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Lukas Podolski Kaltschnäuzig und demütig

09.06.2008 ·  Ein quicklebendiger Antritt, ein Schuss mit links - doch jubeln wollte er nicht. Mit ernstem Gesicht drehte Lukas Podolski nach seinem ersten Treffer gegen die Polen ab. Es war eine wohlbedachte Zurückhaltung.

Von Michael Ashelm, Klagenfurt
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Ein quicklebendiger, schneller Antritt, der Schuss mit links - doch jubeln wollte er nicht nach diesem Traumeinstand für die deutsche Elf. Mit ernstem Gesicht drehte Lukas Podolski auf dem Platz ab nach seinem ersten Treffer gegen die Polen. Kein Grund für ihn ausgiebig zu feiern. Vielleicht abergläubisch - weil Podolski in Demut abwarten wollte, wie das Turnier denn für ihn weiterlaufen könnte?

Eher handelte es sich um eine Art wohlbedachter Zurückhaltung, nicht noch mehr gefährliche Emotionen in seiner alten Heimat zu wecken, wo in der vergangenen Woche vor der mit Spannung erwarteten Begegnung die Boulevardpresse eine zum Teil blutrünstige Kampagne angeschoben hatte. Vor 23 Jahren wurde Podolski in Gleiwitz geboren - er stammt wie die Teamkollegen Miroslav Klose und Piotr Trochowski ursprünglich aus Polen und steht dort natürlich immer besonders im Blickpunkt, wenn beide Fußballnationen aufeinander treffen. Vor der Partie in Klagenfurt war es zudem zu einigen Scharmützeln zwischen gewaltbereiten Fangruppen gekommen, die von der Polizei frühzeitig unterbunden worden waren.

Dieser Spieler wollte sich ganz besonders empfehlen

In der sportlichen Auseinandersetzung mit seiner neuen Spezialaufgabe auf dem Platz zeigte sich Podolski in großer Angriffslaune, was Bundestrainer Löw bestätigen musste, ihn auf der linken Mittelfeldseite eingesetzt zu haben. Mit seiner altbekannten Athletik rieb der gelernte Stürmer vor allem in der ersten Halbzeit, als ihm der Treffer zur Führung auf Vorlage von Klose gelungen war, die rechte polnische Abwehrseite auf. Schwer ihn zu bremsen - man merkte, dieser Spieler wollte sich ganz besonders empfehlen für den weiteren Verlauf des Turniers. Podolski ist der große Gewinner in der deutschen Fußballelf zu Beginn dieser EM.

Dass der erst von Klinsmann und jetzt von Löw über die Jahre gewohnheitsmäßig im linken Mittelfeld plazierte Bastian Schweinsteiger zuletzt immer mehr an Wirkungskraft verloren hatte, veranlasste den Bundestrainer zu der interessanten Alternativlösung. Löw hatte die Tage vorher mit eindeutigen Hinweisen angedeutet, Podolski für Schweinsteiger an den Rand stellen zu wollen. Diese Variante sollte die Offensivkraft stärken und den zwei Stürmern Klose sowie Mario Gomez in der vordersten Abteilung neue Entfaltungsmöglichkeiten geben. Zudem war es die Belohnung für Podolskis gute Trainingsleistungen.

Kompagnons als Einzelkämpfer

Mit diesem Wechsel endete erst einmal auch die schöne Story vom Sommermärchen mit „Poldi“ und „Schweini“ in der Hauptrolle - zwei junge, ehrgeizige Helden, die den frisch-fröhlichen Aufschwung Fußball-Deutschlands bei der Weltmeisterschaft im eigenen Lande auf perfekte Weise verkörperten. Die sportliche Entwicklung beider Jungstars hatte seither aber stagniert, nur noch für Deutschland verbreiteten sie ab und an die alte Hoffnung auf den weiteren Weg nach oben. Durch diese Entwicklung wurden die beiden Kompagnons nun mehr und mehr zu Einzelkämpfern in eigener Sache.

In der Vorbereitung auf das Turnier erkannte Podolski seine Chance, sich mit einem erweitertem Repertoire besser als Stammkraft anbieten zu können. „Die linke Seite hat auch Vorteile. Da steht man mit dem Gesicht zum Tor. Wenn ich vorne drin hänge - wir spielen ja klassisch mit zwei richtigen Stürmern -, dann stehe ich mit dem Rücken zum Tor. Darum sage ich immer wieder, dass ich lieber als hängender Stürmer spiele. Links ist eine gute Alternative, meine letzten Spiele dort waren ja auch in Ordnung. Ich habe mich angeboten.“ Dieser Satz aus der vergangenen Woche wirkt jetzt im Nachhinein wie eine großartige Vorhersage. Als Klose in der 72. Minute einen Ball im polnischen Strafraum verstolperte, nutzte wiederum Podolski die Chance mit einem satten Schuss in den Torwinkel zum 2:0.

Zu einem kleinen Happy-End in der veränderten Beziehung von „Poldi“ und „Schweini“ kam es gestern auch noch. Löw wechselte in der 55. Minute den derzeit leidenden Münchner Vereinskameraden von Podolski für den Bremer Clemens Fritz auf der rechten Abwehrseite ein. Und Schweinsteiger war es, der den Ball vor dem 2:0 erkämpfte.

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Jahrgang 1965, Sportredakteur.

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