre Courage verloren. Das darf nicht passieren.“

Schießen als Beruf

„Die größte Enttäuschung ist vorbei“, sagte Anja Pfeilschifter, als sie sich konsolidiert hatte. Sie hat durch ein Engagement bei der Bundeswehr das Schießen zu ihrem Beruf gemacht und ist inzwischen Feldwebel. Ganz Profi lehnte sie den Blick zurück auf das jüngste Scheitern ab. „KK ist ein ganz anderer Wettkampf, den kann man mit Luftgewehr gar nicht vergleichen“, versprach sie für den Dreistellungskampf mit dem Kleinkaliber. „Da ist das Niveau nicht ganz so hoch. Man muss abwarten, wie das Wetter wird. Wenn Smog ist, sieht man auf fünfzig Meter die Scheiben nicht gut.“ Wenn das kein gutes Omen ist: Ein, zwei Fehlschüsse ruinieren nicht gleich das Ergebnis, Sonja Pfeilschifter dürfte also ruhig bleiben.

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Jahrgang 1958, Korrespondent für Sport in Berlin.

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