24.08.2008 · An diesem Sonntag endet Olympia 2008. Journalist Li Zhang arbeitet für Chinas größte Sportzeitung. Im Interview spricht er über ein Geheimnis der Abschlussfeier, chinesische Dominanz im Sport und das Ansehen deutscher Athleten nach den Spielen.
An diesem Sonntag enden die Olympischen Spiele 2008 in Peking mit der Abschlussfeier. Li Zhang ist Journalist und arbeitet für „Titan Sports“, Chinas größte Sportzeitung. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung spricht er über ein Geheimnis der Zeremonie am Sonntag, Dominanz im Sport und das Ansehen deutscher Athleten nach den Spielen.
Kennen Sie das Geheimnis, was wir bei der Schlusszeremonie der Olympischen Spiele an diesem Sonntag im Pekinger „Vogelnest“ an besonderen Einlagen erwarten können?
Ein Detail der Abschlussfeier ist schon an die Öffentlichkeit gedrungen. Das hat mit dem nächsten Olympiaausrichter zu tun: David Beckham soll auf einem Londoner Doppeldeckerbus ins Stadion einfahren und vom Dach Fußbälle ins Publikum schießen. Die chinesischen Fußballfans sind natürlich begeistert.
Sie sind Europa-Korrespondent der größten chinesischen Sportzeitung „Titan Sports“ und waren jetzt in Peking während der Olympischen Spiele im Einsatz. Wie war die Resonanz Ihrer Leser auf das Ereignis?
Die Spiele haben die Menschen interessiert und auch fasziniert. Viele Chinesen konnten das erste Mal Weltstars und großen Sport hautnah erleben. Eine ganze Generation von Kindern und Jugendlichen wird vom Sportbazillus erfasst. Und für unsere Zeitung ist Olympia auch ein Erfolg. Wir verkaufen an drei Erscheinungstagen in der Woche sonst etwa 700.000 Zeitungen. Während Olympia ist die Zahl auf mehr als eine Million gestiegen - und wir sind während der Spiele jeden Tag herausgekommen, mit 40 Seiten. Wir haben in den zwei Wochen jedem chinesischen Medaillengewinner eine eigene Seite gewidmet. Und das waren ja nicht wenige.
Was werden wir denn zum Abschluss der Olympischen Spiele auf dem Titel von „Titan Sports“sehen und lesen?
Klar, ein symbolträchtiges Bild von der Abschlussfeier. Und wir werden wohl den Medaillenspiegel mit einem Kommentar ins Zentrum stellen und ganz vorne bestimmt etwas über die perfekte Organisation schreiben.
Wie wichtig ist Ihren Landsleuten und Ihren Lesern Chinas spektakulärer Triumph im Abräumen von Goldmedaillen?
Jedes Land ist stolz auf Erfolge im Sport. Aber offen gesagt haben uns die Siege unserer Sportler nicht so überrascht. Damit konnte man rechnen. Trotzdem gibt es für unsere Athleten noch viel zu lernen - zum Beispiel in der Leichtathletik, im Schwimmen, Basketball oder Fußball.
Reicht den Chinesen ihre Dominanz im Sport noch nicht aus?
Darum geht es nicht. Unsere Basis im Sport ist noch nicht gut genug. Es gibt immer Verbesserungsmöglichkeiten - warum nicht daran arbeiten?
Wer unter Ihren vielen Goldmedaillengewinnern ist denn zum absoluten Liebling Ihrer Landsleute geworden?
Sicher unsere Turmspringerin Guo Jingjing. Da stimmt die Mischung aus Erfolg, gutem Aussehen und Glamour. Ihr Freund ist der Sohn einer der reichsten Männer aus Hongkong. Natürlich sind die Turner durch ihre Medaillen jetzt noch interessanter geworden, und auch der Hürdensprinter Liu Xiang als tragischer Held beschäftigt die Menschen noch sehr. Sein kurzfristiger Ausfall hatte unser Land geschockt. Aber er wird von den meisten noch sehr positiv gesehen.
Werden sich die Chinesen an deutsche Sportler erinnern?
Timo Boll ist der Bekannteste. Aber der hat sich am Ende zu früh verabschiedet. Und sonst . . .
. . . vielleicht die Fechterin Britta Heidemann, die in China studiert hat und fließend Chinesisch spricht?
Sie ist intelligent und ein hübsches deutsches Mädchen. Aber eine Fechterin kann bei uns keine große Popularität erlangen.