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Martin Kaymer Trickschläge gelingen nur im Videoclip

26.06.2011 ·  Beim Golfturnier in München dreht sich alles um Martin Kaymer. Aber seine Minikrise hat der Deutsche noch nicht überwunden - er liegt auf Platz 23. Daher arbeitet Kaymer während des Turniers an grundlegenden Änderungen.

Von Wolfgang Scheffler, Moosinning
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An diesem trüben, nasskalten Samstag hatte sich alles so gut angelassen: Unter dem frenetischen Jubel von rund 4000 Fans, die die erste Spielbahn des Golf Clubs München Eichenried vom Abschlag bis zum Grün säumten, begann Martin Kaymer die dritte Runde der BMW International Open mit einem Birdie. Am vierten Loch, einem 363 Meter langen Par 4, wich die ausgelassene Stimmung blankem Entsetzen. Dem 26-jährigen Rheinländer unterlief ein Triple-Bogey, nachdem er nach dem zweiten, zu lang geratenen Schlag zweimal beim Versuch scheiterte, seinen Ball endlich aufs Grün zu bringen.

Da er bei diesen vergeblichen Bemühungen auch noch einmal den Ball im Teich vor dem Grün versenkte, was mit einem Strafschlag geahndet wurde, stellte er an diesem Loch einen unrühmlichen Rekord auf: Kein anderer Spieler benötigte während der ersten drei Tage an diesem Loch so viele Schläge. Von diesem Schock erholte sich der Weltranglistendritte zu spät.

An einem Tag, an dem der Engländer Mark Forster die Führung übernahm (202 Schläge), büßte die große Zugnummer der Veranstaltung nach 70 und 68 Schlägen mit seiner bisher schwächsten Runde von 72 Schlägen am Samstag alle Chancen ein, zum zweiten Mal nach 2008 in Eichenried zu siegen, auch wenn er sagte, er könne mit einer Runde von 63 Schlägen am Sonntag doch noch das Feld aufrollen. Aber wie unwahrscheinlich dies ist, zeigt die aktuelle Lage. Kaymer liegt mit 210 Schlägen nur auf dem geteilten 23. Rang, sieben Plätze hinter seinem deutschen Kollegen Marcel Siem.

„Das macht unseren Sport noch populärer“

Dabei hatte Kaymer noch am Freitag Zuversicht ausgestrahlt. Es klang, als sei die Minikrise, die der ehemalige Branchenprimus in den vergangenen Wochen durchlitten hatte (unter anderem nur Platz 39 bei den US Open in der vorigen Woche) vorbei. Der Schwung fühle sich gut an, er treffe den Ball jetzt endlich wieder gut. Ja, er hatte gar voller Optimismus davon gesprochen, dass ihn die Begeisterung der Fans wieder zum Sieg tragen könne.

An den bayrischen Golffreunden liegt es nicht, dass daraus nichts wird. Sie waren immer in Massen zur Stelle, wenn der neue deutsche Meisterschwinger unterwegs war. Als er am Donnerstagmorgen um 8.10 Uhr das Turnier begann, waren schon mehr als 1000 Frühaufsteher präsent. Am Freitag mischte sich Fußball-Nationalspieler Bastian Schweinsteiger unter die Kaymer-Fans. „Das hat mich gewundert und gefreut. Es ist schön zu sehen, dass sich so viele Fußballer für Golf interessieren. Das macht unseren Sport noch populärer“, sagte Kaymer.

Altmeister Bernhard Langer, der mit seinem ersten Sieg beim Masters vor 26 Jahren den deutschen Golfboom angestoßen hatte, kommt das bekannt vor: „So einen Hype gab es in den achtziger und neunziger Jahren auch um mich. Aber damals gab es noch nicht so viele Golfer und Golfplätze in Deutschland.“ So ist diesmal alles eine Nummer größer. Der private Fernsehsender Sat 1 entwickelt mit „ran Golf“ ein neues Format. Der Grund? Natürlich Martin Kaymer.

Per Trichter ins Loch - das geht nicht immer

Wer so gefragt ist, hat natürlich viel um die Ohren. Trotz Jetlag holte er am Dienstagabend in einer Werbeveranstaltung für das Turnier über den Dächern von München das einzige Versäumnis seiner 15-jährigen Karriere nach: Kaymer gelang das erste Ass oder Hole-in-one. Der Schlag von Hochhausdach zu Hochhausdach wurde allerdings dadurch erleichtert, dass das Grün die Form eines Trichters hatte und der Ball gar keine andere Wahl hatte, als ins Loch zu rollen.

Dazu veröffentlichte sein Bekleidungssponsor einen Videoclip, in dem Kaymer dank moderner Schnitttechnik alle möglichen Trickschläge gelingen: So locht er aus einem Hubschrauber ein und bringt mit einem perfekten Schlag in der Münchner Innenstadt die Glocken eines Kirchturms zum Läuten. Alles Aktionen, so recht nach dem Geschmack seiner Fangemeinde wie die lange erwartete Freischaltung seiner Website www.martinkaymer.com.

„Ich bin manchmal etwas ungeduldig“

Martin Kaymer weiß, dass das erwartungsfrohe Publikum vom Lokalmatador vor allem aber gute Schläge und niedrige Ergebnisse erwartet. Deshalb arbeitete er gemeinsam mit seinem Trainer Günter Kessler vor und nach den Runden besonders an seiner Ausholbewegung: „Mein Coach hat mir gesagt, dass in meinem Schwung noch Potential steckt, dass ich den Ball zehn, fünfzehn Meter weiter und konstanter schlagen kann.“

Aber die Änderungen greifen nicht so schnell, wie sich das Kaymer vorstellt: „Ich bin manchmal etwas ungeduldig, weil ich den Leuten etwas bieten will.“ Jetzt müssen sich erst einmal die Kaymer-Fans gedulden. Nächste Woche spielt er bei den French Open in der Nähe von Paris, danach steht eine Intensiv-Trainingswoche in Neuss mit Kessler an – damit der Golfball bei den British Open (14. bis 17. Juli) in Sandwich so fliegt, wie sich das Kaymer vorstellt.

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Jahrgang 1948, Sportredakteur.

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