Home
http://www.faz.net/-g7c-x8v3
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Aktuelle Nachrichten online - FAZ.NET

FAZ.NET-Euro-Spezial: Russland Der Weltenbummler und die Rasselbande

 ·  Der russische Fußball auf dem Vormarsch? Nach dem Uefa-Cup-Sieg von St. Petersburg will das Nationalteam nun bei der Euro begeistern - und wenigstens die Vorrunde überstehen. Das fordert zumindest der Startrainer. Teil 14 der FAZ.NET-Euro-Vorschau.

Artikel Bilder (8) Lesermeinungen (0)

Die russische Nationalmannschaft will nach langer Durststrecke endlich wieder eine Hauptrolle auf der großen Fußball-Bühne spielen. Der Gewinner des ersten EM-Turniers 1960 wartet seitdem vergeblich auf einen weiteren großen Erfolg. Nach der Finalteilnahme bei der Euro 1988 in Deutschland war für die „Sbornaja“ sechsmal bei großen Turnieren in der Vorrunde Endstation, dreimal hatte sie schon in der Qualifikation die Segel streichen müssen.

Kein Wunder, dass das Ziel trotz der Renaissance unter Weltenbummler Guus Hiddink erst einmal lautet: die Vorrunde überstehen. „Wir möchten so lange wie möglich hier bleiben“, sagte Hiddink bei einer ersten Besichtigung des Euro-Quartiers in Leogang Ende März. Die Vorrundengegner Spanien, Schweden und Titelverteidiger Griechenland schätzt Hiddink allerdings als hohe Hürden ein. „Wunderdinge sind noch nicht zu erwarten. Wir machen gerade erst unsere ersten Schritte in die richtige Richtung“, meinte Verbandspräsident Witali Mutko.

In der Heimat entstehen perfekte Bedingungen

Hiddink denkt schon über die Euro 2008 hinaus. Bis zur WM 2010 in Südafrika hat der Niederländer seinen Vertrag verlängert, nachdem sich seine Mannschaft gemeinsam mit Kroatien in der EM-Qualifikation gegen das Fußball-Mutterland England durchgesetzt hatte.

Dass der 61 Jahre alte Hiddink dafür mit rund zwei Millionen Euro jährlich fürstlich entlohnt wird, dürfte für seine Vertragsverlängerung nur ein Grund gewesen sein. Mit seiner verjüngten Mannschaft sieht der Fußball-Lehrer, der nach den Niederlanden (EM 1996 und WM 1998), Südkorea (WM 2002) und Australien (WM 2006) schon die vierte Nationalmannschaft bei einem großen Turnier betreut, eine große Perspektive. „Unser Team ist jung, nur zwei Spieler gehen auf die 30 zu, alle anderen sind höchstens 26“, sagte Hiddink.

Um diese Spieler weiter zu formen, wird der Coach Ende dieses Jahres perfekte Bedingungen vorfinden. Aus dem von Chelsea-Eigner Roman Abramowitsch gefüllten Topf der „Nationalen Fußball-Akademie“, die auch Hiddinks Gehalt zahlt, wird der Bau des neuen Trainingszentrums in Swenigorod, rund 80 Kilometer entfernt von Moskau, finanziert. Für rund 25 Millionen Euro entstehen unter anderem Trainingsplätze, eine Sporthalle und zwei Hotels. Für rund 120 Millionen Euro soll zudem auch noch ein neues Nationalstadion entstehen.

Hiddink: „Am Ende hat der Sport gesiegt“

Was Hiddinks verjüngtem Team noch fehlt, ist die Konstanz. In der Qualifikation war das Euro-Ticket nach dem souveränen 2:1-Erfolg gegen England eigentlich schon fest gebucht, als sich die Russen auf der Zielgerade noch einmal selbst in Schwierigkeiten brachten. Nach dem 1:2 in Israel benötigte man dann kroatische Schützenhilfe gegen England, um mit dem mühsamen 1:0 bei „Fußball-Zwerg“ Andorra doch noch das Ziel zu erreichen.

Von Glück oder Wunder wollte Hiddink danach aber nicht sprechen. „Ich glaube nicht an Wunder. Ich habe geglaubt, dass wir eine kleine Chance haben. Am Ende hat der Sport gesiegt“, sagte der Trainer, der bei seinen jungen Spielern um Kapitän Andrej Arschawin von Uefa-Cup-Sieger Zenit St. Petersburg beliebt ist. „Wir haben bei ihm viel mehr Freiheiten. Im Training und im Spiel verlangt er Disziplin, aber außerhalb werden wir nicht mehr ständig kontrolliert“, sagte Arschawin. Damit scheint Hiddink Erfolg zu haben.

DIE FAZ.NET-PROGNOSE:

Die junge russische Mannschaft hat eine Chance aufs Viertelfinale, wenn sie unter ihrem erfahrenen Trainer Guus Hiddink frech aufspielt. Doch die Gruppengegner sind stark: Titelverteidiger Griechenland und Spanien sind auch heiße Anwärter auf die Gruppenplätze eins und zwei. Russlands bester Stürmer und Kapitän Andrej Arschawin fehlt wegen einer Sperre in den ersten beiden Spielen. Ob er danach noch helfen kann? So oder so: Spätestens im Viertelfinale gegen einen Kontrahenten aus der „Todesgruppe C“ wäre wohl Endstation.

Der Vorrunden-Spielplan Russlands:

10. Juni - Gruppe D in Innsbruck: Spanien - Russland (18.00)
14. Juni - Gruppe D in Salzburg: Griechenland - Russland (20.45)
18. Juni - Gruppe D in Innsbruck: Russland - Schweden (20.45)

Viertelfinale:

21. Juni in Basel: Sieger Gruppe C - Zweiter Gruppe D (20.45)
22. Juni in Wien: Sieger Gruppe D - Zweiter Gruppe C (20.45)

Halbfinale:

26. Juni in Wien: Sieger Viertelfinale 3 - Sieger Viertelfinale 4 (20.45)

Finale:

29. Juni in Wien: Sieger Halbfinale 1 - Sieger Halbfinale 2 (20.45)

Alle Spiele, alle Tore - Russland bei der Euro im FAZ.NET-Liveticker

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel