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Olympia 2008 Torlos auf den langen Marsch

06.08.2008 ·  Der Weg nach Peking beginnt für die deutschen Fußball-Frauen mit einem 0:0 gegen Brasilien. Wie vor einem Jahr bei der Weltmeisterschaft ließ Torhüterin Nadine Angerer die Weltfußballerin Marta verzweifeln. Trainerin Silvia Neid ist zufrieden.

Von Michael Horeni
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Shenyang, 17 Uhr: Anstoß für Deutschland - und die Spiele der 29. Olympiade sind eröffnet. Zumindest sportlich. Mit dem ersten Ballkontakt der deutschen Frauen gegen Brasilien in der rund achthundert Kilometer von Peking entfernten olympischen Fußball-Außenstelle ist der Sport schon zwei Tage vor der Eröffnungsfeier ins Rollen gekommen.

Und wenngleich die beiden besten Mannschaften der Welt zum Auftakt keine Tore zustande brachten, sind die Weltmeisterinnen aus Deutschland und die brasilianischen Verliererinnen des WM-Finals trotzdem schon ein erstes Stück auf dem langen Marsch nach Peking vorangekommen. Nach dem 0:0 zum Auftakt fühlen sich beide jedenfalls auf einem guten Weg, gemeinsam das Viertelfinale zu erreichen. „Wir wollten so viele Punkte wie möglich, um das Viertelfinale zu erreichen. Jetzt haben wir einen. Darauf können wir aufbauen“, sagte Bundestrainerin Silvia Neid nach einem Spiel ohne Tore - aber auch ohne Langeweile.

„Matchwinner“ Nadine Angerer - wieder einmal

In der 86. Minute war der letzte Aufreger in einer Partie zu beobachten, die unter schwierigen äußeren Bedingungen lange hervorragenden Fußball hervorbrachte. Die Brasilianerin Marta setzte sich gegen drei, vier deutsche Gegnerinnen mit einem unwiderstehlichen Spurt über den halben Platz durch, aber weil Nadine Angerer den Schuss der Weltfußballerin des Jahres aus zehn Metern im Herauslaufen parierte, war die olympische Welt für die deutsche Mannschaft in bester Ordnung.

Auch wenn zum Turnierauftakt Glanzleistungen der deutschen Torhüterin in Serie diesmal nicht nötig waren - Komplimente erhielt der große Rückhalt des Teams mehr als genug. „Nadine war der Matchwinner. Sie hat den Punkt festgehalten“, sagte die Frankfurter Mittelfeldspielerin Renate Lingor über die Torhüterin von Djurgardens IF, die schon vor zehn Monaten bei der Weltmeisterschaft in China während des gesamten Turniers nicht zu schlagen war.

„An der Zielvorgabe hat sich nichts geändert“

Damals hatte sie im Finale die Brasilianerinnen fast zur Verzweiflung gebracht. Die 22 Jahre alte Nadine Angerer hielt beim 2:0 sogar einen Elfmeter von Marta und sicherte somit den Sieg. „Nadine hat das perfekt gemacht. Ich glaube, Marta hat wohl ein Nadine-Angerer-Syndrom“, sagte die Bundestrainerin lächelnd, nachdem ihre Torhüterin im Duell mit dem brasilianischen Star wieder nicht zu bezwingen war. Angerer ist nun im siebten Turnierspiel nacheinander ohne Gegentreffer geblieben.

„Das Unentschieden ist eine gute Grundlage für die nächste Runde. An unserer Zielvorgabe hat sich nichts geändert. Am Samstag müssen wir gegen Nigeria unbedingt gewinnen - und nach dieser Leistung bin ich sehr optimistisch, dass es klappen wird“, sagte Mittelfeldspielerin Kerstin Garefrekes nach einer Partie, in der die Deutschen in der ersten Halbzeit die besseren Chancen hatten und sich das Unentschieden allemal redlich verdienten. Die Frankfurter Angreiferin Sandra Smisek scheiterte nach einer präzisen Flanke von Melanie Behringer frei stehend mit einem schönen Kopfball in der 23. Minute an der Latte, und Birgit Prinz verfehlte mit einem herrlichen Drehschuss kurz vor der Pause nur knapp das Tor.

Gegen Nigeria muss die Offensive zielstrebiger werden

Die Sorgen der Weltmeisterinnen, ob die im Vergleich zur WM kürzere Vorbereitungszeit sich ungünstig auswirken würde, waren nach dem torlosen, aber keineswegs emotionslosen Auftakt vollständig verflogen. Das Unentschieden gegen den stärksten Widersacher in der schweren Vorrundengruppe A, zu der noch die hochgeschätzten Nordkoreanerinnen zählen, bedeutet schon jetzt einen Gewinn an Selbstbewusstsein.

„Mit der ersten Halbzeit war ich sehr zufrieden. Wir haben kaum Gelegenheiten zugelassen und hatten die besseren Chancen. In der zweiten Halbzeit war es ein aufregendes Spiel. Es ging immer rauf und runter“, freute sich Silvia Neid über einen Auftakt, der Perspektiven erkennen ließ. „Wir haben gezeigt, dass wir sehr kompakt in der Abwehr und im Mittelfeld verteidigen können. Auf diese Stärke können wir vertrauen“, sagte Kerstin Garefrekes. Jetzt müssten sie gegen Nigeria nur noch zielstrebiger in der Offensive zum Abschluss kommen.

33 Grad und hohe Luftfeuchtigkeit - letztes Jahr war es extremer

Dass die Brasilianerinnen unter den Augen von Ronaldinho und Co. mit der trickreichen, technisch grandiosen und blitzschnellen Marta in der Schlussphase stärker wurden, hatte wohl auch mit der Hitze zu tun. „Es war schwierig und sehr anstrengend. Die Brasilianerinnen sind das mehr gewohnt“, sagte Kerstin Garefrekes.

Die Bedingungen bei 33 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit seien in Shenyang jedoch nicht schlimmer als vor einem Jahr bei der Weltmeisterschaft. „Da war es sogar noch extremer.“ Auch die Bundestrainerin glaubt nicht, dass sich Hitze und Smog in China über die goldenen Erwartungen der deutschen Mannschaft bei Olympia legen können. „Es ist schwierig“, sagte die Bundestrainerin, „aber wir werden uns hier durch die Runden beißen.“

Deutschland - Brasilien 0:0
Deutschland:
Angerer - Stegemann, Krahn, Hingst, Bresonik - Laudehr, Lingor - Garefrekes, Prinz, Behringer (ab 73. Bajramaj) - Smisek (ab 73. da Mbabi).
Brasilien:
Andrea - Andrea Rosa, Renata Costa, Tania - Maycon - Simone, Formiga, Daniela, Rosana - Marta, Cristiane (81. Pretinha)
Schiedsrichter: Kari Seitz (Vereinigte Staaten)
Tore: keine
Zuschauer: 15.000
Gelbe Karten: Tania

Olympisches Frauenfußball-Turnier
Gruppe E
Argentinien - Kanada 1:2 (0:1)
China - Schweden 2:1 (1:1)

Gruppe F
Deutschland - Brasilien 0:0
Nordkorea - Nigeria 1:0 (1:0)

Gruppe G
Japan - Neuseeland 2:2 (0:1)
Norwegen - USA 2:0 (2:0)

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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