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Leichtathletik-EM Goldene Klassenfahrt

 ·  Sie haben sich geschworen, allen zu zeigen, was sie drauf haben. Und setzen ihre Motivation eindrucksvoll in die Tat um: Die deutschen Sprinterinnen werden in Helsinki Staffel-Europameister.

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© dpa Wer strahlt am Schönsten?

Ein bisschen wirkten sie wie Teeanger auf Klassenfahrt, wie sie so giggelnd und strahlend von einem Bein aufs andere hüpften. Dabei ist Leena Günther schon 21, Anne Cibis und Verena Sailer sogar 26, und das 19 Jahre junge „Küken“ Tatjana Pinto hat auch gerade Abitur gemacht. Aber das fröhliche Gekicher hinterließ vor allem den Eindruck, da haben vier flotte, junge Frauen Riesenspaß miteinander. Und sie hatten ja auch wirklich eine gute Zeit in Helsinki. 42,51 Sekunden, Europameister im Staffellauf über 4x100 Meter. Erzielt mit europäischer Jahresbestzeit. Besser konnte man es zum Abschluss dieses Ausflugs an der Ostsee nicht machen.

Die vier deutschen Frauen nehmen goldene Erinnerungsstücke mit nach Hause, gewonnen mit deutlichem Abstand vor den Staffeln aus Holland (42,80) und Polen (43,06). „Wir haben uns eingeschworen, zu zeigen, was wir können“, sagte Verena Sailer, die so etwas wie die Klassensprecherin der Lauftruppe ist. „Der heutige Tag ist für mich auch eine Genugtuung.“ Die Mannheimerin ist Deutschlands schnellste Frau, bis vergangenen Donnerstag war sie sogar die Schnellste des ganzen Kontinents, seit sie 2010 Europameisterin geworden war. Dann aber kam sie im Einzelfinale an diesem Donnerstag überraschend nicht über Platz sechs hinaus. 11,42 Sekunden für hundert Meter, das war nicht das, was sie sich vorgestellt hatte. Anne Cibis und Tatjana Pinto liefen auch im Endlauf mit, das war die gute Nachricht. Sie wurden Siebte und Achte.

Alles für gut elf Sekunden

Der Donnerstag war einer der Tage gewesen, an denen sich Verena Sailer nicht sicher ist, ob der ganze Aufwand sich eigentlich wirklich lohnt. Dieses stundenlange dehnen und aufwärmen, das lange Warten auf den kurzen Wettkampf, die Momente der Ungewissheit, ob die Form stimmt, ob der Körper mitspielt, ob sie auf Kommando schnell sein wird. Das alles für gut elf Sekunden. Und wenn es dann zwei, drei Zehntel länger dauert, war alles umsonst. Doch dann kam der Sonntag. „Was im Einzel gewesen ist, war vor der Staffel Wurst“, erklärte sie kategorisch. Ein Tag wie gemalt für die Läuferinnen: Letzter Tag der Leichtathletik-EM. Himmel blau, Sonne scheinend, Publikum erwartungsfroh und 20 Grad Celsius im Innenraum. Beste Bedingungen.

Und alles klappte wie am Schnürchen. Leena Günther lief super an, der Wechsel zu Anne Cibis klappte gut. Die favorisierten Ukrainerinnen auf der Nebenbahn dagegen verzettelten das Staffelholz und schieden aus. Anne Cibis übergab an Tatjana Pinto und merkte erst jetzt, dass die Nebenfrau fehlte. Tatjana Pino rannte im Vollspeed durch die Kurve und Verena Sailer ließ auf der Zielgeraden überhaupt kein Zweifel daran, wer wirklich die schnellste Europäerin ist. Es hatte sich richtig gut angefühlt. Und immer wenn es sich richtig gut anfühlt, ist Verena Sailer glücklich über ihre Berufung, ihr Talent, ihren Sport. Der Rest war Jubel. Umarmungen, Ehrenrunde mit Deutschland-Fahne, Interviews, lachend. Und an diesem Montag feiert Tatjana Pinto auch noch ihren 20. Geburtstag. Besser konnte die Zeit nicht sein.

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Jahrgang 1969, Sportredakteur.

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