30.05.2008 · Noch vor kurzem verzauberte Frankreich mit seiner Spielweise die Fußballfans. Davon ist anno 2008 wenig zu sehen. Vorne muss es alleine Ribery richten. In der Abwehr muss sich die Equipe tricolore jedoch kaum Sorgen machen. Teil 8 der FAZ.NET-Euro-Vorschau.
Frankreichs Fußball-Fans leben vor der Euro zwischen Hoffen und Bangen. Einerseits hoffen sie, dass der Final-Teilnehmer der WM 2006 in Deutschland die Klasse besitzt, nach 1984 im eigenen Land und 2000 in Belgien und den Niederlanden zum dritten Mal Europameister zu werden und damit mit Deutschland gleichzuziehen.
Andererseits geben die letzten Leistungen mehr Anlass zur Sorge als zum Optimismus. In der Schweiz heißen die Gegner der Equipe Tricolore Rumänien, Niederlande und Italien, und damit hat sie die schwerste Gruppe erwischt. In der Qualifikation gab es zwei 0:1-Niederlagen gegen Schottland, wurde trotz eines 3:1 und 0:0 gegen Italien nur der zweite Platz belegt.
Nur die Defensive macht Domenech keine Sorgen
In den Länderspielen vor der Euro wurde in Spanien mit 0:1 verloren, England nur dank eines von Bayern-As Franck Ribery verwandelten Elfmeters mit 1:0 geschlagen. In beiden Spielen im Frühjahr fiel auf, dass die französische Nationalmannschaft vom sprichwörtlichen Champagner-Fußball früherer Jahre weit entfernt ist.
Zwar steht die Defensive ordentlich (nur fünf Gegentore in zwölf Qualifikationsspielen), aber im kreativen Mittelfeld fehlt ein Zinedine Zidane an allen Ecken und Enden. Ribery kann es mit seinen schnellen Antritten und genauen Pässen alleine auch nicht richten, zumal die Stürmer jegliche Durchschlagskraft vermissen lassen.
Viele einstige Stars nicht in Form, aber dabei
Frankreich im Frühjahr 2008: Das ist eine Mannschaft, die das Spiel kontrolliert und auf Konter spielt, aber jeglichen Esprit und Spielwitz vermissen lässt. Hinzu gesellten sich für Trainer Raymond Domenech Mitte April noch große Ungewissheiten über den Fitnessstand seiner Spieler.
Willy Sagnol (Bayern München) war nach seiner monatelangen Verletzung noch nicht wieder in Länderspiel-Form, ist aber nun im Kader dabei. Kapitän Patrick Vieira (Inter Mailand), der noch am ehesten durch seine dynamischen Vorstöße für eine Verbindung defensives Mittelfeld/Offensive sorgen könnte, wird immer wieder von muskulären Problemen geplagt. Thierry Henry spielt in Barcelona die schlechteste Saison seiner Karriere, auch wenn er Michel Platini als bester Torschütze der französischen Nationalmannschaft abgelöst hat.
Gravierende Änderung im Tor der Franzosen
Florent Malouda sitzt in Chelsea nur auf der Ersatzbank, und auch hinter dem Leistungsvermögen von Lilian Thuram (FC Barcelona) in Drucksituationen steht ein Fragezeichen. Bis auf wenige Retuschen vertraut Domenech, der ein 4-4-2 spielen lässt, je nach Spielstand aber auf ein 4-2-3-1 wechseln lässt, vor dem großen Umbruch noch einmal dem Team von 2006.
Eine gravierende Änderung allerdings gab es im Tor. Dort hat „Glatze“ Fabien Barthez seine Karriere beendet. Aber Nachfolger Gregory Coupet (Olympique Lyon), immerhin auch schon 35, steht ihm in nichts nach. Da braucht Domenech sich die geringsten Sorgen zu machen.
DIE FAZ.NET-PROGNOSE:
Frankreich ist ein ganz heißer Anwärter auf den Titelgewinn - auch wenn sie sich erst in der „Todesgruppe“ durchsetzen müssen. Doch das könnte ein Vorteil sein, schließlich sind die Spieler der Equipe tricolore dann gleich auf Betriebstemperatur. Ein weiterer Pluspunkt könnte der Spielplan sein mit der vermeintlich einfachsten Partie gegen Rumänien zum Auftakt. Dort drei Punkte und der Weg ins Viertelfinale steht offen. Dort angekommen ist den Franzosen mit ihren Weltklasse-Kickern alles zuzutrauen - auch der Euro-Titel.
Der Vorrunden-Spielplan Frankreichs:
09. Juni - Gruppe C in Zürich: Rumänien - Frankreich (18.00)
13. Juni - Gruppe C in Bern: Niederlande - Frankreich (20.45)
17. Juni - Gruppe C in Zürich: Frankreich - Italien (20.45)
Viertelfinale:
21. Juni in Basel: Sieger Gruppe C - Zweiter Gruppe D (20.45)
22. Juni in Wien: Sieger Gruppe D - Zweiter Gruppe C (20.45)
Halbfinale:
26. Juni in Wien: Sieger Viertelfinale 3 - Sieger Viertelfinale 4 (20.45)
Finale:
29. Juni in Wien: Sieger Halbfinale 1 - Sieger Halbfinale 2 (20.45)
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