Endlich ein Konjunkturprogramm, das nur positiv aufgenommen wird. Endlich eines, das keinen Cent Geld kostet. Endlich eines, dessen Wirksamkeit niemand bezweifelt, und noch dazu eines, das in nur wenigen Worten zu erklären ist: Tiger Woods spielt nach 253 Tagen wieder Turniergolf. Mit der Ankündigung, am Mittwoch nächster Woche bei der Accenture World Matchplay in Tucson anzutreten – rein zufällig ist der Titelsponsor einer der Werbepartner des Meisters –, haucht der Superstar einer Branche neues Leben ein, die unter der Wirtschaftsflaute, aber mehr noch unter seiner Abwesenheit leidet.
Denn während sich der 33-jährige Amerikaner von seiner dritten Knieoperation innerhalb von fünf Jahren erholte und seiner Frau bei der Geburt des zweiten Kindes zur Seite stand, brachen nicht nur Banken und Aktienkurse zusammen. Auch Profigolf erlebte harte Zeiten. Die Einschaltquoten sanken dramatisch. Bei der British Open im Vorjahr sahen in den Vereinigten Staaten 15 Prozent weniger Sportfreunde zu, obwohl das Turnier mit dem Flitterwöchner Greg Norman, der vor den Augen seiner zweiten Frau Chris Evert trotz seines fortgeschrittenen Alters von 54 Jahren mit dem Iren Padraig Harrington um den Sieg kämpfte, eine wunderschöne Herz-Schmerz-Geschichte lieferte.
Fordert Woods drei Millionen Dollar pro Turnier?
Als Harrington die Abwesenheit von Titelverteidiger Woods zu seinem zweiten Major-Sieg in Folge bei der PGA Championship nutzte, sahen auf dem größten Golf- und Werbemarkt gar 55 Prozent weniger zu. Im Schnitt verlieren Turniere der PGA Tour 40 Prozent oder zwei Millionen Zuschauer in den Vereinigten Staaten – und entsprechend sinken die Erlöse aus den eingestreuten Werbespots.
Derzeit soll, so wird gemunkelt, Woods' Agent mit der PGA Tour verhandeln, damit sein Schützling an diesen Mehreinnahmen beteiligt wird. Die Forderung von drei Millionen Dollar pro Turnier für Woods steht im Raum – und der PGA Tour wird wohl nichts anderes übrigbleiben, als sich dem Wunsch der größten Zugnummer zu beugen.
„Er wird uns noch deutlicher den Hintern versohlen“
Denn Woods ist nicht nur sportlich das Maß aller Dinge im Golf. Allein die Ankündigung, dass der Weltranglistenerste seine lange Zwangspause beendet, verdrängte alles. Bei der Übertragung der Northern Trust Open in Pacific Palisades war nicht die glanzvolle Auftaktrunde von 63 Schlägen des Dauerrivalen Phil Mickelson nach schwachen Leistungen zu Beginn des Jahres das beherrschende Thema, sondern eben Woods. Der Golf Channel zeigte Bilder von Woods, wie er als 16-jähriger Amateur 1992 erstmals bei diesem Turnier vor den Toren von Los Angeles auf der PGA Tour antrat, spekulierte und fragte ständig, wie gut ein Ausnahmeathlet nach acht Monaten Pause sein könne.
Die Antwort gab stellvertretend der Routinier Kenny Perry: „Er wird besser sein als je zuvor, und er wird uns noch deutlicher den Hintern versohlen.“ Aber selbst das verdirbt die Freude auf das Comeback nicht. „Wir wollen ihn zurückhaben“, sagte Kollege Brandt Snedeker, „Golf braucht ihn“. Man möchte hinzufügen: derzeit dringender denn je.
