Die Torquote von 2011 liegt deutlich unter den Werten der vorangegangenen fünf Endturniere, bei denen jeweils weit mehr als drei Tore im Schnitt fielen: 2,69. So viele Tore sind bei der Frauenfußball-Weltmeisterschaft durchschnittlich in den 32 Spielen gefallen. 2007 wurde der Rekordwert von 3,47 Treffern pro Spiel erzielt. Die erste Frauenfußball-Weltmeisterschaft auf deutschem Boden geht mit ihrem Minusrekord wohl als jene in die Geschichte des Frauenfußballs ein, bei der das taktische Geschick im Defensivspiel und auch die Torhüterinnen ein neues Niveau erreicht haben.
Das ist gut für den Frauenfußball. Allzu krasse Leistungsunterschiede zwischen den Teilnehmern oder lächerliche Torwartfehler, wie sie in der Vergangenheit nahezu in jedem Spiel zu bestaunen waren, sind ausgeblieben. Das Kurzpassspiel der Japanerinnen hat zudem spielerisch neue Maßstäbe gesetzt, die gewiss ähnlich wie das spanische Tiki-Taka bei den Männern Vorbildfunktion haben dürften für die Konkurrenz in aller Welt.
Der Frauenfußball hat somit einen wichtigen Schritt in seiner Entwicklung vollzogen. Vermutlich ist der Leistungsschub der Außenseiter wie Nigeria, Mexiko oder Kolumbien maßgeblich auf die Aktivitäten des Weltverbands Fifa zurückzuführen, der in den vergangenen Jahren mit der Einführung von U-20- und U-17-Weltmeisterschaften Anreize für ihre Mitgliedsverbände geschaffen hat, den Mädchenfußball in den jeweiligen Ländern zu fördern.
Natürlich gibt es noch viele Defizite, die der Frauenfußball zu beheben hat. Viele Teams müssen sich etwas einfallen lassen, um ihre Spielerinnen besser auf den Druck vorzubereiten, den Spiele in den ungewohnt großen und gutbesuchten Stadien und vor einem Millionenpublikum an den Fernsehgeräten erzeugen. Nicht nur die deutschen Gastgeberinnen hatten damit ihre Schwierigkeiten. Zudem müssen die Leistungen der Schiedsrichterinnen besser werden. Zu gravierend war manche Fehlleistung der Unparteiischen im Turnierverlauf.
Die Fifa, die seit 1999 ausschließlich weibliche Referees mit den Spielleitungen betraut, muss darauf dringen, dass ihre WM-Schiedsrichterinnen in ihren Ländern vermehrt auch in Profiligen der Männer eingesetzt werden. Die deutsche Endspielschiedsrichterin Bibiana Steinhaus hat vor allem dank ihrer Einsätze in der Zweiten Bundesliga die nötige Souveränität und Ausstrahlung gewonnen, die ihr auch bei einem WM-Spiel Übersicht und Gelassenheit ermöglichen.
Sollten sich diese Rahmenbedingungen in Zukunft verbessern, dann dürfte der Frauenfußball in Zukunft auf einen weltweit noch höheren Stellenwert für sein WM-Turnier hoffen. Die Richtgröße im Kampf um Anerkennung muss ja nicht unbedingt der Toreschnitt bei den Männern sein. Dort fielen 2010 in Südafrika gar nur 2,27 Tore.
Nicht die Männer als Vorbild nehmen
(Kurt_Saum)
- 18.07.2011, 12:27 Uhr
In seinem Buch
Ronny Schaffer (RonSchaffer)
- 18.07.2011, 13:34 Uhr
