Fünf kompakte Wettkampftage, verhältnismäßig gute Wetterbedingungen, ein zwar nicht berauschender, aber akzeptabler Publikumsbesuch, und Leistungen zwischen heiter und wolkig. Die Tage von Helsinki brachten keine Triumphe, aber Gewinne. Nicht zuletzt für die Athleten, die es gewagt hatten, sich der Doppelbelastung einer erstmals im Olympiajahr ausgetragenen Leichtathletik-Europameisterschaften auszusetzen und anzutreten.
Diejenigen, die dabei eine Medaille oder gar den Titel holten, strahlten sogar wie richtige Sieger. Sie sicherten sich ihren Platz für die Nachwelt - wenn auch nicht in den Geschichtsbüchern, so doch zumindest in den Statistik-Handbüchern. So wie Kugelstoßerin Nadine Kleinert, die auf ihre alten Tage noch einmal Gold holte. Und diejenigen, die nichts gewonnen hatten, wie die im Vorkampf gescheiterte Hammerwurf-Titelverteidigerin Betty Heidler, konnten sich damit trösten, dass es „nur“ die kleine EM war. Der eigentliche Höhepunkt des Jahres, die Olympischen Spiele, stehe ja erst noch bevor.
Nicht weniger als 1342 Athletinnen und Athleten aus 50 Ländern hatten sich bei diesen 21. Europameisterschaften angemeldet, das waren praktisch genauso viele wie 2010 in Barcelona, als die EM ein leichtathletisches Alleinstellungsmerkmal für das Jahr hatte.
Nur in der Spitze waren die Teilnehmerfelder etwas dünn, was sich auch an den bisweilen geringen Sieges-Leistungen widerspiegelte. So mancher der zu Hause gebliebenen Favoriten mag deshalb im Nachhinein mit seiner Entscheidung gehadert haben. Natürlich kann keiner in die Zukunft blicken, und deshalb ist ungewiss, ob die Sieger von Helsinki auch in London aussichtsreich ins Rennen gehen, oder ob sie ihre Körner schon verschossen haben?
Doch die Trainingslehre sollte es erlauben, eine Saison mit zwei Gipfeln zu planen. Es war ja lange genug bekannt. Pragmatiker wie Robert Harting haben längst ein Motto daraus gemacht: „Drei Titel in 365 Tagen“ gab der Diskusweltmeister von 2011 als Ziel aus. Zwei hat er nun schon, dem dritten sieht er zuversichtlich entgegen.
Die Unsicherheit, zur richtigen Zeit am falschen Platz gewesen zu sein, liegt bei denen, die Helsinki ausgelassen haben. Es könnte ihnen schließlich in London so gehen, wie dem Franzosen Romain Mesnil hier in der Stabhochsprung-Qualifikation. Als er in den Wettkampf einstieg, waren die meisten anderen schon fertig. Nur dummerweise scheiterte der WM-Zweite dreimal an seiner zu hoch gewählten Anfangshöhe und schied aus. Eine etwas geringer angesetzte Erwartungshaltung hätte dagegen locker zum Finaleinzug gereicht. Wenn schon pokern, dann richtig, möchte man meinen. Wer die EM ausgelassen hat, steht bei Olympia erst recht unter Erfolgsdruck.