17.06.2008 · Torsten Frings hat sich einen Rippenbruch zugezogen. Sein Einsatz im EM-Viertelfinale gegen Portugal ist fraglich. Ebenfalls angeschlagen ist Lukas Podolski, der über Wadenprobleme klagt. Zurück ins Team kommt Bastian Schweinsteiger.
Leistungsträger Torsten Frings hat sich im Spiel gegen Österreich in Wien einen Rippenbruch zugezogen und steht vor dem EM-Aus. Eine Röntgen-Untersuchung bestätigte am Dienstagabend die Befürchtungen, auch wenn Joachim Löw das Unheil vor dem Viertelfinale am Donnerstag gegen Portugal noch nicht wahrhaben wollte. „Da Torsten für unser Team ein wichtiger Spieler ist, ist es selbstverständlich, dass unsere medizinische Abteilung alle Möglichkeiten ausschöpfen wird, damit er einsatzfähig ist“, sagte der Bundestrainer in einer DFB-Mitteilung und hofft auf ein kleines medizinisches Wunder.
Frings soll rund um die Uhr behandelt werden. Die Entscheidung, ob er mit gebrochener Rippe eingesetzt werden kann, will Löw „erst kurzfristig“ am Spieltag treffen. Der 75-malige Nationalspieler hatte sich die Verletzung bei einem Zweikampf in der zweiten Halbzeit zugezogen. Frings klagte im Laufe des Dienstags über schmerzhafte Beschwerden im Rippenbereich. (Siehe: Deutschland im EM-Viertelfinale: Zwischen Wunsch und Wirklichkeit).
„Die Portugiesen werden Respekt vor uns haben“
Der Bundestrainer ist damit über Nacht in große Personalnöte geraten, da auch noch der Ausfall von Lukas Podolski droht. Der dreifache Turnier-Torschütze hat sich ebenfalls beim 1:0-Sieg gegen die Österreicher eine hartnäckige Wadenblessur zugezogen. „Das Fragezeichen ist groß“, berichtete ein besorgter Löw.
Trotz der deutlichen Mängel beim knappen Erfolg im letzten Vorrundenspiel und den personellen Rückschlägen glauben Löw und sein Personal immer noch an den Halbfinal-Einzug am Donnerstag (20.45 Uhr / FAZ.NET-Euro-Live-Ticker) in Basel. „Die Portugiesen werden auch eine Menge Respekt vor uns haben“, bemerkte Torschütze Michael Ballack. Der Kapitän muss sich wohl auf einen neuen Nebenmann im Zentrum einstellen, der vermutlich Thomas Hitzlsperger heißen wird.
„Gehe davon aus, dass es einen Freispruch geben kann“
Auch der Bundestrainer selbst könnte bei der Neuauflage des kleinen WM-Finales von 2006 (3:1) am Spielfeldrand fehlen. Derzeit ist der 48-Jährige für die Partie im St.-Jakob-Park, der 42.500 Fans Platz bietet, gesperrt. So sieht es Artikel 9, Absatz 1 der UEFA-Regularien für den Fall vor, dass ein Trainer von der Bank verwiesen wird, wie es im EM- Gruppenfinale Löw und dessen Kollegen Josef Hickersberger passiert war. (Siehe: Video: Joachim Löw: „Ich habe den vierten Mann nicht beleidigt“).
Allerdings kann die Uefa-Disziplinarkommission, die am Mittwoch tagt, ein anderes Urteil treffen. „Ich gehe davon aus, dass es einen Freispruch geben kann, weil ich niemanden beleidigt habe“, betonte Löw, der sich im Happel-Stadion vom vierten Schiedsrichter vehement an der Ausübung seiner Arbeit in der Coaching-Zone behindert sah. „Ich möchte mich da frei bewegen, diese Zone ist dafür da.“
Rückkehr Schweinsteigers steht fest
Löw dürfte nach dem Frings-Schock mehr personelle Korrekturen vornehmen müssen, als er wollte. Mario Gomez hat im Sturm mit dem nächsten schwachen Auftritt seine letzte Chance verspielt. Auch Löw musste eingestehen, dass der immer wieder mit dem FC Bayern München in Zusammenhang gebrachte Stuttgarter seine Form aus der Bundesliga beim EM-Turnier nicht bestätigen konnte. Dennoch ließ er „keine Zweifel an den Qualitäten“ des 22-Jährigen zu, auch weil er bei einem Podolski-Ausfall Gomez weiter als Angriffs-Partner des ebenfalls schwächelnden Miroslav Klose brauchen würde.
Festgelegt hat sich Löw auf eine Rückkehr Schweinsteigers ins Mittelfeld. Der Bundestrainer hat nach der Roten Karte des Münchners gegen Kroatien eine „gute Reaktion“ bei Schweinsteiger ausgemacht und setzte ihn unter Druck: „Er hat eine gewisse Bringschuld gegenüber uns allen.“ Die Abwehr wird Löw nicht verändern, auch wenn Christoph Metzelder weiter seine Form sucht.