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Hockeysieg im Halbfinale Finales Wiedersehen mit Spanien

21.08.2008 ·  Die deutsche Hockey-Nationalmannschaft kann zum dritten Mal Olympiasieger werden. In einem spannenden Spiel besiegten sie die Niederländer mit 4:3 im Siebenmeterschießen. Gegner im Finale ist Spanien.

Von Peter Penders, Peking
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Irgendwann kommt auch die Sportwissenschaft an ihre Grenzen. Alles durchleuchten sie beim Hockey, jeden Wert vergleichen sie, jeden Laktattest speichern sie, jedes Videoband schauen sie sich mehrfach an, jede Spezialität des Gegners kennen sie. Und doch kann die Lösung, die manchmal alles entscheidet, dann auch ganz simpel zustande kommen.

„Ein Bauchgefühl“, hatte Hockey-Bundestrainer Markus Weise zur Begründung gesagt, warum er bei diesen Olympischen Spielen von seinen drei in Frage kommenden Torhütern den international eher unerfahrenen Kölner Max Weinhold auswählte. Auf Weises Bauch aber war Verlass: Weinhold wehrte im Halbfinale gegen die Niederlande drei der sechs holländischen Schüsse im Siebenmeterschießen ab - und Deutschland steht nach dem 5:4-Erfolg erstmals seit 1992 wieder in einem olympischen Finale. Gegner am Samstag wird Spanien sein, das sich nach einem 0:2-Rückstand noch 3:2 gegen Australien, den Olympiasieger von 2004, durchsetzte.

Weinhold war nicht der einzige Held des Abends

„Das war eine überragende Mannschaftsleistung, ich bin sensationell stolz auf die Jungs“, sagte Weise. Und trotz der drei parierten Siebenmeter war Weinhold nicht der einzige Held der deutschen Auswahl, für die fünf Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit schon alles verloren schien, als Holland nach einer Strafeckenvariante durch Hoyng die Führung gelungen war.

Hockey: Deutsche Herren im Finale

„Ich wusste, dass wir noch eine Chancen bekommen würden“, sagte Weise und sollte sich nicht irren. Zwei Minuten vor dem Abpfiff war es ein Zeller, der für den Ausgleich sorgte - allerdings nicht der, mit dem die Niederländer gerechnet hatten. Christopher Zeller war schließlich im vergangenen Jahr noch Torschützenkönig und Spieler der Saison in der ersten holländischen Liga gewesen - getroffen aber hatte sein Bruder Philipp, der weder in seinem Jahr beim niederländischen Traditionsverein HC Bloemendaal noch bislang in der Nationalmannschaft als Torschütze in Erinnerung geblieben war.

Das gefühlte erste Tor für Philipp Zeller

„Das war gefühlt mein erstes Tor für Deutschland“, sagte der Verteidiger - in Wahrheit war es sein fünftes und fraglos wichtigstes. Eine Niederlage in der regulären Spielzeit wäre eine bittere Angelegenheit für die deutsche Mannschaft gewesen, die nach der Pause eine ganze Reihe von erstklassigen Torchancen ausgelassen hatte.

„Wir hatten die Holländer so gut wie seit vier Jahren in keinem Spiel mehr im Griff“, sagte der Hamburger Mittelfeldspieler Moritz Fürste. Doch auch in der Verlängerung, in der ein „Golden Goal“ alles ganz plötzlich hätte entscheiden können, verpasste die DHB-Auswahl die größte Chance auf den K.o.-Schlag. Nach einem Solo von Matthias Witthaus schlenzte Benjamin Wess den Ball an den Innenpfosten, und den Abpraller konnte der überraschte Philipp Witte nicht nutzen.

Im Training hielt Weinhold keinen Siebenmeter

So aber wurde das Bauchgefühl von Weise entscheidend, als es schließlich zum Siebenmeterschießen kam. „Wir wussten, dass wir da eine Riesenchance haben würden, weil Max immer zwei hält“, sagte der Kölner Tibor Weissenborn. Zumindest der Glaube daran kann wohl Berge versetzen, denn als die deutsche Mannschaft im Abschlusstraining auch ein Siebenmeterschießen simuliert hatte, war Weinhold mehr ein interessierter Zuschauer als ein großes Hindernis. „Da habe ich keinen einzigen gehalten“, sagte der Kölner.

Als es aber darauf ankam, wurden es drei, und bei jedem holländischen Schützen hatte Weinhold eine andere Taktik gewählt. „Man darf nicht immer dasselbe machen, ansonsten stellen sich die Schützen darauf ein“, sagte der deutsche Torwart - und so ruhig, wie er seine großen Momente in diesem Spiel nachher erklärte, so ruhig hatte er in der alles entscheidenden Phase auch in seinem Tor gewirkt.

Eine Parade mit dem Schläger, eine mit den Schienen, eine mit der Hand

Seine wechselhafte Taktik aber sollte sich als richtig, vielleicht sogar goldrichtig erweisen: Einen Siebenmeter wehrte er mit dem Schläger ab, einen mit den Schienen, und den letzten des holländischen Strafeckenspezialisten Taeke Takaema lenkte er zum Entsetzen der Niederländer mit der linken Hand über das Tor. Vermutlich aber war beim Siebenmeterschießen wieder die Wissenschaft ins Spiel gekommen, zumindest könnten Psychologen den Ausgang wohl spielend leicht erklären.

1995 war Deutschland Europameister geworden - im Siebenmeterschießen gegen die Niederlande, und das hatte sich 1999 wiederholt. Bei der EM 2003 im Finale und bei der Weltmeisterschaft 2006 im Halbfinale setzte sich Deutschland im Halbfinale gegen Spanien im Siebenmeterschießen durch - und die Erinnerung daran war rechtzeitig zurückgekehrt, vermutlich auch bei den Niederländern.

Der Weg ins Finale war holprig

Auch Weise hat gute Erinnerungen an dieses Glückspiel Siebenmeterschießen. 2004 führte er die deutsche Damenmannschaft sensationell zum Olympiasieg, und im Halbfinale hatte Deutschland natürlich ein Siebenmeterschießen benötigt. Vier Jahre später kann er das Kunststück schaffen, nach den Damen auch mit den Herren die Goldmedaille zu gewinnen. Der Weg dahin war holprig, denn als der Mannheimer 2006 nach dem WM-Triumph der Hockeyherren unter dem danach zum Fußball abgewanderten Bernhard Peters das Team übernommen hatte, dauerte es einige Zeit, bis sich Mannschaft und Trainer gefunden hatten.

Das haben sie mittlerweile, und auch die holprige Vorrunde im olympischen Turnier hat dabei weitergeholfen - Deutschland musste seine beiden letzten Gruppenspiele gewinnen und gewann gegen Neuseeland und gegen den Endspielgegner Spanien. Der 1:0-Erfolg war das Ergebnis akribischer Vorbereitungsarbeit, aber vielleicht spielt im Finale wieder etwas ganz anderes die entscheidende Rolle. „Ich habe ein gutes Gefühl“, hatte Weise vor Beginn des Turnieres gesagt, und genau das hatte er vor vier Jahren auch immer gesagt.

Halbfinale: Niederlande - Deutschland 3:4 i.S. (1:1,1:1,0:0)
Niederlande: Vogels - Derikx, Boerma, Taekema - van der Horst, Delmee, de Nooijer, Docherty - Hertzberger, Matthijs Brouwer, Ronald Brouwer
Eingewechselt: Derikx, van der Weide, Weusthof, Reckers, Hoyng
Deutschland: Weinhold (Rot-Weiß Köln) - Müller (Nürnberger HTC), Timo Weß (Rot-Weiß Köln), Biederlack (Club an der Alster), Christopher Zeller (Rot-Weiß Köln) - Weißenborn (Rot-Weiß Köln), Fürste (UhlenhorsterHC), Hauke (Harvestehuder THC) - PhilippZeller (Rot-Weiß Köln), Witthaus (Crefelder THC), Nevado (Uhlenhorster HC)
Eingewechselt: Witte (Uhlenhorster HC), Benjamin Weß (Rot-Weiß Köln), Keller (Zehlendorfer Wespen), Meinert (Mannheimer HC), Jan-Marco Montag (Gladbacher HTC)
Schiedsrichter: Gentles/Wright (Australien/Südafrika)
Tore: 1:0 Hyong (66./Strafecke), 1:1 Philipp Zeller (68.)
Siebenmeterschießen: 1:0 Taekema, 1:1 Christopher Zeller, 2:1 Ronald Brouwer, Keller verschießt, Reckers verschießt, 2:2 Meinert, Weusthof verschießt, Philipp Zeller verschießt, 3:2 de Nooijer, 3:3 Weißenborn, 3:4 Christopher Zeller, Taekema verschießt

Quelle: FAZ.NET mit sid
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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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