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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Von Tennis zu Golf Kafelnikows neue Sehnsucht

 ·  Das Grün ist geblieben, Ball und Schläger haben sich geändert. Der frühere Tennisprofi Jewgeni Kafelnikow hat sich ganz dem Golfsport gewidmet. und strebt große Ziele an: Noch einmal will er bei Olympia spielen.

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Golf spielt Jewgeni Kafelnikow schon seit vielen Jahren. „Ich habe Tennis um Geld gespielt und Golf zum Spaß. Zu jedem ATP-Turnier habe ich die Golfschläger mitgenommen und bei jeder Gelegenheit gespielt.“ Eine Aussage, die es zu relativieren gilt. Auch bei Golfmatches, besonders wenn es gegen seinen Kumpel Andrej Medwedew aus der Ukraine ging, zockte der Russe aus Sotschi immer um Tausende von Dollars. Seiner Tenniskarriere hat die sportliche Nebentätigkeit nicht geschadet: Er gewann zwei Grand-Slam-Turniere (French Open 1996 mit einem Finalsieg gegen Michael Stich, Australian Open 2000) im Einzel, dazu vier im Doppel. Er besiegte 2000 im Olympia-Finale von Sydney Tommy Haas, stand 1999 für ein paar Wochen an der Spitze der Weltrangliste und gewann im Herbst seiner Karriere 2002 mit Russland auch noch den Davis Cup. Allein an Preisgeld kassierte Kafelnikow 24 Millionen Dollar, ein gutes Polster, um unbeschwert eine zweite sportliche Passion zu pflegen.

„Ich liebe Golf“, sagt der mittlerweile 37-jährige ehemalige Tennischampion. Neuerdings huldigt er dieser Liebe als Profi – und hat schon den ersten kleinen Erfolg verbucht. Ende Juni gewann er im Pestowo Golf and Yacht Club in der Nähe von Moskau die russische Profimeisterschaft. Mit einer vorzüglichen Schlussrunde von 67 Schlägen machte er einen Rückstand von acht Schlägen wett. Aber sein Gesamtergebnis von 303 Schlägen nach vier Runden, also 15 über Par, zeigt, dass die Konkurrenz – bei den Herren waren nur zwölf Profis am Start – nicht allzu groß und spielstark war. Bei den Damen siegte Maria Verchenowa (290 Schläge), die auf der europäischen Damentour spielt.

„Bis 2016 habe ich ja noch fünf Jahre Zeit“

Von der Spielstärke für eine der großen Profiturnierserien ist Kafelnikow noch weit entfernt, auch wenn der erste Erfolg Lust auf mehr macht: „Es wäre toll, wenn ich in einer anderen Sportart noch einmal an Olympia teilnehmen könnte.“ 2016, wenn Golf nach 112 Jahren wieder im olympischen Programm steht, will der Tennis-Olympiasieger noch einmal antreten: „Ich weiß nicht, ob ich mich für Rio qualifizieren kann, aber mein Sieg bei der russischen Meisterschaft, besonders die letzte Runde, hat gezeigt, dass ich Golf spielen kann.“

Kafelnikows Verbesserung ist wirklich bemerkenswert. 2005, zwei Jahre nach Ende seiner Tenniskarriere, hatte er an der Russian Open der European Tour teilgenommen. Damals belegte er nach Runden von 86 und 92 Schlägen weit abgeschlagen den letzten Platz. In der vergangenen sowie Anfang dieser Woche spielte der Neuprofi bei zwei Turnieren der EPD Tour mit, eine der dritten Ligen im europäischen Golf. Die Ergebnisse von 78 und 76 in Steinhöring (Oberbayern) sowie von 76 und 74 Schlägen in Bad Waldsee (Oberschwaben) sind zwar aller Ehren wert. Aber nicht einmal in einer Turnierserie, in der sich Nachwuchsprofis die ersten Sporen verdienen, ist man mit solchen Ergebnissen konkurrenzfähig. Beide Male verpasste Kafelnikow den Cut nach zwei Runden weit, einmal um neun, einmal um fünf Schläge. Vom Spitzenreiter trennten ihn in Bad Waldsee nach 36 Löchern 24 Schläge – im Golf Welten. Trotzdem hat es ihm viel Spaß gemacht. „Das Niveau der Spieler ist sehr gut, hier kann ich mich weiterentwickeln“, sagte er. Im nächsten Jahr wird Kafelnikow vielleicht die komplette Saison der EPD Tour mitspielen.

„Jetzt schießen Golfplätze wie Pilze aus dem Boden“

„Ich weiß, dass ich jeden Tag viele Stunden trainieren muss, um das Niveau von Profis zu erreichen“, sagt Kafelnikow, „aber bis 2016 habe ich ja noch fünf Jahre Zeit.“ Und selbst wenn es nicht klappen sollte, hat er dem russischen Golf mit seinen Ausflügen ins Profilager wichtige Aufmerksamkeit beschert. Kafelnikow, seit 2005 Vizepräsident des russischen Golfverbandes, will das Spiel in dem riesigen Land populärer machen. „Golf ist heute in Russland da, wo Tennis Anfang der neunziger Jahre war. Aber jetzt schießen Golfplätze wie Pilze aus dem Boden“, sagt Kafelnikow, der beklagt, dass der Sport vor allem im Großraum Moskau mit mittlerweile vier Plätzen – im restlichen Land gibt es weitere sechs Anlagen, noch einmal zwölf sind im Bau oder in Planung – ein Privileg der Reichen ist.

Aufnahmegebühren von bis zu 200 000 Euro, Jahresbeiträge von bis zu 16 000 Euro rund um Moskau sind nur für Superreiche erschwinglich. Immerhin lassen fast alle Clubs eine gewisse Anzahl von talentierten Kindern und Jugendlichen kostenlos auf die Anlagen. „Vielleicht“, sagt Kafelnikow, „wird ja eines von diesen Talenten eines Tages ein erfolgreicher Profi.“ Und vielleicht ist einer dabei, der durch Kafelnikow zum Golfsport kam.

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Jahrgang 1948, Sportredakteur.

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