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FAZ.NET-Euro-Spezial: Österreich Ein Zwerg mit Hang zur Realitätsverweigerung

29.05.2008 ·  Der Co-Gastgeber aus Österreich ist wohl einer der größten Außenseiter der Euro-Geschichte. Daher beschäftigt man sich auch viel lieber mit der besseren Vergangenheit. Doch zuletzt bewies der umstrittene Trainer Mut. Teil 7 der FAZ.NET-Euro-Vorschau.

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Wer denn wohl den Euro-Titel holen wird, wurde Hans Krankl unlängst gefragt. „Österreich wird's ned, des steht leider heut' scho' fest“, sagte der einstige Stürmerstar mit gedrückter Stimme. Die Aussage des Chefkritikers ist symptomatisch für die Stimmung im Land des Gastgebers. Die Großen ärgern und mit etwas Glück die Vorrunde überstehen, das will man schon.

Aber im Grunde weiß jedes Kind zwischen Bregenz und Wien: Die Alpenrepublik hat keine Chance. Wer sich mit einem Österreicher über Fußball unterhält, landet zwangsläufig nach wenigen Minuten des Wehklagens über die aktuelle Misere in der Vergangenheit. Die Ideen des Trainers Hugo Meisel, das „Wunderteam“ um Matthias Sindelar, Platz drei bei der WM 1954, Cordoba 1978 und das 3:2 gegen Deutschland - das sind gute Themen.

Nur acht europäische Teams sind schlechter

„Wir Österreicher leben in der Vergangenheit. Das geht hin bis zur Realitätsverweigerung“, klagt Nationaltrainer Josef Hickersberger. Kein Wunder, verblasst die Gegenwart doch im Vergleich mit den Mythen. Im April stand Österreich auf Platz 102 der Weltrangliste erstmals im dreistelligen Bereich - hinter Gabun, Katar und Panama.

Nur acht europäische Teams sind schlechter, allesamt Fußball-Zwerge wie Liechtenstein, Malta und Andorra. 1998 erreichte „Team Austria“ letztmals ein großes Turnier - bei der WM in Frankreich war in der Vorrunde Schluss. 2007 wurde nur eines von zwölf Länderspielen gewonnen, kein Teamspieler ist Stammkraft bei einem europäischen Spitzenklub.

Katastrophale Schlussphase verhindert Sensation

Nicht nur Martin Harnik, Nationalspieler in Diensten von Werder Bremen, muss sich von seinen Mitspielern verspotten lassen. „Torsten Frings hat mich schon zum Endspiel auf die Tribüne eingeladen“, sagte er kürzlich. Immerhin: In den ersten beiden Länderspielen des Euro-Jahres hat die rot-weiß-rote Elf eine Entwicklung gezeigt, die Hickersberger „Hoffnung macht“.

Beim 0:3 gegen Deutschland war Österreich eine Stunde lang die bessere Mannschaft, beim 3:4 gegen die Niederlande verhinderte eine katastrophale Schlussphase die Sensation. „Wenn Griechenland den Titel holen kann, muss man auch an uns glauben“, sagt Kapitän Andreas Ivanschitz deshalb.

Taktisch beweist Trainer Hickersberger Mut

In der Gruppe mit Deutschland, Kroatien und Polen könne man „für eine Überraschung sorgen“, prophezeit Hickersberger. „Hicke“ hat die Mannschaft renoviert und mit einigen Talenten aus der U-20 ergänzt, die 2007 in Kanada Vierter wurde. Ein altgedienter Star wie Mario Haas (Sturm Graz / 33) blieb dagegen zuletzt ebenso zu Hause wie „Rebell“ Paul Scharner (Wigan Athletic), der seine Mitspieler als „zu schwach“ bezeichnet hatte.

Auch taktisch bewies der umstrittene Coach zuletzt Mut. Er rückte vom defensiven 4-5-1-System ab und brachte zwei Spitzen, was ihm seine Elf mit drei Toren gegen die Niederlande dankte. „Auch in Österreich ist es Zeit für einen Wechsel“, sagt Hickersberger. Er will ja nicht ewig über die Vergangenheit reden.

DIE FAZ.NET-PROGNOSE:

Wenn der Begriff des Fußball-Wunders angebracht ist, dann bei der Rolle Österreichs bei dieser Euro-Endrunde. Wären sie nicht als Gastgeber automatisch teilnahmeberechtigt, wäre die Elf von Josef Hickersberger niemals dabei. Nur durch ein eben solches Fußball-Wunder wäre es möglich, dass man ins Viertelfinale einzieht. Die Spieler haben einfach nicht die Qualität, um mit den drei Gruppengegnern über 90 Minuten mitzuhalten. Am Publikum wird es nicht liegen, der Heimvorteil wird dazu beitragen, dass es keine Debakel gibt - mehr nicht.

Der Vorrunden-Spielplan Österreichs:

08. Juni - Gruppe B in Wien: Österreich - Kroatien (18.00 Uhr)
12. Juni - Gruppe B in Wien: Österreich - Polen (20.45 Uhr)
16. Juni - Gruppe B in Wien: Österreich - Deutschland (20.45 Uhr)

Viertelfinale:

19. Juni in Basel: Sieger Gruppe A - Zweiter Gruppe B (20.45 Uhr)
20. Juni in Wien: Sieger Gruppe B - Zweiter Gruppe A (20.45 Uhr)

Halbfinale:

25. Juni in Basel: Sieger Viertelfinale 1 - Sieger Viertelfinale 2 (20.45 Uhr)

Finale:

29. Juni in Wien: Sieger Halbfinale 1 - Sieger Halbfinale 2 (20.45 Uhr)

Alle Spiele, alle Tore - Österreich bei der Euro im FAZ.NET-Liveticker

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