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Tom Watson Ein perfekter Gentleman

18.07.2010 ·  Das vorzeitige Ende der Dienstreise überrascht nicht sonderlich. Tom Watson verabschiedet sich endgültig von den British Open in St. Andrews – wieder mal als Verlierer. Doch auch ohne Sieg ist er einer der „Elder Statesmen“ des Golf.

Von Wolfgang Scheffler, St. Andrews
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Selbst Tiger Woods erwies dem Altmeister die Ehre. Wenige Minuten, nachdem der 34-jährige Amerikaner mit einem gewaltigen Hieb den Ball am 18. Loch, einem 326 Meter langen Par 4, fast zum Ass eingelocht hatte, ließ er sich mit dem Putten Zeit. Erst wollte er die Abschiedsvorstellung von Tom Watson auf der Brücke über dem Swilcan Burn miterleben, jenes kleine Bächlein, das quer durch das 1. und 18. Fairway des Old Course of St. Andrews fließt.

Im schwindenden Tageslicht legte Watson eine Hand auf die Brücke, beugte sich vornüber und küsste die uralten Steine. „Ich habe an Arnold und Jack auf dieser Brücke und an ihre letzte Open hier in St. Andrews gedacht. Dies ist nicht, so Gott will, meine letzte Open, aber es ist meine letzte in St. Andrews. Ich wollte dem R & A danken, dass ich noch ein paar Jahre mitspielen darf“, begründete Watson seine Geste.

Nachdem er im vergangenen Jahr in Turnberry seinen sechsten Sieg beim ältesten Turnier der Welt nur hauchdünn verpasst hatte – er hatte einen Putt aus drei Metern zum Sieg am letzten Loch vorbei geschoben und war seinem Landsmann Stewart Cink im Stechen unterlegen – hatte der veranstaltende Royal and Ancient Golf Club of St. Andrews (R & A) die Regeln geändert, so dass Watson bis zur Vollendung seines 65. Lebensjahres bei den British Open antreten darf. Der Amerikaner aus Kansas City feiert dieses Wiegenfest am 4. September 2014, ein paar Monate bevor „The Open Championship“, wie das Turnier offiziell heißt, wieder im Juli 2015 nach St. Andrews zurückkehrt.

„Ich hatte unheimlich viel Spaß“

Die Fans in St. Andrews wussten natürlich, dass sie ihren Liebling Tom Watson, der alle fünf seiner British-Open-Siege in Schottland gefeiert hatte, nicht mehr als Turnierteilnehmer sehen werden. Wie schwer ihnen der Abschied von dem einst besten Golfer der Welt fiel, demonstrierten sie mit dem immer wieder aufbrausenden Applaus, wenn Watson Anstalten machte, die Brücke zu verlassen. Er hielt ein paar Mal inne, ehe er seinen Weg zum 18. Grün fortsetzte.

Auf diesem riesigen, kurz geschorenen Stück Gras mitten in St. Andrews benötigte Woods aus vier Metern zwei Putts, aber mit dem Birdie blieb er im Rennen, zum dritten Mal nacheinander in St. Andrews die British Open zu gewinnen. Ein Triple, das bisher noch keinem Golfer gelang. Am späten Samstagnachmittag ging Woods (67+73 Schläge) gleichauf mit dem Mettmanner Martin Kaymer (69+71 Schläge) als Vierzehnter, acht Schläge hinter dem führenden Südafrikaner Louis Oosthuizen (65+67) auf die dritte Runde.

Auch Watson beendete die Runde am Freitagabend mit einem Birdie, aber es waren am Ende zwei Schläge zu viel, um den Cut zu überstehen. Obwohl Watson, die Bedingungen als die schwierigsten bezeichnete, die er bei seinen sieben Teilnahmen in der Universitätsstadt erlebt habe, sagte er: „Ich hatte unheimlich viel Spaß.“ Jüngeren Kollegen wurde der Spaß an diesem stürmischen Tag gründlich verdorben. Der Südafrikaner Ernie Els, der Amerikaner Padraig Harrington, der Amerikaner Jim Furyk oder der Argentinier Angel Cabrera, allesamt Major-Champions, mussten am Wochenende zuschauen.

„Ich bin doch nur ein Golfer

Watson hat das vorzeitige Ende seiner Dienstreise, in das Städtchen, dass sich „Home of Golf“ nennt, nicht sonderlich überrascht. Schon vor dem Turnier hatte er geklagt, dass seine Form nicht so gut sei wie im Vorjahr. Dass er die regnerischen und stürmischen Tage in St. Andrews dennoch genoss, hatte viele Gründe. Einer davon war, dass er gemeinsam mit Arnold Palmer und Padraig Harrington Watson zum Doctor honoris causa der Jurisprudenz ernannt wurde.

Eine Ehre, die Watson, einem ehemaligen Studenten der amerikanischen Elite-Universität Stanford, sichtlich peinlich war: „Ich bin doch nur ein Golfer.“ Man muss hinzufügen: Aber was für einer. Er gewann neben seinen fünf Erfolgen bei den British Open noch zweimal das Masters, einmal die US Open und verbuchte insgesamt 66 Turniersiege in aller Welt. Nur eines war ihm nicht vergönnt: ein Sieg bei „The Open Championship“ in St. Andrews. 1984 kostete ihn ein Fehler am berühmt-berüchtigten 17. Loch, dem Road Hole, und ein Birdie des Spaniers Severiano Ballesteros den Sieg. „Ich hatte meine Chancen, ich habe sie nicht genutzt. Ich bedauere nichts.“

Typisch Tom Watson. Nicht einmal die verpasste Gelegenheit, sich im Vorjahr als ältester Sieger in die Annalen der Majors einzutragen, hat ihn lange geplagt: „Das hat mir das Herz zerrissen, aber das gehört zum Golf. Und es war ja nicht das erste Mal.“ Und weil er diese Rückschläge so mannhaft hinnahm, nie die Contenance verlor und sich immer als perfekter Gentleman und Verlierer erwies, lieben ihn die Golffans in aller Welt. Tom Watson ist längst einer der „Elder Statesmen“ des Golf. Wie der 70 Jahre alte Jack Nicklaus, wie der 74 Jahre alte Gary Player, wie der 80 Jahre alte Arnold Palmer – alles Legenden des Golf.

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Jahrgang 1948, Sportredakteur.

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