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US Open der Golfer Spielen, bis ein Champion gefunden ist

20.06.2009 ·  Die US Open der Golfer auf Long Island leiden unter Dauerregen, auch wenn ein paar Runden ganz manierlich gespielt wurden. Dass die Natur den Ablauf durcheinanderwirbelt, ist nichts Neues - doch eine Verlängerung scheint wahrscheinlich.

Von Jürgen Kalwa, Farmingdale
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Das Wetter im Nordosten der Vereinigten Staaten vorherzusagen ist keine Geheimwissenschaft. Satellitenbilder und Radarinformationen sowie Hochrechnungen aus dem Computer vermitteln den Meteorologen schon Tage zuvor ein ziemlich klares Bild. So wussten die Verantwortlichen der US Open schon früh, was ihnen in diesem Jahr blüht, und schickten 200 Helfer hinaus auf den Black Course im Bethpage State Park in Farmingdale auf Long Island, wo sie mit speziellen Wischrollgeräten, genannt Squeegees und Water Hogs, Wasser von den Grüns schieben sollen.

Die Organisatoren wussten nämlich noch etwas anderes: dass wochenlange Regenfälle den alten Platz in der hügeligen Landschaft außerhalb von New York, der in den dreißiger Jahren während der Wirtschaftskrise von der öffentlichen Hand als Konjunkturförderungsprojekt gebaut worden war, an den Rand seiner Möglichkeiten gebracht hatte. Anders als moderne Golfanlagen, die nicht nur mit Bewässerungssystemen, sondern auch mit Drainagerohren ausgestattet sind, hängt in Bethpage vieles von den Launen der Natur ab.

Am Donnerstagmorgen kam es, wie prophezeit: Pünktlich, wenige Minuten vor Spielbeginn um sieben Uhr, setzte wieder Dauerregen ein. Auf den Grüns, aber auch auf dem besonders kritischen 18. Fairway bildeten sich schnell Lachen und Pfützen. Auf der tiefliegenden letzten Spielbahn wurden die herangeschafften Pumpen angeworfen, um das Nass abzusaugen. Da hatte der amtierende US-Open-Champion Tiger Woods, der letzte British-Open-Sieger Padraig Harrington und der aktuelle Masters-Gewinner Angel Cabrera, die bei diesem Turnier traditionell zusammen an den ersten beiden Tagen in einem Flight spielen, gerade das siebte Loch erreicht.

„Solange wir spielten, waren die Bedingungen okay“

Etliche Löcher waren zwar verkürzt worden, aber ein Spaß war die Regenschlacht dennoch nicht. „Es war geradezu komisch“, sagte der Engländer Ian Poulter, „die Helfer haben die Grüns vom Wasser befreit, bevor wir unsere Schläge aufs Grün ausführten, dann haben sie weitergearbeitet, während wir zum Grün gingen, und sind dann vor jedem Putt noch einmal mit den Squeegees über die Puttlinie gerollt.“

Trotz dieser hektischen Betriebsamkeit gab es keine Klagen. „Solange wir spielten, waren die Bedingungen okay“, sagte der Ire Harrington, aber um 10:14 Uhr war endgültig Schluss. Tiger Woods, der wie immer als haushoher Favorit in den Wettbewerb gegangen war, markierte seinen Ball auf dem siebten Grün, den Putt aus drei Metern zum Par schob er am Freitagmorgen am Loch vorbei.

Angesichts der schwierigen Bedingungen sahen die Ergebnisse der meisten Spieler, die seit dem frühen Donnerstagmorgen unterwegs waren, zwar noch manierlich aus. Die besten lagen bei einem Zwischenstand von eins unter Par. Woods hatte wie Martin Kaymer ein paar Gruppen weiter vorne eine Eins über Par zu Buche stehen. Aber die Niederschläge fielen unerbittlich. Und so wurde das Turnier nach drei Stunden unterbrochen und wenige Stunden später für den Rest des Tages abgesagt.

„Für mich ist das Beste, morgen zurückzukommen“

Harrington, der mit vier über Par einen katastrophalen Start hatte, sah zumindest für sich persönlich wieder einen Silberstreif am Horizont und war damit überhaupt nicht unzufrieden. „Wenn du so schlecht anfängst, dann bist du froh, wenn du vom Golfplatz runterkommst“, sagte er. „Für mich ist das Beste, morgen zurückzukommen.“ Die Zeit bis dahin wollte er nutzen, um herauszufinden, woran es in seinem Spiel hapert. Am Freitag konnte wenigstens ein wenig weitergespielt werden. Titelverteidiger Tiger Woods reihte sich nach der ersten Runde mit 74 Schlägen ins hintere Mittelfeld ein. Der Deutsche Martin Kaymer benötigte 76 Schläge (siehe auch: Sport kompakt: Woods patzt - Vettel rast - Armstrong nominiert)

Dass die Natur den Ablauf von Golfturnieren durcheinanderwirbelt, ist nichts Neues. So etwas bleibt nicht aus bei einer Sportart, die unter freiem Himmel ausgetragen wird und bei der die Profis über vier Tage verteilt vier Runden spielen. Normalerweise schaffen es die Organisatoren trotzdem immer noch irgendwie, das Programm so zu abzuwickeln, dass am späten Sonntagnachmittag zu bester Fernsehzeit der Gewinner feststeht.

Ob das in diesem Sommer auch in Bethpage gelingen wird, ist angesichts der schlechten Wettervorhersagen vor allem für Sonntag längst fraglich. „Im Idealfall werden wir die zweite Runde am Samstag gespielt haben“, sagte Jim Hyler, der Vizepräsident des amerikanischen Golfverbandes, der das anspruchsvolle Traditionsturnier in diesem Jahr zum 109. Mal ausrichtet. Aber selbst danach – einer Verspätung um einen vollen Tag – sieht es angesichts der Wetterprognosen nicht aus. Die Vorhersage wirke „nicht besonders vielversprechend“, meinte Hyler. Die einzige Gewissheit, die er verbreiten konnte, lautete: „Wir bleiben hier so lange, bis wir einen Champion haben.“

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