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Franck Ribéry im Gespräch „Ich habe nur ein Ziel: Ich will den Titel“

09.06.2008 ·  Zuletzt war Franck Ribéry der überragende Bundesligaspieler. Nach dem Double mit den Bayern will er mit Frankreich Europameister werden. Im FAZ.NET-Interview spricht er über einen unbekannten Streich, seine besondere Motivation und die „Todesgruppe“.

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Franck Ribéry war in der vergangenen Saison der überragende Bundesligaspieler. Nach dem Double mit den Bayern will der Mittelfeldspieler nun mit Frankreich Europameister werden. An diesem Montag steigt die Equipe Tricolore mit dem ersten Spiel gegen Rumänien ins Turnier ein (18.00 Uhr / Live in der ARD und im FAZ.NET-Liveticker). Anschließend folgen die Duelle gegen die Niederlande und gegen Italien. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung spricht Ribery über einen noch unbekannten Streich, seine besondere Motivation und die „Todesgruppe“.

Beim FC Bayern sind Sie sofort zum Publikumsliebling aufgestiegen. Wie gehen Sie mit Ihrer Popularität um?

Ich lebe wie ein normaler Mensch. Ich versuche mir keinen Kopf darüber zu machen. Es ist mir bewusst, dass viel über meine Person gesprochen und berichtet wird, aber das Wichtigste bleibt für mich, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren, nämlich auf das Fußballspiel.

In Deutschland gelten Sie mittlerweile als „Kaiser Franck“. Haben Sie Franz Beckenbauer überhaupt schon mal persönlich kennengelernt?

Ich musste zwar lange warten, bevor ich ihn sehen konnte. Aber vor der Bundesliga-Partie gegen Werder Bremen (10. Februar) habe ich mich mit ihm unterhalten. Franz Beckenbauer war ein hervorragender Spieler, und es war mir eine Ehre, mit ihm zu plaudern.

Haben Sie eine derartige Begeisterung um Sie herum jemals erlebt?

Bei Olympique Marseille war es auch ein bisschen der Fall. Aber beim FC Bayern hat es noch eine ganz andere Dimension. Bayern ist Marseille mal zehn. Bayern ist eindeutig stärker. Nicht nur sportlich und finanziell, sondern auch von der Popularität und von der Medienlandschaft her. Es ist nicht vergleichbar.

Wie reagieren Sie, wenn Sie hören, dass Oliver Kahn Sie mit Zinedine Zidane vergleicht und Uli Hoeneß vom „FC Ribéry“ spricht?

Das ist völlig verrückt, oder? Das ist Wahnsinn. Ich sehe das mit einer gewissen Distanz. Aber ich muss zugeben, dass es mir schmeichelt.

Was für ein Gefühl haben Sie nach einem Jahr beim FC Bayern?

Ich bin stolz auf meine Leistung der ganzen Saison. Was mich am meisten freut: Zum ersten Mal in meiner Karriere konnte ich eine komplette Spielzeit auf hohem Niveau spielen. Man hatte mir bisher in Frankreich immer vorgeworfen, dass ich insbesondere im Winter in ein körperliches Loch falle. In dieser Saison war es nicht der Fall. Das ist der beste Beweis dafür, dass ich mich weiterentwickelt habe.

Wie erklären Sie, dass Sie ausgerechnet in Deutschland konstant geworden sind?

Ich denke, dass mir vor allem die Winterpause gutgetan hat. Zum ersten Mal in meiner Profikarriere durfte ich Silvester bei meiner Familie verbringen. Ich konnte auch wieder viel Kraft tanken. Diese Pause ist eine richtig gute Idee.

Wenn Sie eine Schwäche hätten, welche wäre diese?

Jeder hat doch bestimmt gemerkt, dass ich kein Kopfballspezialist bin. Im Gegenteil (er lacht). Außerdem schaffe ich es nicht, mit dem Rhythmus gut umzugehen. Es ist für mich nicht möglich, weniger Gas zu geben. Das kann ich einfach nicht. An dem Tag, wo es passieren könnte, würde es bedeuten, dass ich k. o. bin.

Fühlen Sie sich wohler in der Bundesliga als in der französischen Liga?

Vom Gesamtniveau her finde ich die Bundesliga stärker als die Ligue 1. Und die Spielweise in Deutschland liegt mir besser. Hier wird stets nach vorne agiert, es gibt viele Tore. In Frankreich wird zu defensiv und zu viel auf Taktik gespielt.

Heißt das, dass Sie nie mehr bei einem französischen Verein spielen werden?

Ich kann es mir, ehrlich gesagt, nicht vorstellen. Schauen Sie doch, wie schön es ist für einen Profi beim FC Bayern.

Können Sie konkreter werden?

Es gibt verschiedene Beispiele: Die Bayern-Verantwortlichen haben für mich ein wunderschönes Haus in Grünwald gefunden. Sobald ich irgendetwas benötige, sind sie sofort da. Manchmal habe ich sogar den Eindruck, dass sie wissen, was ich brauche, bevor ich ihnen Bescheid gesagt habe. Das beste Beispiel ist das Essen: Als Muslim esse ich nur geschächtetes Fleisch. Und das steht für mich immer bereit, ob im Hotel, in der Kabine oder im Restaurant. Und das berührt mich sehr.

Sie scheinen von der Menschlichkeit bei Bayern angetan zu sein ...

Selbstverständlich. Jedes Mal, wenn ich Monsieur Hoeneß sehe, fragt er mich, ob es mir gutgeht und ob meine Familie glücklich ist – und nicht, ob ich gut trainiert habe. Das lässt mich nicht kalt.

Bedeutet das, dass Sie langfristig in München planen?

Langfristig bei einem Verein zu planen ist unmöglich. Aber beim FC Bayern habe ich vor einem Jahr einen Vierjahresvertrag unterschrieben, und es kann gut sein, dass ich ihn erfüllen werde. In diesem Verein habe ich eine Menge Spaß.

Die ganze Saison lang haben Sie durch Ihre Späße für Stimmung innerhalb des Teams gesorgt. Warum tun Sie das?

Weil es mir bewusst ist, dass ich als Fußballprofi ein Privilegierter bin. Der Fußball bringt mir ungemein viel Freude und Begeisterung. Insofern versuche ich es zurückzugeben.

Gibt es einen Spaß von Ihnen, der nicht bekannt wurde?

Ja, mein lustigster. Vor unserem Auswärtsspiel in Cottbus saß ich im Auto mit Daniel (van Buyten) und Hamit (Altintop) auf dem Weg zum Münchner Flughafen. Reha-Trainer Thomas Wilhelmi fuhr hinter uns. Plötzlich habe ich vor einer Kreuzung gestoppt und somit den ganzen Verkehr blockiert. Alle haben gehupt. Es hat bestimmt fünf Minuten gedauert. Aber keine Angst: Den Flug haben wir nicht verpasst. Es war eine kleine Rache von mir, nachdem mich Wilhelmi mit einem Wassereimer mit eiskaltem Wasser erwischt hatte.

Ottmar Hitzfeld hat den FC Bayern verlassen. Welche Bilanz ziehen Sie nach einem Jahr unter seiner Regie?

Ich werde nie vergessen, dass ich im vergangenen Herbst ein kleines Tief hatte. Ich hatte Heimweh, das Wetter war ständig trüb und kalt. Und dann haben wir unter vier Augen ein konstruktives Gespräch geführt, das mich sofort aufgemuntert hat. Spielerisch hat er mir immer viel Freiheit gegeben. Er hat mich auf meiner Lieblingsposition im linken offensiven Mittelfeld aufgestellt. Zwischen uns gab es immer viel Respekt sowie eine starke Bindung. Ich werde ihn vermissen.

Glauben Sie, dass Sie durch Ihre starke Saison in München im französischen Nationalteam einen neuen Status zu haben?

Meine Devise bleibt: Alles geben und Spaß im Spiel haben. Bisher ist es mir erfolgreich gelungen. Ich habe mich in der Nationalmannschaft schnell durchgesetzt. Heute gehöre ich zu den festen Größen im Team. Und da spielt meine starke Saison beim FC Bayern sicherlich eine große Rolle, weil ich nun sehr viel Selbstvertrauen habe.

Wie lauten Ihre Ziele bei dieser Europameisterschaft?

Ich habe ein einziges Ziel: Ich will den Titel! Das wäre einfach perfekt, um diese großartige Saison zu krönen. Bevor ich nach München kam, hatte ich nur den türkischen Pokal gewonnen. Nun habe ich drei weitere mit Bayern geholt: Liga-Pokal, DFB-Pokal und die deutsche Meisterschaft. Nun träume ich vom EM-Titel.

Was spricht für die Equipe Tricolore?

Unsere Erfahrung, unsere hohe Motivation nach der unglücklichen WM-Final-Niederlage vor zwei Jahren gegen Italien im Elfmeterschießen sowie unser Potential, das sehr stark ist. In den letzten Monaten sind viele junge Spieler in die Nationalmannschaft berufen worden, und sie bringen frischen Wind und noch mehr Talent. Zum Beispiel ist Stürmer Karim Benzema von Olympique Lyon der künftige Weltstar. Er kann einfach alles.

Aber die erste Runde scheint sehr kompliziert zu sein.

Klar. Mit Italien, der Niederlande und Rumänien haben wir die Todesgruppe erwischt. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass wir ins Viertelfinale einziehen werden und dass dann für uns alles möglich ist.

Sie werden immer öfter mit Zinedine Zidane verglichen. Werden Sie sein Nachfolger?

Zizou war einmalig, und ich versuche keineswegs, ihn zu kopieren. Das ist einfach unmöglich, und das hätte keinen Sinn. Wir haben auch zwei verschiedene Spielweisen. Aber ich möchte die gleiche Karriere haben wie er mit so vielen Titeln und Ehrungen. Eines ist klar: Ich bin noch meilenweit von ihm entfernt, auch wenn ich noch viele Jahre vor mir habe.

Was trauen Sie der deutschen Nationalelf bei dieser EM zu?

Im Gegensatz zu uns hat Deutschland eine relativ leichte Gruppe. Ich gehe davon aus, dass die Deutschen bis zum Finale kaum zu stoppen sein werden, auch wenn Portugal für Überraschung sorgen könnte. Ich sehe ein Finale Frankreich gegen Deutschland ...

... und Deutschland wird Europameister.

Keine Chance. Dann gibt es für meine Bayern-Kollegen gegen uns nichts zu holen (lacht).

Das Gespräch führte Alexis Menuge.

Quelle: F.A.Z.
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