30.06.2009 · Payne Stewart kreierte die berühmteste Siegespose im Golf, als er vor zehn Jahren die US Open gewann. Wenig später kam er bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Damals war sein Sohn Aaron zehn Jahre alt - der Sport seines Vaters half ihm, mit der Trauer umzugehen. Heute ist er hoffnungsvoller Amateur.
Von Wolfgang SchefflerDie Schlussszene des Films des amerikanischen Sportsenders ESPN zeigt ein fast kitschiges Bild: Ein einsamer Golfer mit einem Putter in der Hand versenkt auf dem 18. Grün des Course No.2 in Pinehurst in der untergehenden Sonne den Ball im fünf Meter entfernten Loch. Ein Bild mit viel Sinngehalt: Denn der zwanzigjährige Aaron Stewart wandelte für diesen Film mit dem Titel „Heilen durch Golf” auf den Spuren seines berühmten Vaters.
Vor fast genau zehn Jahren hatte Payne Stewart von genau dieser Stelle den entscheidenden Putt zum Sieg bei den US Open gelocht und den Sieg überschwänglich gefeiert - eine berühmte Jubelpose, die in einer überlebensgroßen Statue hinter dem 18. Grün verewigt ist. Dass dieser Moment festgehalten wurde, hat natürlich einen Grund. Denn es ist das Bild, das die meisten Golffans mit dem Namen Payne Stewart verbinden - und eines der letzten des Meistergolfers. Denn vier Monate nach seinem dritten Major-Sieg (zuvor hatte er PGA Championship und 1989 und US Open 1991 gewonnen) kam der Profi bei einem der seltsamsten Unfälle in der Geschichte des Luftverkehrs ums Leben.
Die Ehefrau musste das Drama im Fernsehen miterleben
Am 25. Oktober 1999 war der Learjet mit Stewart und fünf weiteren Passagieren von Orlando zu einem geschäftlichen Termin nach Dallas gestartet. Kurz nach dem Start versagte der Druckausgleich, alle an Bord wurden ohnmächtig und der Privatjet raste führungslos durch die Luft. Zwei Kampfjets der US Air Force begleiteten den Learjet mit den vereisten Fensterscheiben, der weit vom Kurs abkam und schließlich, als der Kraftstoff ausging, in einem Feld nahe Aberdeen in North Dakota abstürzte und alle Insassen in den Tod riss. Ehefrau Tracey Stewart musste wie viele Amerikaner das Drama, das sich über einige Stunden hinzog, durch regelmäßige Fernsehbilder auf den Nachrichtensendern miterleben.
Payne Stewart war damals 42 Jahre alt, der stolze Vater eines zehnjährigen Jungen und der 13-jährigen Tochter Chelsea - ein Daddy, der den Sohn zu allen möglichen Sportveranstaltungen begleitete, aber den Filius nie drängte, mit Golf anzufangen. Aaron spielte Football, Baseball und Volleyball, aber für den Sport des Vaters hatte er wenig übrig. Erst zwei Jahre nach dem tragischen Tod des Vaters griff er zu Metallhölzern und Eisen. „Das war für ihn ein Weg, mit der Trauer fertig zu werden und eine enge Verbindung zum Vater aufzubauen“, sagt seine Witwe Tracey Stewart, eine gebürtige Australierin.
Schlecht hat er in diesem Jahr nicht gespielt
Aaron Stewart ist seinem Vater fast aus dem Gesicht geschnitten, aber auch wenn er die Golfschläger ganz anders schwingt als der zweimalige US-Open-Sieger - zumindest Talent für diesen Sport wurde ihm in die Wiege gelegt. Viele Profis, vor allem der Australier Stuart Appleby und der Amerikaner Lee Janzen förderten die Karriere des jungen Stewart. Janzen spielte mit ihm bei Vater-und-Sohn-Turnier der PGA Tour, ein Turnier, das immer live im Fernsehen übertragen wird - und erfüllte damit einen späten Wunsch von Payne Stewart, der immer davon geträumt hatte, gemeinsam mit dem Sprössling bei diesem Turnier anzutreten. Schon mit 13 Jahren spielte Aaron bei großen Jugendturnieren, nach der High School boten ihm mehrere Colleges ein Golfstipendium an.
Aaron entschied für die Southern Methodist Universty (SMU), eine private Bildungseinrichtung der United Methodist Church in University Park, einer Enklave in Dallas/Texas - ausgerechnet für jene Hochschule, in der sein Vater nach einer glanzvolle Karriere im College-Team auch heute noch auf vielen Bildern in den Gängen allgegenwärtig ist. „Wenn ich gut spiele, ist es ein Vorteil, einen so berühmten Namen zu tragen“, sagte Aaron Stewart, „aber wenn ich schlecht spiele, wäre es mir lieber, ich könnte mich irgendwo im Hintergrund verstecken.“ Schlecht hat er in diesem Jahr nicht gespielt, etliche Runden unter 70 Schlägen absolviert. Er ist mittlerweile gut genug, um bei allen großen Amateur-Turnieren in den Vereinigten Staaten antreten zu dürfen. Von Dienstag an spielte er bei der North and South Amateur Championship mit - auf dem Course No. 2 in Pinehurst.
Der Caddie des Vaters
Er hatte mit Mike Hicks, genau jenen Caddie an der Seite, der 1999 für seinen Vater die Tasche trug - und er hatte das Yardage Book (Birdie-Buch) des Vaters von damals einstecken. „Wie er sich auf dem Golfplatz gibt, das erinnert mich sehr an Payne“, sagte Hicks vor dem ersten Abschlag. Allerdings verzichtete Stewart junior in der Kleidung auf die Markenzeichen des Herrn Papas, der seinem Job immer mit Schiebermütze und Knickerbockern nachging. Trotzdem: Auf Schritt und Tritt wurde Aaron in Pinehurst an jene denkwürdige US Open erinnert und angesprochen, sieht immer wieder die Statue des Vaters am 18. Grün. Er hat sie genau studiert. Sollte er nach zwei Zählspielrunden und dem anschließenden Lochspiel am Ende triumphieren, dann, so scherzte er, werde er vielleicht genauso feiern wie einst der Vater. Es wäre das wunderbare Happy-End einer traurigen Geschichte gewesen. In der ersten Runde der Zählspiel-Qualifikation belegte Aaron Stewart jedoch mit 83 Schlägen (12 über Par 71 - 6717 Meter)) den 96. und drittletzten Platz. Damit konnte er sich nicht für die an diesem Mittwoch beginnende Lochspiel-Runden qualifizieren.