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FAZ.NET-Euro-Spezial: Kroatien Auf einen denkwürdigen Sieg folgt der Härtetest

28.05.2008 ·  Weil sie England die Euro-Teilnahme verbauten, sind die Kroaten in aller Munde. Doch einer starke Qualifikation folgte schon oft die Ernüchterung beim Turnier. Und die kroatische Elf hat noch einen ziemlichen Schock zu verdauen. Teil 6 der FAZ.NET-Euro-Vorschau.

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Der 21. November 2007 war ein denkwürdiger Tag, zumindest für den kroatischen, aber wohl erst recht den englischen Fußball. In Erinnerung geblieben ist das Bild von Steve McLaren - mit einem Schirm über dem Kopf verfolgte er im Wembley-Stadion bei strömendem Regen, wie die von ihm trainierten „Three Lions“ nicht mal ein Unentschieden zustande brachten und die Qualifikation für die Euro 2008 verpassten. England 2, Kroatien 3. Für die Kroaten, wohlgemerkt, ging es an diesem denkwürdigen Abend um nichts mehr: Sie waren längst qualifiziert.

„Wunderbar“, sagte Verbandspräsident Vlatko Markovic deshalb - doch er mahnte zugleich: „Wir müssen schauen, dass es nicht dabei bleibt.“ Denn: Schon für die EM-Endrunde 2004 und die WM-Turniere 2002 und 2006 hatten sich die Kroaten in beeindruckender Manier qualifiziert - schieden dann aber jeweils in der Vorrunde aus. „Wir haben die Erfahrung machen müssen, dass wir immer unter Wert geschlagen wurden“, behauptet Markovic.

„Wir müssen uns für das Viertelfinale qualifizieren“

Tatsächlich sind die Kroaten den Erwartungen, den ihr dritter Rang bei der WM 1998 im Anschluss an das ebenfalls denkwürdige 3:0 im Viertelfinale über Deutschland geweckt hatte, nicht gerecht geworden. Der Druck ist daher groß. „Wir müssen uns auf jeden Fall für das Viertelfinale qualifizieren“, sagt Mladen Petric von Borussia Dortmund.

Als Hoffnungsträger gilt Slaven Bilic, der nach der WM 2006 vom U-21- zum Cheftrainer befördert wurde. Der ehemalige Profi des Karlsruher SC, im Euro-Viertelfinale 1996 gegen Deutschland (1:2) durch einen üblen, aber ungestraften Tritt gegen Christian Ziege unangenehm aufgefallen, brachte frischen Wind in die Mannschaft. Bilic beförderte U-21-Spieler, er lässt offensiver und variabler spielen als Vorgänger Zlatko Kranjcar.

Der Ersatz für Eduardo kommt aus der Bundesliga

Ein schwerer Schlag für die Mannschaft ist allerdings der Ausfall von Angreifer Eduardo. Der gebürtige Brasilianer, der beim FC Arsenal unter Vertrag steht, wurde am 27. Februar im Spiel bei Birmingham City durch einen Tritt seines Gegenspielers Martin Taylor so schwer verletzt (Schien- und Wadenbeindruch), dass seine Karriere wohl noch bis Jahresende unterbrochen sein wird. In der Qualifikation hatte der 25-Jährige zehn Treffer erzielt.

Der Ersatz für Eduardo kommt aus der Bundesliga. Bilic wird wohl auf Ivica Olic (Hamburger SV) und Petric setzen, Chancen darf sich auch Ivan Klasnic (Werder Bremen) ausrechnen. Der Angriff ist jedoch nicht die einzige Problemzone: Die Innenverteidiger Robert Kovac (Borussia Dortmund) und Dario Simic (AC Mailand) gelten als Sicherheitsrisiko - mangels Spielpraxis. Bilic ficht das nicht an: „In der Nationalmannschaft haben sie immer gut gespielt.“

Ganze Hoffnung ruht auf dem jungen Luka Modric

Bilic gibt sich ohnehin sehr selbstwusst. Einen von Präsident Markovic angeregten Runden Tisch mit den Trainern der erfolgreichen kroatischen Basketball-, Handball- und Wasserball-Mannschaft sowie mit Ski-Trainer Ante Kostelic lehnte der studierte Jurist ab: „Ich brauche keinen Mentor.“

Und so setzt er seine ganze Hoffnung auf den jungen Luka Modric, den viele schon als den kommenden Superstar am Fußballhimmel sehen. Der 22 Jahre alte Mittelfeldspieler wird im Sommer zu Tottenham Hotspur in die englische Premier League wechseln. Zuvor will er aber in Österreich und in der Schweiz beweisen, was er kann.

DIE FAZ.NET-PROGNOSE:

Für die Kroaten geht es vor allem gegen die polnische Mannschaft um den zweiten Platz. Gut möglich, dass es am dritten Vorrundenspieltag zum „Finale“ zwischen beiden Teams um den Viertelfinal-Einzug kommt. Sollte es so geschehen, dann hat Kroatien gute Chancen auf die Runde der letzten Acht, sind sie doch individuell besser besetzt als Polen. Viel wird aber auch vom Nervenkostüm abhängen. Spielerisch können sie gegen jede Mannschaft Europas mithalten - aber nur, wenn sie sich nicht provozieren lassen. Das könnte ein Stolperstein sein.

Der Vorrunden-Spielplan Kroatiens:

08. Juni - Gruppe B in Wien: Österreich - Kroatien (18.00 Uhr)
12. Juni - Gruppe B in Klagenfurt: Kroatien - Deutschland (18.00 Uhr)
16. Juni - Gruppe B in Klagenfurt: Polen - Kroatien (20.45 Uhr)

Viertelfinale:

19. Juni in Basel: Sieger Gruppe A - Zweiter Gruppe B (20.45 Uhr)
20. Juni in Wien: Sieger Gruppe B - Zweiter Gruppe A (20.45 Uhr)

Halbfinale:

25. Juni in Basel: Sieger Viertelfinale 1 - Sieger Viertelfinale 2 (20.45 Uhr)

Finale:

29. Juni in Wien: Sieger Halbfinale 1 - Sieger Halbfinale 2 (20.45 Uhr)


Alle Spiele, alle Tore - Kroatien bei der Euro im FAZ.NET-Liveticker

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