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Schefflers Golf-Kolumne Der verflixte Montag

 ·  Wer träumt nicht davon? Nach bestenfalls mittelmäßigen Berufsjahren gelingt eines schönen Frühsommertags plötzlich alles - und am Abend ist man 750.000 Euro reicher. So ging es Simon Khan. Dumm nur, dass auch für den Engländer auf Sonntag immer ein Montag folgt.

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Golf, so sagen die Protagonisten des Spiels immer wieder, sei eine Metapher fürs Leben: Es gehe ständig auf und ab, mal habe man Pech, mal Glück, es sei unberechenbar und manchmal schlichtweg ungerecht. Simon Khan darf dafür als Kronzeuge herhalten. Er demonstrierte eine vorbildliche Arbeitsmoral - und wurde dennoch nicht belohnt. Der Reihe nach: Am Sonntag rollte der 37-jährige Engländer im Wentworth Club das Feld der BMW PGA Championship, dem Flaggschiff der European Tour, von hinten auf. Er gewann ein Turnier, für das er erst 72 Stunden vor Beginn eine Wildcard des Veranstalters erhalten hatte. Mit sieben Schlägen Rückstand war er rund eine Stunde vor Spitzenreiter Chris Wood (England) auf die letzten 18 Löcher gegangen.

Mit 66 Schlägen spielte Khan die beste Schlussrunde. Er feierte seinen zweiten Erfolg nach den Wales Open 2004, gewann 750.000 Euro und sicherte sich seinen Arbeitsplatz für die nächsten fünf Jahre - für Khan und seine junge Familie eine riesige Erleichterung. Im Vorjahr am Ende der Hongkong Open hatten Khan noch bittere Tränen geweint, weil er nicht genug Geld spielend verdient hatte, um sich die Spielberechtigung für die europäische Turnierserie 2010 zu sichern.

Aber Khan, der seine Profi-Laufbahn 1991 mit Handicap 0 als Assistent Pro in einem Club seines Heimatortes Chingford begonnen und es erst 2001 auf die European Tour geschafft hatte, ließ sich von der Enttäuschung nicht unterkriegen. Er gewann die Qualifikation über sechs Runden und kehrte auf die lukrative Tour zurück. Durch den Coup in Wentworth qualifizierte er sich für die nächsten drei British Open und rückte in der Weltrangliste von Rang 471 auf Rang 106 vor. Doch selbst dieser Riesensprung reichte nicht, um für die US Open vom 17. bis 20. Juni, dem zweiten Major des Jahres, startberechtigt zu sein. Nur die Top 50 der Weltrangliste sind automatisch qualifiziert.

Khan begoss seinen Triumph mit ein paar Gläsern Champagner, ging früh ins Bett, aber zu erquickender Nachtruhe fand er nicht: „Ich war viel zu aufgedreht und habe kaum ein Auge zugemacht.“ Dennoch machte er sich am nächsten Morgen in aller Frühe auf den Weg von Wentworth durch den Speckgürtel von London nach Walton on the Hill. Auf dem traditionsreichen Parkland Course des Walton Heath Golf Clubs fand am Montag eines der Sectional Qualifying für Tourspieler über 36 Löcher für die US Open in Pebble Beach statt - aber nur 56 Profis stellten sich der Herausforderung. Chris Woods zum Beispiel war von seiner Schlussrunde von 77 Schlägen und dem Absturz auf den geteilten sechsten Rang so enttäuscht, dass ihm der nur 37 Kilometer lange Weg vom Wentworth Club in Virginia Waters zum Walton Heath Club in Walton on the Hill zu weit war. Er erschien nicht am Abschlag und wurde disqualifiziert. Angeblich war sein Rückzug nicht zur Spielleitung durchgedrungen.

Vier Mann versenken zum Birdie - einer nicht

Andere dagegen, wie der schottische Veteran und Ryder-Cup-Kapitän Colin Montgomerie oder der junge Italiener Matteo Manassero versuchten, wenn auch vergeblich, ihr Glück. Am bittersten jedoch erwischte es Khan. Nach einer Auftaktrunde von 67 am Morgen auf dem New Course, ließ er eine weitere respektable Runde am Nachmittag von 70 Schlägen auf dem engen Old Course folgen - aber das reichte nur, um mit fünf Kollegen gleichauf auf Rang sieben zu liegen. Da in Walton Heath nur elf Plätze im Feld der US Open ausgespielt wurden, mussten die fünf Herren im Stechen noch einmal ran. Alle fünf schlugen den Ball am ersten Loch des Old Courses (Par 3, 215 Meter) aufs Grün, vier versenkten den Ball zum Birdie im Loch. Einer nicht: Khan schob den Ball aus fünf Metern knapp am Loch vorbei. „Ich konnte es kaum glauben. Ich hatte gedacht, dass mindestens noch einer das Loch verfehlt“, sagte der konsternierte Khan, der damit auf den 12. Platz zurückgestuft wurde.

Khan ist immerhin jetzt erster Ersatzmann - und kann sich doch noch Hoffnungen machen auf einem der schönsten Golfplätze der Welt an der Pazifikküste von Nordkalifornien eines der wichtigsten Turniere zu spielen und sich damit einen Traum zu erfüllen. Es wäre ihm zu wünschen. Denn auch im Golf gibt es - wie im Leben - manchmal ausgleichende Gerechtigkeit.

Wolfgang Scheffler beobachtet in seiner wöchentlichen FAZ.NET-Kolumne die Golf-Welt und schreibt über Kurioses, Lustiges und Skurriles.

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1948, Sportredakteur.

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