16.07.2011 · An diesem Sonntag endet mit dem Finale zwischen Japan und den Vereinigten Staaten die WM. Und was bleibt nach nun fast drei Wochen Frauenfußball? Ein Gespräch unter Kollegen in der Redaktion.
Von Thomas Klemm und Volker StumpeEinmal werden wir noch wach, heissa, dann ist Endspieltag! Was machst du am Sonntagabend?
Rhetorische Frage, oder was? Bügeln, abwaschen, putzen, keine Ahnung.
Während die Frauen Fußball spielen, erfüllst du deine Pflichten als Hausmann? Das nenne ich emanzipiert. Aber hast du nicht das Gefühl, das Richtige im falschen Moment zu tun?
Moment: Seit vergangenem Sonntag erzähle ich dir, dass die WM für mich vorbei ist. Brasilien und Marta raus, die Amis und Abby weiter. Ach, das war herrlich! Es war das erste und einzige Spiel, das ich von der ersten bis zur letzten Minute genossen habe.
Du Minderheit, du! Die deutschen Fans sitzen zu Millionen vor den Fernsehgeräten und begeistern sich am gepflegten Kurzpassspiel der Japanerinnen. Da musst du doch auch schwach werden.
Nö, ich fühle mich ganz wohl in der schweigenden Opposition. Ich beweise Stärke, weil ich mir nicht von den Fernseh- und Radioleuten nicht einreden lasse, dass hier ein Mega-Event stattfindet. Übrigens hat mir eine Kollegin aus dem vierten Stock neulich gesagt, dass sie sich Frauenfußball nicht angucken kann. Das ist ihr zu öde und zu langsam. Sie schaut nur Männern beim Kicken zu. Hat sie gesagt!
Zugegeben: Die Stimmungsmache rund ums deutsche Team war schwer erträglich. Ich wollte mir auch nicht einreden lassen, in die DFB-Frauen verliebt zu sein, bloß weil ich einen deutschen Pass habe. Aber wenn man sich die WM-Spiele vorbehaltlos angeschaut hat, muss man doch sagen: Hut ab! Tolle Tricks, tolle Tore, und schlechte Leistungen von Schiedsrichtern und Torhütern gibt’s auch bei den Männern.
Tolle Tricks? Meinst du den, wo die Spielerin aus Äquatorialguinea den Ball in die Hand genommen hat und von der Fernsehreporterin fast unbemerkt geblieben wäre? Ja, der war wirklich gut! Mein ganz persönliches WM-Highlight.
Was hast du gemacht, als die Japanerin Kawasumi aus 35 Metern ins Tor traf? Gebügelt? Geputzt? Hättest du diesen Kunstschuss im Halbfinale gesehen, dir wäre dein Gespött vergangen, du Chauvi!
Habe ich leider verpasst, weil ich seit einer Woche nicht mehr Frauen-WM schaue. Übrigens: Kennst du den schon? Fragt ein Typ seinen Kumpel: „Wie findest du eigentlich Frauenfußball?“ Der antwortet: „Och, ich finde beides gut!“ Witzig, nicht wahr?
Selten so gelacht. Weißt du eigentlich, warum Frauen Fußball besser finden als Sex? Weil nur die Ecke eine Fahne hat, weil's neunzig Minuten dauert und weil nach dem Abpfiff keiner schnarcht.
Volker Stumpe Jahrgang 1962, zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Jüngste Beiträge