16.07.2010 · Eine heftige Seebrise an der schottischen Küste wirbelt das Feld das Feld der British Open ganz schon durcheinander. Bei Halbzeit führen Spieler, die mit ihrer Startzeit das große Los zogen: Louis Oosthuizen und Mark Calcavecchia.
Von Wolfgang Scheffler, St. AndrewsDer Wind fegte mit bis zu 65 Kilometern pro Stunde über den Old Course von St. Andrews. Und weil bei diesem Sturm die Golfbälle nicht mehr auf den Grüns liegen blieben, musste die 139. British Open am Nachmittag für mehr als eine Stunde unterbrochen werden. Die heftige Seebrise an der schottischen Ostküste wirbelte das Feld ganz schon durcheinander.
Den 21-jährigen Nordiren Rory McIlroy, der am ersten Tag mit 63 Schlägen einen neuen Platzrekord aufgestellt hatte, zersauste es am ärgsten. Der Weltranglistenneunte hatte wie etliche andere - darunter Tiger Woods - Pech in der Windlotterie, weil er seine Runde am Nachmittag beginnen musste, als es am stärksten blies.
Bei Halbzeit führen zwei Spieler, die mit ihrer Startzeit das große Los gezogen hatten. Der Südafrikaner Louis Oosthuizen hatte am Freitag um 6:41 Uhr Ortszeit abgeschlagen, der 50-jährige Amerikaner Mark Calcavecchia war gar im ersten Flight um 6:30 Uhr auf die Runde gegangen. Zu dieser frühen Morgenstunde hatte der Regen gerade aufgehört.
„Den Cut geschafft, ganz toll“
Die beiden nutzten die Windstille und spielten mit 67 Schlägen die besten Tagesrunden. So führt bei Halbzeit Oosthuizen mit 132 (65+67) Schlägen vor dem Routinier (137/70+67). Der große Favorit Tiger Woods konnte seine zweite Tour am späten Abend zwar beenden. Das Ergebnis seiner Auftaktrunde von 67 Schlägen erreichte er in diesem Windspiel allerdings nicht.
Martin Kaymer schaffte es dagegen noch vor der Pause. Er gehört mit 140 (69+71) Schlägen zur erweiterten Spitzengruppe, dennoch haderte er mit den Offiziellen. Mehrfach hatten Kaymer und sein amerikanischer Mitspieler Zach Johnson vergeblich darauf gedrungen, wegen der irregulären Bedingungen das Spiel zu unterbrechen. Marcel Siem, der zweite Deutsche im Feld, gehörte zu den Profis, die wegen des Sturms kurzzeitig den Platz verließen.
Der 30-jährige Major-Debütant trotzte den Bedingungen lange und lag zeitweise sogar auf dem dritten Platz. Doch dann kam das berühmt-berüchtigte Road Hole, das 17. Loch. Siem verzog an diesem 448 Meter langen Par-4-Loch seinen Abschlag in den Garten des Old Course Hotels. Ein Triple-Bogey war die Folge. Nach 142 Schlägen (67+75) ist die angepeilte Top-15-Plazierung für den Ratinger noch in Reichweite. „Ein Schlag macht die ganze gute Arbeit zunichte“, sagte Siem. So blieb ihm nur noch Ironie: „Den Cut geschafft, ganz toll.“