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British Open Tag der reifen Herren

 ·  Dass bei den British Open bislang der 45 Jahre alte Miguel Angel Jimenez führt, ist eine große Überraschung. Doch fast einer Sensation kommt es gleich, dass der Altmeister Tom Watson bisher den zweiten Platz belegt. Der junge Deutsche Martin Kraymer hingegen ärgerte sich über verpasste Chancen.

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Der erste Tag der 138. British Open in Turnberry war der Tag der reifen Herren. Nach den ersten 18 Löchern führt Miguel Angel Jimenez mit 64 Schlägen (sechs unter Par). Schon dass der 45-jährige Spanier mit dem Pferdeschwanz an der Spitze des Feldes liegt, ist eine Riesenüberraschung, denn der Golfprofi aus Malaga hatte in dieser Saison bei 18 Turnieren lediglich drei Top-Ten-Plazierungen erreicht.

Als bestes Ergebnis stand für ihn ein vierter Platz bei der BMW International Open in Eichenried im vorigen Monat in der Ergebnislisten - und auch bei den British Open muss man lange zurückblicken, um Jiminez ganz vorne zu finden: 2001 belegte er in Lytham den dritten Platz. Aber an diesem Tag lief für den Autonarren alles: Am letzten 18. Loch versenkte er den Ball aus mehr als zwanzig Metern zum letzten Birdie, das ihm die alleinige Führung einbrachte.

Alter Knabe mit Charisma

Doch fast einer Sensation kam es gleich, dass der 59-jährige Altmeister Tom Watson gemeinsam mit dem Japaner Kenichi Kuboya und seinem amerikanischen Landsmann Ben Curtis, dem British-Open-Sieger von 2003 nach 65 Schlägen (fünf unter Par) auf dem zweiten Platz rangierte (siehe auch: British Open: Der sentimentale Favorit). „Es ist großartig, einen Spieler mit so viel Charisma an der Spitze des Leaderboards zu sehen“, sagte Jimenez. Auch sein junger deutscher Kollege Martin Kaymer, der 69 Schläge benötigte, freute sich mit dem Routinier aus Kansas City. „Das finde ich echt schön. Im letzten Jahr war es Greg Norman, in diesem Jahr Tom Watson, der noch ein paar Jahre älter ist. Es ist echt cool für die Zuschauer, wenn so ein alter Knabe da oben steht.“

Den 24-jährigen Mettmanner würde es nicht einmal wundern, wenn Watson bis zum Sonntag in der Spitzengruppe mitmischt: „Warum nicht? Im letzten Jahr hat es Greg Norman ja auch geschafft.“ Der Australier, der im Vorjahr drei Tage lang führte und erst am Schlusstag auf den dritten Rang zurückgefallen war, ist in diesem Jahr mit 77 Schlägen wohl schon aus dem Rennen - und kann nur mit einer Superrunde den Cut überstehen.

Vergebene Chancen

Das gilt auch für den zweiten Deutschen im Feld, den Amateur-Europameister Stephan Gross. Der 21-jährige Heidelberger ärgerte sich nach einer Runde von 74 Schlägen über seine schwache Vorstellung auf den Grüns („Da habe ich vier Schläge vergeben“) und vor allem über die paar schlechten Schläge, die zum Doppelbogey am 9. Loch führten: „Bis dahin hatte ich gut gespielt und lag Par, aber das hat mich aus der Bahn geworfen.“ Gross war mächtig enttäuscht, zumal der zweite Amateur im Feld, der 16-jährige Italiener Matteo Manassero, mit 71 Schlägen auskam. „Ich habe in den letzten Tagen echt gut gespielt“, klagte Gross, der an diesem Montag ins Profilager wechselt.

Martin Kaymer dagegen war mit seinen 69 Schlägen insgesamt zufrieden, zumal er auf dem 18. Grün einen Putt aus zehn, zwölf Metern zum Birdie lochte. Trotzdem klagte auch er über vergebene Chancen, besonders darüber, dass er am 17. Loch, einem der leichtesten des Platzes, einen Birdie-Putt aus 1,20 Metern am Loch vorbei schob: „Da war ich echt unkonzentriert, wollte den Ball mal eben schnell rein machen. Aber da merkt man, dass ich ein wenig müde bin. Ich spiele jetzt die fünfte Woche in Folge“, sagte der Rheinländer, der es schon am Mittwoch, dem letzten Trainingstag ruhig hatte angehen lassen.

Er hatte lediglich eine Stunde auf der Range Bälle geschlagen, hatte eine halbe Stunde geputtet und war dann den Platz noch einmal zu Fuß abgegangen. Auch am Donnerstag wich er von seiner normalen Routine ab. Er ging nicht wie üblich nach der Runde auf die Übungswiese, um die Fehler, die sich in seinem Schwung, besonders mit den mittleren Eisen, eingeschlichen hatten, auszumerzen. Er ging ins Hotel, wollte duschen und dann sein Regenerationsprogramm starten: „Möglichst viel Essen und möglichst lange schlafen.“ Dafür muss er früh ins Bett gehen, dann an diesem Freitagmorgen geht er bereits um kurz vor acht Uhr Ortszeit gemeinsam mit dem Südafrikaner Ernie Els (69 Schläge) und dem US-Open-Champion Lucas Glover (72) auf die zweite Runde.

British Open in Turnberry/Schottland (4,89 Mio. Euro/Par 70):
Stand nach der 1. Runde:

1. Miguel Angel Jiménez (Spanien) 64 Schläge

2. Tom Watson (Vereinigte Staaten), Ben Curtis (Vereinigte Staaten) und Kenichi Kuboya (Japan) alle 65

5. John Senden (Australien), Steve Stricker (Vereinigte Staaten), Camilo Villegas (Kolumbien), Stewart Cink (Vereinigte Staaten) und Mathew Goggin (Australien) alle 66

10. Mark Calcavecchia (Vereinigte Staaten), Mark O'Meara (Vereinigte Staaten), Vijay Singh (Fidschi), Boo Weekley (Vereinigte Staaten), Branden Grace (Südafrika), Steve Marino (Vereinigte Staaten), Mike Weir (Kanada), Retief Goosen (Südafrika), Jim Furyk (Vereinigte Staaten), James Kingston (Südafrika) und Richard Sterne (Südafrika) alle 67

...

37. Martin Kaymer (Mettmann) 69

68. Tiger Woods (Vereinigte Staaten) 71

Golfkolumnist Wolfgang Scheffler begleitet für FAZ.NET The Open Championship, das älteste noch ausgespielte Golfturnier der Welt, an der schottischen Westküste.

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1948, Sportredakteur.

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