10.08.2008 · Das Basketball-Spiel zwischen China und Amerika wurde zum Spiel der Spiel erklärt. Doch beim 101:70 hatte das „Dream Team“ gegen die Gastgeber leichtes Spiel und zeigte Kunststücke. Yao Ming läuft seiner Form hinterher.
Von Cai Tore Philippsen, PekingDas offizielle chinesische Sprachrohr „China Daily“ hatte den „Clash of the Titans“ etwas voreilig angekündigt. Die Stars aus der NBA gegen die Helden aus China, Kobe Bryant gegen Yao Ming, Kapitalismus gegen Kommunismus. Dieses Spiel, so die Prognosen, würde die höchste weltweite Einschaltquote aller Zeiten erreichen, eine Milliarde Menschen.
Doch wenn tatsächlich so viele vor dem Fernseher saßen, mussten sie mit ansehen, wie locker Amerika die Basketballspieler aus dem Riesenreich und ihren 2,29 Meter großer Superstar Yao Ming in der Vorrunde des olympischen Turniers in Peking entzauberte. Zwischen den Körben ist China, trotz aller Begeisterung im ganzen Land, noch lange kein Titan.
„Wir wollen einfach die Besten in diesem Turnier sein“
101:70 gewann die versammelte Elite der nordamerikanischen Profiliga, und es hätten noch deutlich mehr Punkte sein können. Immer dann, wenn Kobe Bryant und LeBron James Tempo machten, konnten die Männer in den roten Trikots nicht mehr mithalten. Und vielleicht hatte der amerikanische Präsident George W. Bush ja vor dem Match in der Kabine zur Zurückhaltung gemahnt. Gebeten, den Gastgeber nicht sein Gesicht verlieren zu lassen.
Immerhin kam China besser davon als bei den bisherigen olympischen Duellen. 48 Punkte betrug die Differenz beim ersten Aufeinandertreffen in Los Angeles 1984, 49 waren es 1988 in Seoul, 63 im Jahr 1996 in Atlanta und 47 in Athen vor vier Jahren. „Wir wollen einfach die Besten in diesem Turnier sein, wir haben noch einen langen Weg vor uns“, sagte Chris Bosh von den Toronto Raptors.
Selbst bei Rückstand bleiben Chinas Fans gutgelaunt
Dwayne Wade (Miami Heat) war mit 19 Punkten bester Werfer, LeBron James (Cleveland Cavaliers) gelangen 18, und Kobe Bryant (L.A. Lakers) deutete sein Können mit 13 Punkten nur leise an. Der Auftakt aber gehörte Yao Ming. Er brachte sein Team mit einem wunderschönen Dreier in Führung. Und als Bryants Versuch im Gegenzug scheiterte, waren die meisten der 18.000 in der ausverkauften Wukesong Indoor Arena richtig aus dem Häuschen. „Ja You, Ja You!“ (Auf geht's) dröhnt es in der Halle.
Selbst als es nicht mehr so gut für ihr Team aussah, verloren die Zuschauer nicht die gute Laune, konnten sich an gelungenen Aktionen der Amerikaner fast genauso erfreuen. Und von denen gab es immer mal wieder welche. Slam Dunks, Pässe ohne Blickkontakt und Zeitraffer-Basketball, eingestreut wie Schokostücken in einen Kuchen. „Es war ein großartiges Spiel, eine tolle Atmosphäre“, sagte Yao Ming diplomatisch.
Amerikas Coach Krzyzewski „Ein historisches Spiel“
Nach dem ersten Viertel stand es noch 20:16. Dann ließ die Truppe aus lauter Multimillionären ihrer Spielfreude freieren Lauf, der Vorsprung wuchs von vier auf zwölf Punkte nach dem zweiten Viertel, nach dem dritten waren es 26 und als die Schlusssirene ertönte 31 Zähler. Noch lässt sich kaum beurteilen, ob die „Operation Gold“ erfolgreich sein wird.
Ob die Mannschaft, die sich nicht „Dream Team“ nennen will, den ersten internationalen Titel nach 2000 in die Staaten holen kann, und die Basketballnation die Schmach von Athen 2004 vergessen lässt. „Das war ein historisches Spiel“, sagte Amerikas Coach Mike Krzyzewski, „wir sind schwer in die Partie gekommen, bis zum ersten Dreier hat es ewig gedauert.“
Yao Ming hat noch nicht wieder zu alter Stärke gefunden
China war selbst für eine Standortbestimmung zu schwach, es fehlt hinter den beiden NBA-Spielern Yao Ming (Houston Rockets) und Yi Jianlian (Milwaukee Bucks) an Klasse. Ihre schiere Körpergröße, die Kobe Bryant im Vorfeld als Gefahr bezeichnet hatte, konnten sie nicht ausnutzen.
Yao Ming, mit 13 Punkten der treffsicherste Chinese, schien nach der langen Verletzungspause noch nicht wieder zu alter Stärke gefunden zu haben. Es fehlte aber vor allem an Geschwindigkeit bei Pässen und Angriffen. Auch die Reboundschwäche sollte Deutschland in seinem Gruppenspiel gegen China ausnutzen. Nach dem lockeren Auftaktsieg gegen Angola (Siehe auch: Basketball-Sieg gegen Angola: Vaterlandsverräterdebatte trübt Freude) scheint ein zweiter Sieg gegen den Gastgeber möglich. Er ist an diesem Sonntag auf Normalgröße geschrumpft.