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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Schefflers Golf-Kolumne „Das Leben ist kein Dauerlauf“

 ·  Erik Compton muss auf die Kraft des dritten Herzens vertrauen: Als einziger Profisportler geht er seinem Job nach zwei Herztransplantationen nach. Compton weiß, dass er nicht lange leben wird, täglich muss er rund 40 Tabletten schlucken. Erfolgreich ist er trotzdem - er spielt bei den US Open.

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Es ist eine Geschichte, die geradezu zu kitschigen Zeilen animiert: „Man kann nicht messen, mit wie viel Herz jemand bei der Sache ist, aber bei Erik Compton kann man es wenigstens quantifizieren - es ist sein drittes“ schrieb die Tageszeitung „Springfield NewsSun“, nachdem der Dreißigjährige am Montag vergangener Woche beim „Sectional Qualifying“ im Springfield Country Club (Ohio) das Stechen um einen Platz bei den US Open erfolgreich überstanden hatte.

Als erster Empfänger eines Spenderherzens wird der Golfprofi aus Miami von Donnerstag bis Sonntag bei einem der vier Majors in Pebble Beach antreten: „Ich bin der Kerl mit zwei Herztransplantationen, der für die US Open qualifiziert ist. Das wird viele Schlagzeilen in aller Welt nicht nur im Golf machen. Was für ein Pointe!“ In der Tat: Seit er wie die Favoriten am Montag zu einer Pressekonferenz in Pebble Beach gebeten wurde, sind nicht nur die amerikanischen Medien voll von einer Story, die wie es ein Kolumnist befand, schlichtweg „herzerwärmend“ sei - zumal auch der letzte Teil der Wegstrecke von Compton nach Pebble Beach am berühmten 17-Mile-Drive an der kalifornischen Pazifikküste keine einfache Reise war.

Sonntag voriger Woche war Compton nach überstandenem Cut und einer Schlussrunde von 82 Schlägen auf den letzten Platz beim Memorial Tournament in Dublin (Ohio) zurückgefallen - 29 Schläge hinter dem Sieger Justin Rose und dem 26 hinter dem zweitplazierten Jungstar Rickie Fowler. Doch sowohl der Engländer als auch der Amerikaner scheiterten anschließend in Springfield. Nach Runden von 69 am Vormittag und 66 Schlägen am Nachmittag stand Compton im Dreier-Stechen um die letzten beiden Startplätze mit dem koreanischen Jungprofi Seung Yul Noh - und das obwohl sein Caddie Ron Levin nach der ersten Runde abreisen musste, um für seinen regulären Boss Todd Hamilton beim Turnier in Memphis zu arbeiten. Der Masseur Scott Wilke, ein Mitglied des Clubs, sprang als Taschenträger ein.

Gemeinsam setzte sich das Zufallsteam am dritten Extra-Loch gegen den jungen Amateur Brad Wright durch, nachdem Noh sich mit einem Birdie am ersten Loch einen Startplatz gesichert hatte. Dabei hatte er sich nach der Enttäuschung beim Memorial Tournament eigentlich nicht den Stress eines Qualifikationsturniers über 36 Löcher an einem Tag - schon für gesunde Golfer eine Belastung, umso mehr für einen Mann, der durch rund vierzig Tabletten geschwächt ist, die er jeden Tag schlucken muss, um die Abstoßungsreaktionen seines Körpers gegen das fremde Organ zu unterdrücken.

„Das Leben ist kein Dauerlauf“

Jetzt ist er mit seiner Familie in Pebble Beach angekommen, einem Platz, den er wie viele Golfer in aller Welt, schon immer einmal spielen wollte, einem Platz, der als einer der schönsten der Welt gilt. Seine Ehefrau Barbara, seine 14 Monate alte Tochter Petra, sein Vater Peter sind wie etliche Freunde sind mit nach Kalifornien gereist, um Compton zu unterstützen. „Ich weiß, dass ich nicht lange leben werde“, sagt Compton, „aber das Leben ist kein Dauerlauf, es geht um die Qualität.“

Und für ihn bedeutet Lebensqualität, dass tun zu können, was seiner Kindheit sein Traum ist: Profigolf. Dass Compton überhaupt zum Golf kam, auch daran ist seine Herzerkrankung schuld. Als er neun Jahre alt war, wurde bei ihm dilative Kardiomyopathie diagnostiziert. Weil die Pumpleistung des Herzens immer schwächer wurde, er sich ständig übergeben musste und fast erblindet war, wurde ihm am 26. Februar 1992 mit zwölf Jahren das Organ der fünfzehnjährigen Jannine eingepflanzt, die bei einem durch einen betrunkenen Fahrer verursachten Verkehrsumfall ums Leben gekommen war.

Zweites Spenderherz im März 2008

Weil sein Elternhaus in jenem Jahr durch einen Hurrikan zerstört worden war, musste die Familie in ein Ausweichquartier umziehen. Es lag direkt neben einem Golfplatz. Da sich für den Rekonvaleszenten alle anderen sportlichen Aktivitäten verboten, schwang der Junge Hölzer und Eisen. Anfangs war er so schwach, dass er den Ball kaum aus der Abschlagbox befördern konnte, aber mit zunehmender Genesung wurde er immer besser, so gut, dass er bald mit dem Spanier Sergio Garcia um den inoffiziellen Titel weltbester Junior stritt.

Nach einer erfolgreichen Collegekarriere wechselte er 2001 ins Profilager, mit bescheidenem Erfolg. Er gewann einige Turniere, darunter vor fünf Jahren die King Hassan Trophy in Marokko. In jenem Jahr 2005 führte nach zwei Siegen die Geldrangliste der kanadischen Tour an und schaffte den Sprung auf die Nationwide Tour, der zweiten Liga in Amerika. Aber 2007 wurde er wieder schwächer: „Schon das Gehen zum Ball fiel unglaublich schwer“, erinnert sich Compton. Nachdem er in Boise (Idaho) den Cut verpasst hatte, fühlte er sich so matt, dass er direkt zu seinen Ärzten in ein Krankenhaus nach Miami fuhr. Beim Ausfüllen der Formulare wurde er bewusstlos. Er hatte einen schweren Herzinfarkt erlitten und benötigte ein zweites Spenderherz. Er bekam es nach fast halbjähriger Wartezeit im März 2008. Das Herz stammte von dem hoffnungsvollen Volleyballspieler Isaac, der bei einem Autounfall mit Fahrerflucht ums Leben gekommen war.

An Talent mangelt es Compton nicht

In der Wartezeit, in der er an ein Kunstherz angeschlossen war, hat Spuren hinterlassen. Durch die Schläuche, die durch seinen linken Oberschenkel gelegt waren, hat er jegliche Gefühl in diesem Körperteil verloren. Aber der Glaube, es eines Tages doch noch auf die PGA Tour zu schaffen, ist geblieben. Noch muss er sich mit Sponsor-Einladungen zu Turnieren begnügen. In diesem Jahr spielte er bei vier Turnieren mit und schaffte immer die Qualifikation für die beiden Schlussrunden am Wochenende. „Ich werde sicherlich kein Major gewinnen. Ich werde wohl darum kämpfen müssen, Cuts zu überstehen.“

Nicht weil es ihm an Talent mangele. Er ist als einziger Profisportler, der seinem Job nach einer Herztransplantation nachgeht, einfach körperlich nicht so fit wie die Kollegen. Auch wenn es Spötter gerne anders sehen, fünf Stunden und mehr Golf auf Weltklasseniveau schlauchen. Aber allein die Tatsache, dass er trotz dieses Handicaps Golf gegen die Besten der Welt spielt, fühlt sich nicht nur für ihn wie ein großer Sieg an.

Wolfgang Scheffler beobachtet in seiner wöchentlichen FAZ.NET-Kolumne die Golf-Welt und schreibt über Kurioses, Lustiges und Skurriles.

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1948, Sportredakteur.

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