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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Schefflers Golf-Kolumne Feilschen um den Ryder Cup

 ·  Der Ryder Cup ist längst zu einem gigantischen Geldesel verkommen. Nun wird um den Austragungsort des Golfwettbewerbs gefeilscht. Die deutschen Bewerber müssen mit fünf Mitbewerbern um das traditionsreichen Vergleich zwischen Europa und Amerika wettbieten.

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Besser kann man den wirklichen Sinn einer Veranstaltung kaum verbrämen: „Angeführt von Richard Hills, dem Ryder-Cup-Direktor der European Tour, wird das Symposium einen Überblick über den gesamten Prozess geben, der für eine Nation erforderlich ist, um als Gastgeber des Ryder Cups zu fungieren. Verschiedene Redner werden alle Aspekte des Wettbewerbs zusammenfassen. Dazu gehören die kommerziellen Gesichtspunkte, die Infrastruktur, Sicherheit, Umwelt und Medien.“

Was hinter diesem „Symposium“, das an diesem Mittwoch am Londoner Flughafen stattfindet, wirklich steckte, ist etwas ganz anderes: Es ist die Auftaktveranstaltung zu einer gigantischen Auktion, in der es nur um eines geht: Wie kann die Ryder Cup Europe Limited den höchstmöglichen Preis für den alle zwei Jahre stattfindenden Wettstreit zwischen den besten Profigolfern aus Europa und den Vereinigten Staaten erzielen? Und da gilt es, gleich von Anfang an schon einmal mit seinen Pfunden zu wuchern. Die deutsche Bewerbergesellschaft, die RC Deutschland GmbH, reist deshalb mit fünf Personen an, angeführt von Geschäftsführer Florian Bruhns und Erwin Langer, dem Bruder des deutschen Golfaushängeschilds Bernhard Langer.

Wettbieten ums Traditionsturnier

Wie viel Geld der deutsche Bewerber in seiner Schatulle hat, wird als Staatsgeheimnis gehütet. Klar ist bisher nur: Der Wittelsbacher Ausgleichsfond wird auf seiner Anlage in Neuburg-Rohrenfeld einen zweiten Platz bauen, sollte Deutschland den Zuschlag erhalten. Wie viel der Fonds investieren will, wie hoch die Summe ist, die die Audi AG, die ihren Stammsitz in unmittelbare Nähe zu Neuburg in Ingolstadt hat, für dieses Projekt spendiert, ist ebenfalls geheim. Man darf sich bei Auktionen eben nicht zu frühzeitig in die Karten schauen lassen.

Denn für die Auflage 2018 hat sich die Ryder Cup Europe Ltd., ein Unternehmen, das zu 60 Prozent der European Tour und zu jeweils 20 Prozent der PGA of Great Britain und der PGA of Europe gehört, ein ganz besonderes Verfahren einfallen lassen. Erstmals wird das größte Golfereignis der Welt nicht quasi unter der Hand an den steinreichen Besitzer eines Resorts verscherbelt, sondern sechs Nationen, neben Deutschland noch Schweden, Frankreich, die Niederlande, Portugal und Spanien, dürfen um den Cup bieten - ein probates Mittel, um den Preis nach oben zu treiben.

Ryder Cup als Geldmaschine

Dabei war der Ryder Cup in jüngerer Vergangenheit nie ein Billigprodukt. 2006 kaufte der irische Verpackungs-Milliardär Michael Smurfit mit tatkräftiger Unterstützung der Tourismus-Förderung des Landes die Veranstaltung, um für seinen K-Club und Golf auf der „Grünen Insel“ zu werben. Dabei war weder der typische amerikanische Platz (entworfen von der amerikanischen Golflegende Arnold Palmer), noch die Infrastruktur diesem Ereignis angemessen - in einem Land, mit vielen grandiosen Links Courses (Plätze in Dünenlandschaften direkt an der Meeresküste), wie man sie fast nur auf den britischen Inseln findet. Aber die 16 Millionen Euro, die die irische Regierung für begleitende Werbemaßnamen investierte, waren gut angelegt. Nach einer Berechnung der Beratungsgesellschaft Deloitte gaben die Besucher 130 Millionen Euro aus, etwa so viel wie die 130.000 Golftouristen, die jährlich auf der Insel die Schläger schwingen.

In diesem Jahr darf Sir Terry Matthews, übrigens ein Nichtgolfer, dank seines in der Telekommunikation verdienten Vermögens vom 1. bis 3. Oktober auf dem Twenty Ten Course seines Celtic Manor Resorts nahe seiner Heimatstadt Newport die Golfelite begrüßen. Auch dieser Platz ist nicht der beste in Wales. Dieses Attribut gehört dem Links-Klassiker Royal Porthcrawl. Auch im Celtic Manor erwartet die Elite wieder ein typisch amerikanerischer Platz, auch wenn nur eine, die allerdings überarbeitete Hälfte des Platzes aus der Feder eines amerikanischen Star Designers (Robert Trent Jones) stammt und der Schotte Ross McMurray für den Gesamtentwurf seines Arbeitgebers European Tour Design - übrigens eine Tochtergesellschaft der European Tour - verantwortlich zeichnet. Auch 2014 laden die Europäer ihre amerikanischen Gäste wieder auf eine Spielwiese, wie sie zu Dutzenden in den Vereinigten Staaten zu finden sind, auf den Centenary Course des Luxusresorts Gleneagles (Design Jack Nicklaus) - eine Schande, wenn man weiß, über wie viel großartige Links Courses Schottland verfügt.

Kein Vorteil für Deutschland

Aber der Ryder Cup ist längst zu einem gigantischen Geldesel verkommen, auch wenn die Spieler nur Geld für Spenden an wohltätige Organisationen erhalten. Die europäische Tour, die Dachgesellschaften von Berufsgolfern (PGA) von Großbritannien und Europa sind auf die Einnahmen des Ryder Cups angewiesen - und natürlich erpicht, möglichst viel in die Kasse zu bekommen. Deutschland mag sich gegenüber den allgemein als Favoriten gehandelten Schweden im Vorteil fühlen. Mit Bro Hof bei Stockholm - übrigens auch ein amerikanischer Platz von einem Amerikaner (Robert Trent Jones jun.) - haben die Skandinavier schon eine fertige Anlage vorzuweisen. Aber bei dem üblichen Austragungsdatum Ende September oder Anfang Oktober ist es in dieser Gegend schon unangenehm kalt und das Tageslicht würde nicht ausreichen. Aber wenn die Kohle stimmt, wird sich auch für dieses Problem eine Lösung finden.

Deshalb dürfen die Deutschen auch nichts darauf geben, dass Richard Hill vor ein paar Jahren einmal sagte, Deutschland erhalte den Ryder Cup, wenn Bernhard Langer dahinter stehe. Das tut er - aber das allein wird nicht reichen. Namen, Platz, Golftradition, Größe des Golfmarktes - alles Makulatur. Wenn im nächsten Frühjahr entschieden wird, welches kontinentaleuropäische Land Gastgeber sein darf, erhält wie bei allen Auktionen der Höchstbietende den Zuschlag. Und so wird die Botschaft des Londoner „Symposiums“ ganz einfach lauten: „Also, liebe Bewerber, macht auch schon mal daran, möglichst viel Geld aufzutreiben!“

Wolfgang Scheffler schreibt in seiner wöchentlichen Kolumne jeden Dienstag für FAZ.NET über Golf.

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1948, Sportredakteur.

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