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Donnerstag, 20. Juni 2013
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British Open Wie ein Jonglierkunststück

 ·  Padraig Harrington hat die British Open in den vergangenen beiden Jahren gewonnen. Jetzt bastelt er vor den Augen der Öffentlichkeit an seinem Schwung - und spielt schockierend. Trotzdem befindet sich der experimentierfreudige Ire in guter Gesellschaft.

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Was bringt einen Profigolfer nach drei Siegen bei Majors innerhalb von 13 Monaten, nach zwei Erfolgen bei den British Open 2007 und 2008 sowie einem Triumph bei der PGA Championship im vergangenen Jahr dazu, seinen Schwung für überholungsbedürftig zu halten? Padraig Harringtons Begründung klingt simpel – und erstaunlich zugleich: „Ich habe langfristige Ziele. Ich will meine Position im Treffmoment verbessern.“ Langfristig? Der Ire ist kein Youngster am Anfang seiner Karriere, sondern mit knapp 38 Jahren ein gestandener Profi, der in aller Welt 22 Profiturniere gewann, der in der Weltrangliste bis auf Rang drei vorgerückt war. Schlechte Position im Treffmoment? „Ich habe mich auf Video gesehen. Ich hebe den Schläger zu stark mit den Armen an und dadurch ist meine Position im Treffmoment schockierend“, behauptet Harrington. Schockierend ist allerdings viel eher, wie der gelernte Buchhalter aus Dublin Golf spielt, seit er anfing, mit seinem schottischen Guru Bob Torrance, dem Vater des Tourspielers Sam Torrance, an seinem Schwung herumzubasteln. Bei den vergangenen fünf Turnieren auf der amerikanischen PGA Tour und der europäischen Tour musste Harrington nach zwei Runden abreisen. Vor der 138. British Open in Turnberry gewann er zwar am vergangenen Samstag die Irish PGA Championship gegen schwache nationale Konkurrenz, aber auch nach diesem bescheidenen Erfolg jammerte er, wie schlecht er spiele. Auch an der schottischen Westküste war für den Titelverteidiger nur am Donnerstag ein wenig Licht am Ende des Tunnels zu erkennen. Da kam er mit 69 Schlägen aus, musste aber nach 74 Schlägen am Freitag darum bangen, wie schon bei den US Open auch diesmal den Cut zu verpassen.

Auch Woods stellte schon zweimal seinen Schwung um

Dieser Sorge ist Martin Kaymer ledig. Nach einer Auftaktrunde von 69 Schlägen bei Windstille und Sonnenschein am Donnerstag kam er am Freitagmorgen bei starken Böen und wesentlich schwierigeren Bedingungen mit 70 Schlägen aus. Damit hatte der 24 Jahre alte Weltranglistenelfte erstmals in diesem Jahr bei einem Major die Qualifikation für die beiden Schlussrunden geschafft – und das, obwohl auch er nicht mit sich zufrieden war. „Meine Schläge waren mittelmäßig bis schlecht, aber mein Putten war einfach sensationell“, sagte er. Auch der Mettmanner hadert derzeit mit seinem Schwung, trotz der Siege bei der Open de France und den Scottish Open in den vergangenen beiden Wochen. „Ich glaube, eine Schwungumstellung hat nichts mit Erfolg zu tun, sondern mehr damit, ob man mit dem zufrieden ist, was man hat. Zurzeit kann ich den Ball nur links-rechts schlagen. Der Draw (sanfte Flugkurve von rechts nach links) kommt nur ganz selten. Irgendwann kommt es sicherlich auf mich zu, dass ich daran arbeiten muss. Wenn dann eine Schwungumstellung erforderlich ist, dann ist es halt so“, sagte Kaymer.

Das zeigt wieder einmal, dass Weltklassespieler oft dasselbe Problem plagt, das viele Hobbyspieler immer wieder dazu bringt, sich einem oder ständig wechselnden Golflehrern anzuvertrauen, immer auf der Suche nach jener Perfektion oder zumindest der Annäherung daran, die im Golf nicht einmal die Allerbesten der Welt erreichen. „Golf“, sagt Harrington, „ist für mich wie ein Jonglierkunststück. Man muss gleichzeitig alle Bälle in der Luft halten. Ich habe mich vielleicht zu lange auf einen Ball konzentriert. Dabei sind die anderen zu Boden gefallen und jetzt muss ich sie aufheben, um das ganze wieder zusammenzufügen.“ Das dauert, und deshalb lässt sich Harrington von Rückschlägen nicht schrecken, zumal ihm der Primus den Rücken stärkt: Tiger Woods stellte gleich zweimal, erstmals nach seinem ersten Masters-Sieg im Jahre 1997 und dann nach seinen vielleicht dominantesten Jahren 2000/2001 seinen Schwung um.

Harrington erinnert an Howard Hughes

Die Begründung: „Wir versuchen alle, uns zu verbessern. Wir alle ändern Dinge. Das Spiel entwickelt sich ständig. Deshalb versucht man ständig, Anpassungen vorzunehmen, um auf das nächsthöhere Niveau zu kommen. Aber das Schwierige für uns ist, dass wir das vor den Augen der Öffentlichkeit tun.“ Und deshalb ständig von Zweiflern begleitet werden.

Harrington hält für seine Kritiker eine wunderbare Geschichte bereit, warum er gerade seinen Golfschwung in seine Einzelteile zerlege. Er erzählte von Howard Hughes, einst einer der reichsten Männer der Welt. Der Milliardär kaufte einmal ein Luxus-Automobil, nur um es vollständig auseinanderzunehmen. Er wollte verstehen, wie es funktioniert. Prompt wurde Harrington von einem Zuhörer daran erinnert, dass der Filmproduzent und -regisseur, Flugzeugbauer und Fliegerheld Hughes in geistiger Umnachtung starb. So weit wird es mit Harrington sicherlich nicht kommen, aber die Golfgeschichte ist voll von Männern, die nach einer Schwungumstellung nie mehr zu alter Klasse fanden. Einer ist in Turnberry nur noch als Kommentator für das amerikanische Fernsehen dabei: der Australier Ian Baker-Finch, der British-Open-Sieger von 1991.

Golfkolumnist Wolfgang Scheffler begleitet für FAZ.NET The Open Championship, das älteste noch ausgespielte Golfturnier der Welt, an der schottischen Westküste.

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1948, Sportredakteur.

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