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Olympia-Qualifikation der Basketballer Zweiter Matchball für eine große Zukunft

19.07.2008 ·  Nach der Niederlage gegen Kroatien kämpft das deutsche Basketball-Team an diesem Sonntag um die letzte Chance für Olympia. Dabei geht es gegen Puerto Rico nicht nur um die unmittelbare Zukunft des Ballsports.

Von Torsten Haselbauer, Athen
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Das Zähnezusammenbeißen half am Ende nichts. Die erste große Chance innerhalb von 24 Stunden, dem deutschen Basketball zu einem ganz wichtigen Erfolg zu verhelfen, vermochten die deutschen Nationalspieler um ihren Superstar Dirk Nowitzki nicht zu nutzen. Trotz einer starken Vorstellung des Mannes aus der amerikanischen Profiliga NBA reichte es in der Olympiaqualifikation am Samstag beim 70:76 gegen Kroatien nicht zum Sieg.

Im Spiel um das letzte der drei Olympia-Tickets gegen Puerto Rico an diesem Sonntag (18.30 Uhr im FAZ.NET-Liveticker) muss Deutschland nun gewinnen, um sich den Traum noch zu erfüllen. „Das ist bitter. Wir haben eine große Chance wegrutschen lassen“, sagte Nowitzki. Er fand auch eine Erklärung: „Die Kroaten haben überaus hart agiert. Manchmal hatte das unter dem Korb nicht mehr viel mit Basketball zu tun. Aber wir waren dann zu ängstlich.“

Bauermann: „Den zweiten Matchball verwerten“

Bundestrainer Dirk Bauermann wollte nicht zurückschauen und sieht die Herausforderung an diesem Sonntag: „Die Jungs haben einen tollen Job gemacht und alles mobilisiert. Wir waren ganz nahe dran. Jetzt müssen wir ganz schnell Energie sammeln, um den zweiten Matchball zu verwerten.“ Denn eine Qualifikation für Olympia ist wichtig für das Zukunftskonzept des Deutschen Basketball-Bundes (DBB). Präsident Ingo Weiss hat die Zielstellung klar formuliert. Er möchte den Basketballsport in Deutschland an die Stelle plazieren, wo er weltweit längst steht: nämlich hinter Fußball auf Platz zwei.

Seit 1992 in Barcelona, der letzten Olympiateilnahme eines deutschen Basketballteams, geht es mit dem organisierten Basketball zwar stetig bergauf, aber es reichte nie bis zum Gipfel. Nach den Spielen in Spanien vor 16 Jahren folgten die Boomjahre des Sports in Deutschland. Adidas steckte unheimlich viel Geld in das Streetbasketball-Projekt. Der Sport galt damals als trendy. Ende der neunziger Jahre jedoch beendete der Sportartikelhersteller sein Engagement. „Dann setzte eine Art Normalisierungsprozess ein“, erinnert sich Weiss. Seitdem liegen die Mitglieder-Zuwachsraten bei gut einem Prozent jährlich.

Derzeit spielen 200.000 Menschen aktiv in 2000 Vereinen Basketball. 140.000 von ihnen sind unter 18 Jahre alt. Gemeinsam mit Trainer Bauermann setzt der Präsident auf die Jugend. Er möchte diese Zielgruppe möglichst schon heute langfristig an den Sport im Verein binden. Denn die Zeit ist nicht mehr fern, da sich „das Jahrhundertidol Nowitzki“, wie Weiss den 2,13-Meter-Riesen aus Dallas nennt, zurückzieht.

Basketball als Fernsehsportart nur im Privaten

Der 30 Jahre alte Superstar war über die vergangenen Jahre der einzige deutsche Nationalspieler, der in der NBA aktiv ist. Jetzt wurde noch Chris Kaman von den Los Angeles Clippers schnell eingebürgert (deutscher Urgroßvater). Dennoch ist Weiss vor der Post-Nowitzki-Zeit nicht angst und bange. Und da kommt wieder die Peking-Qualifikation ins Spiel. „Dann kann jeder im öffentlich-rechtlichen Fernsehen sehen, wie attraktiv unser Sport ist und welche Spieler wir noch neben Nowitzki haben“, so der DBB-Präsident. Weiss betont ausdrücklich öffentlich-rechtlich. Basketball als Fernsehsportart findet in Deutschland derzeit nämlich nur im Privatfernsehen (DSF) statt, „und das hilft uns in der Breitenwirkung nicht wirklich weiter“, betont Weiss.

Die anderen Spieler, von denen er stolz spricht, heißen Konrad Wysocki, Tim Ohlbrecht, Pascal Roller, Steffen Hamann oder Philip Zwiener oder Demond Greene. Für den Sportfunktionär stehen diese Namen vor allem auch für Regionen: für Ulm, Bamberg, Frankfurt und Berlin. Überall dort, wo der DBB schon bald Nachwuchscamps organisieren möchte - mit den genannten Spielern als Paten. Dirk Nowitzki wird dem DBB als eine Art globales Zugpferd für die Bewerbung um die U-17-Nachwuchs-Weltmeisterschaft im Jahr 2010 dienlich sein. Auch deshalb ist der Sportfunktionär Weiss nämlich nach Athen gereist. Als Lobbyist, der in diesen Tagen beim Internationalen Basketball-Verband (Fiba) für die Turniervergabe nach Deutschland eifrig Stimmen sammelt.

„Wie ein kleines, mittelständisches Unternehmen“

Im Dezember wird die Fiba die Standortentscheidung fällen. Schon in acht Tagen ist Weiss wieder in Sachen Zukunft unterwegs. Dann trifft er sich mit dem Großsponsor des Verbandes, einer Bank. „Hoffentlich mit dem Olympiaticket in der Tasche“, so der Präsident.

Es wäre ein weiteres gewichtiges Argument mehr, zusätzliche Gelder für die Nachwuchsarbeit zu erhalten. Weiss verfügt beim DBB über einen Etat von sieben Millionen Euro. „Das ist nicht schlecht. Wie ein kleines, mittelständisches Unternehmen“, so der Präsident. Dirk Weiss jedoch denkt in Athen schon längst in viel größeren Kategorien. Für eine schnellere Umsetzung der großen Ideen wäre aber ein Erfolg an diesem Sonntag aber ziemlich wichtig. „Die Spieler sind in einer sehr guten Verfassung“, versicherte Bundestrainer Bauermann wenige Stunden vor Spiel. Für Nowitzki steht jedenfalls fest: „Es ist eines der wichtigsten Spiele meiner Karriere.“

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