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Basketball-Olympiaqualifikation Das Warten auf Kaman hat ein Ende

14.07.2008 ·  Mit der Einbürgerung Chris Kamans haben sich die Chancen des deutschen Basketball-Nationalteams auf die Olympiaqualifikation spürbar verbessert. Dennoch steht der Auswahl in Athen ein schweres Turnier bevor.

Von Thomas Klemm
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Es war spät geworden, als Chris Kaman endlich zeigen konnte, was er kann. Er versenkte die meisten seiner Freiwürfe, und auch aus größerer Distanz traf er mit ruhiger Hand. Er dribbelte souverän über das Parkett, ein Sololauf folgte auf den anderen, niemand störte ihn, wieso auch, denn weit und breit waren weder Mitspieler noch Gegenspieler in Sicht.

Nur Assistenztrainer Hansi Gnad stand ein paar Meter neben Kaman und gab Anweisungen, und einige versprengte Autogrammjäger und die Aufräumer in der Mannheimer SAP-Arena sahen zu, wie sich Chris Kaman in Spiellaune präsentierte, als das Länderspiel der deutschen Basketball-Nationalmannschaft gegen Kanada längst vorbei war. „Der Typ ist Wahnsinn“, sagte zur gleichen Zeit im Nebenraum Basketball-Bundestrainer Dirk Bauermann, „wir freuen uns, dass er sich so bemüht.“

Absurdes Theater à la Samuel Beckett

Und wie Kaman sich bemüht hat! Um seinen Klub Los Angeles Clippers von seinem intakten Gesundheitszustand zu überzeugen, war Kaman am Freitag noch einmal nach Straubing gefahren, um sich ein weiteres ärztliches Attest zu besorgen. Nach Mannheim zurückgekehrt, hatte Kaman den ganzen Abend sein Handy auf Empfang gestellt, hatte in der Halle „gehofft und gebetet“, dass der Klub aus der nordamerikanischen Profiliga NBA endlich dem Versicherungsvertrag zustimmen und damit die Freigabe für einen Einsatz in der Auswahl des Deutschen Basketball-Bundes (DBB) erteilen möge.

Kurz vor 23 Uhr, als die DBB-Auswahl Kanada bereits 84:74 besiegt hatte und als Bauermann schon darüber räsonierte, was die Mannschaft ohne ihren neuen NBA-Star leisten könne, kam endlich das ersehnte Stück Papier aus dem Faxgerät. Aus dem NBA-Ligabüro in New York erreichte DBB-Generalsekretär Wolfgang Brenscheidt um 22.47 Uhr die Freigabe: Chris Kaman, der vor elf Tagen seinen deutschen Pass bekommen hat, darf beim Olympia-Qualifikationsturnier in Athen von Dienstag an für die DBB-Auswahl auflaufen. (Siehe: Olympia-Qualifikation: Zwölf Korbjäger von neun Inseln).

„Wir haben jetzt eine große Chance“

Die vergangenen Tage zwischen Hoffen und Bangen trugen Züge des absurden Theaters à la Samuel Becketts Stück über „Godot“. „Warten auf Kaman“ hätte der Titel des Stückes lauten müssen, das sich zwischen Spieler, deutschem Verband und nordamerikanischer Liga abspielte. Das tagelange Hinhalten durch die L.A. Clippers und die NBA, die Forderung nach immer neuen ärztlichen Attesten und den dadurch verzögerten Versicherungsabschluss fand DBB-Vizepräsident Wolfgang Hilgert zuletzt „zum Heulen“.

Am Freitag endlich anerkannte die NBA, dass der Basketballprofi mit den deutschen Urgroßeltern nach seiner im April erlittenen Knöchelverletzung wirklich wieder fit ist. Vor allem zur Freude von Dirk Nowitzki, der durch Kamans Kommen als Leistungsträger entlastet wird und dessen olympischer Traum sich nun womöglich etwas leichter erfüllen lässt. „Wir haben jetzt eine große Chance. Ich hoffe, dass wir sie als Mannschaft nutzen können“, sagt der Star der Dallas Mavericks.

Ein guter Mann, der tough ist

Am liebsten wäre es Nowitzki und seinen Kollegen gewesen, der 2,13 Meter lange Clippers-Center hätte sich schon in den beiden letzten Testpartien gegen Kanada einbringen dürfen; stattdessen muss sich der Neu-Deutsche nun erst einmal im Training daran gewöhnen, wie es diesseits des Atlantiks auf dem Parkett zugeht. „Er wird merken, dass die Zone vollgepackt und eng ist“, sagte Nowitzki, dem der stetige Wechsel zwischen den NBA-Gepflogenheiten und der europäischen Spielweise mühelos gelingt. Kaman fehle „die internationale Erfahrung“, sagt der Würzburger, „ich hoffe, dass er das Manko mit seiner Klasse wettmachen kann“.

Aber selbst ohne den 26 Jahre alten Neuzugang aus Übersee wirkte Bauermanns Kader am Freitag gegen Kanada gewappnet, um beim Olympia-Qualifikationsturnier eine gute Rolle zu spielen. Zwei Tage nach der 86:91-Niederlage gegen denselben Gegner in Hamburg zeigte sich die DBB-Auswahl vor allem in der Defensive deutlich verbessert. Während Jan-Hendrik Jagla unter dem eigenen Korb fast alles abfing (8 Rebounds), überragte Nowitzki in der Offensive. Nach Startschwierigkeiten - bis zur Halbzeitpause fanden nur drei seiner neun Feldwürfe ihr Ziel - ließ sich der Dreißigjährige nicht länger von der aggressiven Spielweise der Kanadier beeindrucken. Nach dem Sieg im letzten Testspiel hofft Nowitzki, mit 25 Punkten bester deutscher Schütze, auf Beistand beim Athener Qualifikationsturnier: „Es ist sehr wichtig, dass man unter dem Korb einen guten Mann hat, der tough ist.“

Seine Werte in der letzten NBA-Saison (15,7 Punkte, 13,7 Rebounds, 2,8 Blocks) sprechen für den eingebürgerten Chris Kaman, der sich erleichtert zeigte, „dass ich mich jetzt voll auf das Team und unser Spiel konzentrieren kann“. In dieser Woche wird sich zeigen, ob das zuletzt absurd anmutende Schauspiel „Warten auf Kaman“ ein olympisches Happy End hat.

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Jahrgang 1966, Sportredakteur.

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