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FAZ.NET-Übersteiger Deutschland stürmt die Ball Street

21.06.2008 ·  Sie glauben Ihrem Fonds-Manager nicht mehr? Die Kreditkrise hat Ihr Vertrauen gefressen? Die Spekulanten treiben Ihnen die Tränen in den Tank? Aufhören, sofort - vergeben und vergessen Sie. Denn die Experten wissen, was sie tun: Der FAZ.NET-Übersteiger hat die krisensichere EM-Prognose.

Von Marc Heinrich, Ascona
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Deutschland wird Fußball-Europameister - davon ist die Mannschaft überzeugt, der Trainer sowieso und daran glauben Millionen Fans in der Heimat. Was kann da noch schief gehen? Eigentlich nichts. „Unser Glaube ist unsere Stärke“, sagte doch auch Philipp Lahm nach dem Sieg gegen die Portugiesen - und was dem kleinen Münchner Wirbelwind mit dem treuen Blick über die Lippen kommt, glaubt man sowieso fast ungeprüft.

Auch für Mathematiker und Börsianer ist das EM-Turnier längst entschieden. Und die eigene Zuversicht mit ein paar verlässlichen Zahlen, Daten und Fakten zu untermauern - das muss in der allgemeinen schwarz-rot-goldenen Beigeisterung, die das Land soeben mal wieder erfasst hat, ja nicht das Schlechteste sein. Eine statistische Analyse von Frankfurter Börsenexperten, die sich mit wichtigen Prognosen von Berufswegen ja gut auskennen (sollten), dürfte dem Deutschen Fußball-Bund in diesen wegweisenden Tagen besonders gut gefallen.

Banker wecken Sehnsüchte, Zahlen werden rosarot - es ist EM

Die Fondsmanager, die normalerweise das Auf und Ab der Indizes an der größten deutschen Börse im Blick haben und sich nun vor lauter Begeisterung für die Kicker auf fachfremdes Terrain wagten, entwickelten ein (angeblich) unparteiisches Vorhersage-Modell, das für die deutschen Kicker die nahe Zukunft in rosaroten Tönen zeichnet.

Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die deutsche Mannschaft ins EM-Finale einzieht, bei genau 28 Prozent - und damit höher als bei den übrigen fünf allen noch im Turnier verbliebenen Mannschaften. Das ist doch was. Die Zahlen wecken Sehnsüchte - und so schenken wir ausnahmsweise der Warnung von Karl-Heinz Rummenigge, der sonst ja immer Recht hat, kein Gehör.

Ergebnisoffene Prognosemodelle kennen nur einen Sieger

Hatte er nicht vor geraumer Zeit in Richtung des Mathe- und Fußball-Lehrers Ottmar Hitzfeld gemosert, dass „Fußball eben keine Mathematik“ sei? Bei den Bayern mag seine Weisheit gelten, bei der EM aus gegebenem Anlass nicht. Ihr „ergebnisoffene Prognosemodell“ haben die Wertpapierprofis auf den Namen hübschen Namen Gunner. Das steht für „Gewinne Und Niederlagen Nummerisch ERrechnet“, ist aber auch eine schöne Anspielung auf eine der besten europäische Vereinsmannschaft: die Fans nennen den FC Arsenal, der auf der Insel einen ganz gepflegten Ball spielt, „the Gunners“ - die Kanoniere. Auf dass sie den Gegner wegschießen.

Wie der gemeine deutsche Fußballfreund seine (geringen) Bedenken vor der türkischen Auswahl, die auf dem Weg zum Gipfelsturm im Halbfinale wartet. Auf Basis eines in der Schachwelt genutzten Verfahrens wurden bei der Untersuchung für jede Mannschaft diverse Punkte berechnet. Berücksichtigt wurde bei 100.000 Simulationsläufen aber auch noch die Auslosung der Gruppen, von der die Löw-Elf ja ganz klar profitierte.

Sie können nicht anders: Schon wird wieder mit Hoffnungen spekuliert

„Das Endergebnis hat uns zunächst selbst überrascht: Deutschland wird Europameister“, sagen die Statistiker. Allerdings: Der Abstand zwischen Deutschland und Italien ist dem System zufolge marginal, die Erfolgschance der Italiener komme auf knapp 14 Prozent. Tatsächlich liege der Unterschied im „Unschärfebereich“, geben die Fondsexperten zu. Platz drei erreicht laut der Analyse Spanien. Hausse für die deutsche Fußball-Aktien Auch beim virtuellen Online-Börsenspiel der Dresdner Bank „Ball Street“ stehen die Aktien der Deutschen im Augenblick am höchsten: auf 123 Euro beläuft sich der Kurs, das Papier der Niederlande liegt mit 113 Euro auf Platz zwei vor Italien, dessen Kurs ist vor dem Viertelfinale am Sonntag wegen diverser Verletzungssorgen auf 105 Euro abgerutscht ist.

Wem das noch immer nicht genügt und wer partout nicht den Bankern glauben möchte, weil er möglicherweise noch die jüngste Kreditkrise in Amerika im Hinterkopf hat, bei der sich so manche Finanzgurus gehörig verzockt haben, der kann seinen Optimismus auch mit einer Studie einer Online-Marketing-Agentur befeuern. Diese hat ausgewertet, welche der noch im Rennen liegenden Teams bei Google besonders häufig als Sieger geführt wird, beispielsweise durch Eingabe von „em 2008 sieger“ oder „europameister 2008“: Deutschland liegt dabei mit weitem Abstand in Führung.

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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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