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FAZ.NET-Übersteiger Hans Albers und ein gutes Omen

25.06.2008 ·  Die Türkei als formidabler Gegner in einem großen Fußballturnier - das gab es lange nicht mehr. So lange, dass man Rudi Michel befragen muss, wie es denn war, damals in Zürich, 1954. Der FAZ.NET-Übersteiger erfreut sich an der Historie - denn es war heiß, stickig und erfolgreich.

Von Dirk Schümer
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Wieder einmal bibbert halb Europa, wieder stehen die Türken vor Wien. Nur dass sie diesmal für ihren Eroberungszug nicht über den Balkan marschieren und Griechen, Serben, Kroaten und Ungarn mühelos aus dem Turnier werfen, sondern einen listigen Umweg über die Schweiz nehmen.

Martialische Erinnerungen an die Türkenschlacht von Lepanto (1571) oder die halbmondförmige Belagerung von Wien (1683) sind durchaus angebracht - nicht um die wackeren Türken heute noch als osmanische Kampfmaschinen zu verteufeln, sondern um den wundersamen Zivilisationsprozess mittels Fußball klarzumachen. Früher gab es bei solchen Länderkämpfen ein paar hunderttausend Tote und geplünderte Landschaften. Heute drohen lädierte Menisken und eine Störung der Nachtruhe.

Noch im Sitzen mit dem Kopf unters Dach

Die Türken nicht mehr als mitteleuropäische Kriegsgegner und kollektiver Kinderschreck, sondern als Fußballgegner in einem großen Turnier - eine solche Begegnung liegt vierundfünfzig Jahre zurück und fand wundersamerweise auch in der Schweiz statt, im Hardturmstadion von Zürich, Heimat der Grasshoppers und ein Austragungsort der Titelkämpfe 1954. Sepp Herbergers legendäre Mannschaft traf im Entscheidungsspiel der Vorrunde auf die Türkei, Fritz Walter war Kapitän. Der Endstand lautete damals 7:2 für Deutschland.

Das Stadion am Hardturm wurde 2007 baufällig und stillgelegt, Herberger und Walter sind schon lange nicht mehr unter uns. Aber ich habe gestern lange mit dem Mann telefoniert, der das Spiel damals live für die ARD im Radio übertragen hat. Der große Rudi Michel, so erinnerte er sich amüsiert, hockte damals in einem kleinen Kämmerlein hinter der Vortribüne: „Noch im Sitzen stieß ich mit dem Kopf unters Dach.“

Die Technik der Türken beeindruckte Herberger

Es war furchtbar heiß und stickig, es gab weder Bildschirme noch Zeitlupe, aber Millionen begeisterter Radiohörer in Deutschland. Schräg vor Rudi Michel saß ein Mann mit großem Hut: Hans Albers, einer der ersten prominenten Fans der Nationalmannschaft. Ein kleiner Unterschied: „Türken waren damals außer ein paar Mann von der Botschaft keine im Stadion.“

Der Reporter hatte, weil die beiden Abwehrreihen nicht gut in Form waren, jede Menge erfolgreicher Torszenen zu übertragen. Trotz eines 4:1-Siegs im ersten Spiel in Bern hatte Sepp Herberger vor dem technisch ausgereiften Spiel der Türken einen Heidenrespekt.

Rudi Michel wird in Basel wieder zusehen

Rudi Michel hat mir aus den unveröffentlichten Erinnerungen Herbergers vorgelesen; der Trainer war erbost über Toni Tureks Sperenzchen im Tor und wollte ihn nach dem Türkei-Spiel eigentlich gegen Heinz Kubsch vom FK Pirmasens austauschen. Doch Kubsch verletzte sich bei einer Bootsfahrt auf dem Thuner See an der Schulter, als er seinen Kollegen Heini Kwiatkowski aus dem Wasser zog. So blieb Turek Stammtorwart und wurde später Weltmeister.

Nur bei der skeptischen F.A.Z. wollte damals die Sportredaktion dem Triumph über die Türken nicht recht trauen, der Spielbericht rüffelt das „ungenaue Zuspiel“ der Mittelläufer und die, von Jupp Posipal abgesehen, schwache deutsche Defensive. Das leicht missmutige Resümee: „Dieser Sieg war wieder allein dem Angriff zu verdanken.“ Rudi Michel, der den letzten großen Sieg gegen die Türkei kommentierte, wird vierundfünfzig Jahre danach heute übrigens in Basel im Stadion sitzen und Joachim Löws Truppe die Daumen drücken. Das ist für mich das beste Omen, das wir uns für einen Erfolg wünschen können. Es muss ja nicht gleich wieder 7:2 ausgehen.

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Jahrgang 1962, Feuilletonkorrespondent mit Sitz in Wien.

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