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Das Wetter lehrt Demut „Heute keine Wettkämpfe mehr“

14.08.2008 ·  Was ist bloß mit Chinas Wettermachern los? Blitze schlugen nahe der Ruder-Strecke ein, obwohl die Meteorologen nicht mal ein Gewitter vorhergesagt hatten. Beim Beachvolleyball mussten Wassergräben gezogen werden.

Von Cai Tore Philippsen, Peking
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Was ist bloß mit Chinas Wettermachern los? Bestraft der Himmel sie für ihre Hybris? Vor den Olympischen Spielen hatten die Wissenschaftler vom „Weather Modifikation Office“ sich noch öffentlich feiern lassen. Nach der Eröffnungsfeier behaupteten sie sogar, sie hätten verhindert, dass Regen die große Show in Peking stört. Dabei hätten sich 91.000 Zuschauer im stickigen Stadion nichts mehr gewünscht als eine Abkühlung.

Die hat es nun gegeben. Schon zum zweiten Mal in diesen olympischen Tagen hat sich die schwüle Hitze in einem mächtigen Sommergewitter über der Hauptstadt entladen. Bereits am Sonntag mussten die Frauen beim Straßenradrennen im strömenden Regen durch kleine Sturzbäche steuern, doch an einen Abbruch dachte niemand. Doch an diesem Donnerstag schlugen die Blitze im Shunyi-Park so nah an der Strecke der Slalom-Kanuten und Ruderer ein, dass es einem Angst und Bange werden musste.

Slalom-Kanuten sind sowieso klitschnass

Pechschwarz war das Gewitter, das die Meteorologen nicht einmal vorhergesagt hatten, aufgezogen. Sturm und Regen waren die ersten Vorboten des eigentlichen Unwetters. Den Ruderern reichte das schon, sie verschoben alle Rennen um einen Tag auf den Freitag.

Wenige Hundert Meter weiter kämpften die Athleten noch um Medaillen. Der Regen störte die Slalom-Kanuten im Wildwasser des Betonkanals nicht weiter, sie sind ohnehin vom ersten Paddelschlag an klitschnass. Die beiden Deutschen Sebastian Piersig und Felix Michel schienen sich im Regen sogar besonders wohl zu fühlen.

Dann knallte es und die Blitze schlugen ein

Sie steuerten ihren Canadier-Zweier im Halbfinale fehlerfrei auf den ersten Platz vor den Doppelolympiasiegern Peter und Pavol Hochschorner aus der Slowakei und dem tschechischen Duo Jaroslav Volf und Ondrej Stepanek. „Da ist uns ein Superlauf gelungen“, sagte Sebastian Piersig, der nach der Zieldurchfahrt schon so wild jubelte, als gäbe es keinen Finallauf mehr. Genauso gut wie bei Alexander Grimm, der Olympiasieger im Kajak-Einer wurde, sei diese erste Durchgang gewesen, meinte Piersig.

Dann knallte es und die Blitze schlugen gut sichtbar in beängstigender Nähe ein. Nach der ersten Verschiebung um eine halbe Stunde kam eine zweite. Die Wettkampfjury versuchte beim Flughafen von Peking eine verlässliche Vorhersage zu bekommen. Und als schon alle dachten, das Schlimmste sei überstanden, rummste es wieder, diesmal noch gewaltiger als beim ersten Mal. Nur Augenblicke danach kam die Nachricht: Heute keine Wettkämpfe mehr.

Das Wetter lehrt Demut

Erst haben sich die beiden Sportsoldaten von der SG Einheit Spremberg geärgert, doch sie mussten einsehen, dass eine Absage die einzig vernünftige Entscheidung war. Die Zeit aus dem ersten Durchgang hat weiter bestand, so dass sich die Berufspaddler am Freitag mit der besten Ausgangssituation als letztes Boot in den künstlichen Fluss stürzen können. „Jetzt müssen wir ruhig bleiben“, meinte der 24 Jahre alte Piersig. „Wer Olympiasieger werden will, muss auch damit fertig werden.“

Das gilt auch für Jennifer Bongardt im Kajak-Einer. Für die Weltmeisterin standen am Donnerstag nach den Canadier-Rennen Halbfinale und Finale auf dem Programm, wegen des Gewitterregens musste sie nun auf dem Trockenen bleiben. Die Absage sei ihr lieber, als die Ungewissheit ständiger Verschiebungen, sagte die Kölnerin.

Aufschlag mit geschlossenen Augen

Auch im Beachpark Chaoyang klatschte strömender Regen auf die Wettkämpfer herunter, doch die Matches wurden durchgezogen. „Der Regen prasselt so krass von oben runter, dass du beim Aufschlag quasi mit geschlossenen Augen spielen musst“, sagte die deutsche Spielerin Laura Ludwig, die sich zusammen mit Partnerin Sara Goller im letzten Vorrundenspiel mit 2:0 gegen Efthalia Koutroumanidou und Maria Tsiartsiani aus Griechenland durchsetzte.

Dann wurde es wieder ruhig im schönen Shunyi-Park im Nordwesten von Peking. Die Zuschauer in ihren bunten Plastiktüten-Regenjacken machten sich auf den Heimweg und das Gewitter zog davon. Nur die riesigen Pfützen zeugten noch davon, dass der Himmel an diesem Donnerstag Chinas Wettermacher Demut gelehrt hatte.

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Jahrgang 1970, Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET.

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