Home
http://www.faz.net/-gud-14d1c
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Aktuelle Nachrichten online - FAZ.NET

Dubai World Championship Ein Gefühl wie im vergangenen Jahrhundert

22.11.2009 ·  Der Engländer Lee Westwood gewann in Dubai zum dreißigsten Mal ein Turnier – und ist damit die Nummer eins in Europa. Er siegte mit einer Leichtigkeit, die man sonst nur von Tiger Woods gewohnt ist. Martin Kaymer war nicht in Form.

Von Wolfgang Scheffler
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Manchmal ändert ein Sieg im Golf alles – und dann folgen fast mit spielerischer Leichtigkeit weitere Erfolge. Lee Westwood hat mehr als zwei Jahre auf seinen 30. Turniersieg in aller Welt, den 19. auf der europäischen Tour warten müssen. Nicht, dass der 36-jährige Engländer in dieser Zeit schlecht spielte.

Ganz im Gegenteil: Dreimal verlor er erst im Stechen, sowohl bei den US Open im vergangenen wie bei den British Open in diesem Jahr war der erste Major-Sieg für ihn in Reichweite. Aber erst in diesem Oktober gelang ihm endlich der erste Triumph nach 26 Plazierungen unter den Top Ten. Beim Portugal Masters trug er erstmals in der Finalrunde ein rotes Hemd, ganz wie der Branchenprimus Tiger Woods es am Schlusstag immer anlegt. Es half offensichtlich.

Auch am Sonntag erinnerte Westwood am Persischen Golf nicht nur in seiner Kleidung an den besten Golfer der Welt. Mit einer Überlegenheit, wie man sie sonst nur von Woods an seinen besten Tagen kennt, hielt er bei der Dubai World Championship, dem Abschlussturnier der europäischen Tour, die Konkurrenz in Schach.

Noch einmal eine Million Euro Prämie aus dem Bonuspool

Er sicherte sich nicht nur den Siegespreis von 833.330 Euro, sondern schob sich in der Geldrangliste der European Tour, dem „Race to Dubai“, an dem zwanzigjährigen Nordiren Rory McIlroy vorbei mit 3,243 Millionen Euro auf den ersten Rang – und wiederholte damit seinen Erfolg aus dem Jahr 2000, als er ebenfalls der Großverdiener in Europa war.

Dafür kassierte er noch einmal eine Million Euro Prämie aus dem Bonuspool für die 15 gewinnreichsten Spieler dieser Turnierserie. McIlroy kam mit 273 Schlägen, mit acht Schlägen Rückstand auf den dritten Platz hinter dem Engländer Ross McGowan (271 Schläge), kassierte dafür 487.500 Euro und noch einmal 757.000 Euro für den zweiten Platz in der Geldrangliste mit 3,026 Millionen Euro.

Der zwanzigjährige Nordire hatte Westwood bis zum Samstag unter Druck gesetzt, aber mit drei Bogeys auf den letzten drei Löchern hatte er schon am dritten Tag alle Chancen eingebüßt. Immerhin schlug er sich damit viel besser als die beiden anderen Profis, die sich ebenfalls mit einem Turniersieg noch in der Geldrangliste auf Platz eins hätten schieben können.

Vom ersten bis zum letzten Schlag Herr des Geschehens

Der Mettmanner Martin Kaymer fand nie zu einer Bestform und belegte mit 286 (71+71+72+72) Schlägen den geteilten, mit 50 250 Euro honorierten 37. Platz. Da der Engländer Ross Fisher (287) auf dem geteilten 42. Platz einkam, blieb Kaymer im „Race to Dubai“ mit 2,383 Millionen Euro auf Platz drei und kassierte dafür noch einmal rund 500.000 Euro.

Dass Westwood, der Routinier aus Worksop den größten Zahltag seiner Laufbahn verdient hatte, darüber herrschte am Sonntag auf dem Earth Course der Jumeirah Golf Estates in Dubai kein Zweifel. Vom ersten bis zum letzten Schlag war der neue Weltranglistenvierte Herr des Geschehens. Er setzte sich mit fünf Birdies auf den ersten sieben Löchern schnell von Verfolger Ross McGowan ab.

„Ich habe total Kontrolle über mein Spiel - ein tolles Gefühl“

Auch wenn sein englischer Landsmann und Mitspieler McGowan mit fünf Birdies in Folge in der Schlussphase zwischenzeitlich noch einmal aufdrehte, herrschte über den Ausgang des Turniers und über die Frage, wer 2009 die Nummer eins in Europa ist, nie Zweifel. Mit einer brillanten Schlussrunde und einem neuen Platzrekord von 64 Schlägen und insgesamt 266 (66+69+66+64) Schlägen hielt er McGowan deutlich auf Abstand

„Ich habe total Kontrolle über mein Spiel. Das ist ein tolles Gefühl“, sagte Westwood, und mit jedem präzisem Schlag stieg sein Selbstbewusstsein. „Als ich im vergangenen Jahrhundert viel gewonnen habe, als ich viel jünger war, da hatte ich diese Einstellung.“ Das Vertrauen in die eigene Stärke war diesmal so groß, dass er dem Rat seines Caddies Billy Foster folgte und erstmals die Leaderboards, die überall auf dem Platz verteilten Riesentafeln mit den Führenden, keines Blickes würdigte. Zumindest am Sonntag hätte er ohnehin immer nur ein Bild gesehen: Westwood ganz oben – und dann lange gar nichts.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1948, Sportredakteur.

Jüngste Beiträge

Franz Putin

Von Peter Sturm

Franz Beckenbauer dürfte wissen, dass in Russland das System Putin auch auf Unternehmen wie Gasprom ruht. Sein von Gasprom bezahltes Engagement als Sportbotschafter Russlands sollte er sich nochmal überlegen. Mehr 3 8

Ergebnisse, Tabellen und Statistik