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British Open Kaymers Albtraum auf den letzten Löchern

18.07.2010 ·  Überraschung bei den British Open: Der Südafrikaner Oosthuizen gewinnt das Major in St. Andrews. Der Deutsche Kaymer, vor dem Schlusstag noch Dritter, fällt auf Rang sieben zurück. Tiger Woods landet beim wichtigsten Golfturnier der Welt nur auf Platz 24.

Von Wolfgang Scheffler, St. Andrews
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Wie vor zehn und vor fünf Jahren hat auch 2010 ein Golfprofi die British Open in St. Andrews ganz überlegen gewonnen. Im Stil von Tiger Woods, der die letzten beiden Austragungen auf dem Old Course mit acht und fünf Schlägen Vorsprung für sich entschied, er landete diesmal abgeschlagen auf Platz 23, dominierte diesmal ein weitgehend unbekannter Südafrikaner das älteste und wichtigste Turnier der Welt an der schottischen Ostküste.

Lodewicus Theodorus Oosthuizen, der seine altmodischen Vornamen hasst und sich Louis nennt, siegte am Sonntag mit dem Riesenvorsprung von sieben und insgesamt 272 (65+67+69+71) Schlägen und kassierte dafür das Rekordpreisgeld von 850.000 Pfund Sterling (1,017 Millionen Euro). Für den 27-jährigen aus George an der Garden Route war die Schlussrunde trotz des Windes, der mit 35 Kilometern in der Stunde blies, ein angenehmer Spaziergang. Keiner der Verfolger konnte den Außenseiter, der in der Weltrangliste nur auf Platz 54 geführt wird, unter Druck setzen.

„Wir alle wussten, dass es vom neunten Loch für uns Verfolger nur noch um Platz zwei geht“, sagte Martin Kaymer, der zu diesem Zeitpunkt noch gut im Rennen gelegen hatte, ja nach 15 Löchern sogar auf Platz zwei rangierte. Doch mit drei Bogeys auf den Löchern 16, 17 und 18 fiel der 25 Jahre alte Mettmanner vom alleinigen Platz drei, den er vor der Schlussrunde belegt hatte, mit insgesamt 282 (69+71+68+74) Schlägen auf den siebten Rang zurück. Diesen Platz musste er sich mit dem Engländer Robert Rock sowie den Amerikanern Sean 0‘Hair und Nick Watney teilen. Alle vier erhielten dafür rund 140 000 Euro Preisgeld. Die Summe war ein schwacher Trost für den Deutschen: „Ich bin immer noch geschockt“, sagte der Dreizehnte der Weltrangliste. „Spielerisch hätte ich hier unbedingt den zweiten Platz belegen müssen, zumal die Bedingungen heute viel leichter waren als an den ersten drei Tagen.“ Er habe jedoch bei den langen Putts kein Gefühl gehabt. „Sie waren entweder zu lang oder zu kurz. Und dann habe ich halt ab und an den nächsten Putts vorbei geschoben“, klagte er. Drei Putts auf dem 16. Grün, ein Schlag auf die Straße hinter dem 17. Grün, vier Putts auf dem 18. Loch, das er an den ersten drei Tagen jeweils mit einem Birdie abgeschlossen hatte - für Kaymer glichen die drei letzten Löcher einem Albtraum.

Platz zwei ging wie schon beim Masters im April an den englischen Weltranglistendritten Lee Westwood (279/67+71+71+70), der seinen Ruf stärkte, der beste Spieler der Welt zu sein, der noch nie ein Major gewann. Der Nordire Rory McIlroy, der Schwede Henrik Stenson und der Engländer Paul Casey landeten gemeinsam mit 280 Schlägen auf dem dritten Platz. Da Retief Goosen Sechster wurde, war es ein besonderer Tag für die Profis vom Kap - und für die vielen südafrikanischen Fans unter den 42 500 Zuschauer, die die souveräne Vorstellung von Oosthuizen miterlebten. Zudem feierte Nelson Mandela an diesem Sonntag seinen 92. Geburtstag - und Oosthuizen begann seine Siegesrede mit Glückwünschen an den Friedensnobelpreisträger. Danach dankte er seinen Eltern, vor allem aber seinem Kollegen und Mentor Ernie Els, der diesmal am Cut gescheitert war. Els hatte ihn am Samstagabend angerufen und ihm gesagt, was ohnehin jeder wusste: „Der Druck liegt auf Paul Casey.“

Der Weltranglistenzehnte war dem nicht gewachsen. Mit vier Schlägen Rückstand auf Oosthuizen war er gemeinsam mit dem Südafrikaner auf die Schlussrunde gegangen, nach einem Triple-Bogey an Loch 12 ging es auch für ihn nur noch um Platz zwei. Die Stiftung von Ernie Els hatte den Farmersohn Oosthuizen drei Jahre lang von 1999 bis 2002 gefördert und ihm dann den Start ins Profileben finanziert. 2003 und 2005 überstand er erfolgreich die Qualifikation für die europäische Tour. Es dauerte jedoch bis Ende März diesen Jahres, ehe ihm der erste Sieg bei der Open de Andalucia gelang. „Das hat mir viel Selbstvertrauen gegeben“, sagte Oosthuizen. Bekannt hat ihn das nicht gemacht: Als er am Donnerstag nach seiner Auftaktrunde erstmals in die Pressekonferenz gebeten wurde, stellte ihn der Offizielle noch als „Peter Osterhausen“ vor. Das wird ihm nicht noch mal passieren.

139. British Open in St. Andrews/Schottland (5,73 Millionen Euro, Par 72), Endstand nach vier Runden:

1. Louis Oosthuizen (Südafrika) 272 Schläge (65+67+69+71)
2. Lee Westwood (England) 279 (67+71+71+70)
3. Rory McIlroy (Nordirland) 280 (63+80+69+68)
Paul Casey (England) 280 (69+69+67+75)
Henrik Stenson (Schweden) 280 (68+74+67+71)
6. Retief Goosen (Südafrika) 281 (69+70+72+70)
7. Martin Kaymer (Mettmann) 282 (69+71+68+74)
Robert Rock (England) 282 (68+78+67+69)
Sean O'Hair (USA) 282 (67+72+72+71)
Nick Watney (USA) 282 (67+73+71+71)

23. u.a. Tiger Woods (USA) 285 (67+73+73+72)
27. u.a. Marcel Siem (Ratingen) 286 (67+75+74+70)
48. u.a. Phil Mickelson (USA) 289 (73+71+70+75)
Stewart Cink (USA/TV) 289 (70+74+71+74)
John Daly (USA) 289 (66+76+74+73)
68. u.a. Colin Montgomerie (Schottland) 292 (74+71+74+73)

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1948, Sportredakteur.

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