11.08.2011 · Martin Kaymer ist bei der PGA Championship Titelverteidiger. Trotzdem ist er nur Außenseiter beim einzigen Major, das er bisher gewonnen hat. Der deutsche Golfstar fühlt sich aber gerüstet für die erste Runde an diesem Donnerstag.
Von Wolfgang SchefflerDie PGA Championship, die sich mit dem Beinamen „Glory’s last shot“ (Letzte Chance auf Ruhm) schmückt, ist kein gutes Golfturnier für Titelverteidiger. Seit 1937 hat nur Tiger Woods, der 1999 und 2000 sowie 2006 und 2007 siegte, beim letzten Major des Jahres seinen Vorjahreserfolg wiederholt. Aber nicht nur deshalb gibt sich Martin Kaymer zurückhaltend vor der 93. Auflage des am Donnerstag im Atlanta Athletic Club in Johns Creek, einem Vorort der Südstaaten-Metropole, beginnenden Stelldichein der Weltelite – die Top 100 der Weltrangliste sind fast komplett versammelt. „Es ist eine wichtige Woche für mich, weil ich zum ersten Mal bei einem Major meinen Titel verteidige. Es wird interessant. Der Platz ist sehr schwer, sehr lang und sehr eng.“
Der Highland Course misst 6828 Meter bei Par 70, die Spielbahnen sind von Bäumen und dichtem Rough gesäumt – ein Platz, auf dem Länge und Präzision gefragt sind. Vor allem an der Genauigkeit seiner Schläge, aber auch am Feingefühl auf und rund ums Grün haperte es bei dem Weltranglistendritten aus Mettmann in den letzten Wochen und Monaten. Seit seinem Erfolg Ende Januar in Abu Dhabi hat der Rheinländer kein Golfturnier mehr gewonnen, er kam danach nur noch ein einziges Mal bei einem Zählspielturnier unter die Top Ten (vierter Platz bei den French Open).
Sein geteilter zwölfter Platz bei den British Open in Sandwich steht als beste Plazierung bei einem der bisherigen drei Traditionsturniere des Jahres 2011 zu Buche. Immerhin hat ihm die Schlussrunde von 67 Schlägen beim WGC Bridgestone Invitational am vergangenen Sonntag Mut gemacht, obwohl er abgeschlagen auf dem 29. Platz mit 16 Schlägen Rückstand auf den australischen Sieger Adam Scott gelandet war.
„Mein Spiel ist okay“, sagte Kaymer vor der Hitzeschlacht im Bundesstaat Georgia, bei der Temperaturen von 30 bis 35 Grad und eine Luftfeuchtigkeit zwischen 48 und 61 Prozent für die vier Turniertage erwartet werden. „Mein Spiel kann plötzlich sehr gut werden oder es bleibt okay, aber es wird nicht aus heiterem Himmel schlecht werden. Ich bin auf einem sehr guten Weg, wieder einmal ein Turnier zu gewinnen. Ich muss nur geduldig bleiben. Ich spiele nicht schlechter und nicht besser als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres“, fügte der 26 Jahre alte Profi an, der die ersten beiden Tage gemeinsam mit zwei ehemaligen PGA-Champions spielt: mit dem Südkoreaner Y.E. Yang (2009) und dem Amerikaner Shaun Micheel (2003).
Vorhersage von Siegern ist reines Glücksspiel
Für die Wetter ist der große Favorit in einer anderer Dreier-Gruppe zu finden, in einem Trio, in dem traditionell die drei bisherigen Major-Sieger des Jahres gemeinsam auf die ersten beiden Runden gehen: der Südafrikaner Charl Schwartzel (Masters) und die beiden Nordiren Rory McIlroy (US Open) und Darren Clarke (British Open). Bei den Zockern steht McIlroy (10:1) vor den in der Weltranglisten führenden Engländern Luke Donald und Lee Westwood (14:1) am höchsten im Kurs. Selbst den amerikanischen Superstars Tiger Woods und Phil Mickelson (20:1) räumen die Buchmacher größere Chancen ein als dem deutschen Titelverteidiger (28:1) – obwohl beide beim letzten Aufgalopp in der Vorwoche noch hinter Kaymer landeten.
Aber seit die Dominanz von Woods mit dessen privaten Problemen verschwand, ist die Vorhersage von Siegern bei den vier Großereignissen ein reines Glücksspiel. In den vergangenen vier Jahren gab es überhaupt nur zwei Profis, die bei zwei Majors in diesem Zeitraum triumphierten: der Argentinier Angel Cabrera (US Open 2007 und Masters 2009) und Tiger Woods (PGA Championship 2007 und US Open 2008). Die letzten sechs Majors wurden von sechs verschiedenen Profis gewonnen – und noch dazu nur von einem einzigen, der vor seinem Erfolg unter den Top Fünf der Weltrangliste stand: Martin Kaymer.
Woods ist weiter die Zugnummer
„Die Fans wollen einen alles überragenden Helden“, behauptet der englischen Primus Donald „und für viele Jahre war das Tiger. Es gibt aber auch Leute, die Abwechslung mögen, denen es gefällt, wenn auch andere eine Chance haben, zu gewinnen. In der Weltrangliste geht es ständig hin und her. Ich weiß nicht, was besser ist. Ich neige dazu, dass es besser ist, wenn einer dominiert.“
Vielleicht erklärt das, weshalb sich auch in den vergangenen beiden Wochen alles um Rückkehrer Woods drehte. Selbst dass der in der Weltranglisten auf Platz 30 abgerutschte 35-jährige Amerikaner mit dem Prototyp eines Golfschuhs antrat, der einem Laufschuh nachempfunden ist, und Woods damit erstmals in seiner Profikarriere nicht mehr mit Metallspikes, sondern wie die überwiegende Mehrheit der Profis mit so genannten Softspikes aus Plastik spielte, war amerikanischen Medien große Geschichten wert. Denn auch wenn Woods seit fast zwei Jahren kein Turnier mehr gewonnen hat: Er ist immer noch die größte Zugnummer im Golf.