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Bernd Hölzenbein über die „Schmach von ...“ „Sonst hätten wir in Cordoba niemals verloren“

14.06.2008 ·  Bernd Hölzenbein war einer der Spieler, die bei der WM 1978 in Argentinien in Cordoba gegen Österreich verloren und damit für eine der großen Legenden der Fußballgeschichte gesorgt haben.

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Bernd Hölzenbein war einer der Spieler, die bei der WM 1978 in Argentinien in Cordoba gegen Österreich verloren und damit für eine der großen Legenden der Fußballgeschichte gesorgt haben.

Herr Hölzenbein, in den österreichischen Medien wird vor dem Spiel gegen die Deutschen am Montag eine Neuauflage von Cordoba herbeigeschrieben. Können Sie das nachvollziehen?

Nein, denn die beiden Spiele kann man überhaupt nicht miteinander vergleichen. 1978 bei der WM ging es für die Österreicher ja um gar nichts mehr. Damals gab es nach der Gruppenphase statt der K.-o.-Runde, wie man sie heute kennt, eine weitere Gruppenphase für die besten acht Mannschaften. Es gab also zwei Gruppen mit jeweils vier Mannschaften, und die beiden Tabellenführer spielten den Weltmeister aus, die jeweils Zweitplazierten den WM-Dritten. Die Österreicher standen vor dem Spiel in Cordoba als Tabellenletzter fest. Und wir hatten nach zwei unglücklichen Unentschieden gegen Italien und Holland keine Chance mehr, als Titelverteidiger ins Endspiel zu kommen. Sonst hätten wir auch das Spiel in Cordoba niemals verloren.

Hätte sich die Mannschaft mehr angestrengt, wenn die Spieler gewusst hätten, welche Aufregung diese Niederlage gegen Österreich auslösen würde?

Ich habe mir da ohnehin nichts vorzuwerfen, ich habe gut gespielt, obwohl ich nicht mehr so frisch war wie noch beim Titelgewinn 1974. Ich bin ja dann auch nach der WM 1978 zurückgetreten. Jupp Derwall, der Nachfolger von Helmut Schön, für den das Turnier in Argentinien ebenfalls das letzte war, hätte mich aber ohnehin nicht mehr in die Nationalmannschaft berufen. Mich persönlich stört die Aufregung um Cordoba jedenfalls nicht, ich habe kein Trauma. Ich finde es sogar lustig, dass heute noch jeder davon spricht. In Österreich erzählen sie heute noch davon, wie der Hans Krankl, der Herbert Prohaska, der Josef Hickersberger und wie sie alle heißen, den langen Rüssmann ausgespielt haben. Aber das ist halt so im Fußball, wenn uns ein kleines Land wie Österreich schlägt. Uns hat damals einfach der Biss gefehlt, um diese Niederlage zu verhindern. Auch weil wir bei einem Sieg noch länger in Argentinien bleiben hätten müssen.

Stimmen die Gerüchte, die Spieler seien damals sogar froh gewesen, aus dem Mannschaftsquartier im bedrückenden Ascochinga abreisen zu dürfen?

Ja, aber dieses Lager, in dem wir eingesperrt waren, war nicht der einzige Grund für die Unzufriedenheit. Die ganze WM war misslungen. Es saßen topfitte Spieler auf der Tribüne, während kranke und verletzte Spieler auf dem Platz standen. Da hieß es dann, der eine muss spielen, weil er gerade ein Buch schreibt, der andere, weil er für die „Bild“ schreibt.

Dennoch hätten Sie es fast ins Finale geschafft, gegen die Niederlande führten Sie 2:1. . .

. . . und dann flog dieser Schuss aus 40 Metern am Sepp Maier vorbei. Kein Mensch weiß, wieso der damals nicht reagiert hat.

Dann folgte das Spiel in Cordoba.

Wir haben gegen Österreich schnell durch unser Küken, den damals noch jungen Karl-Heinz Rummenigge, 1:0 geführt. Bei uns war dann aber spätestens nach dem Eigentor von Berti Vogts, dem 1:1, die Luft raus. Und die Österreicher haben ja auch gut gespielt.

Hans Krankl traf zum 1:2, sie schossen noch den Ausgleich, bevor abermals Krankl das 2:3 erzielte.

Wie der den Rolf Rüssmann verladen hat, das war schon vom Allerfeinsten. Selbst die besten Freunde vom Rüssmann, der Klaus Fischer und der Rüdiger Abramczik, flachsen da heute noch drüber, wenn sie ihn treffen: „Rolli, erzähl doch mal, wie das damals so war mit dem Krankl.“

Nach der Niederlage musste die deutsche zusammen mit der österreichischen Mannschaft zurückfliegen. Wie war die Stimmung in der Maschine?

Das kann ich nicht sagen, da ich den Flug komplett abgeschottet verbracht habe. Ich habe mich nur mit Bruno Pezzey unterhalten habe, mit dem ich nach dem Spiel schon das Trikot getauscht hatte und der nach der WM zu meinem Verein Eintracht Frankfurt wechselte. Mit dem hatte ich ein super Verhältnis, der war ein wunderbarer Typ. Aber Helmut Schön und die damaligen Funktionäre waren beleidigt und wollten im Flugzeug nicht mit mir reden, weil mir zuvor in der Kabine der Kragen geplatzt war.

Weil die Mannschaft so schlecht gespielt hatte?

Ja, vor allem aber, weil es nach so einer Blamage offenbar nichts Wichtigeres zu besprechen gab als die Kleiderordnung. Nach dem Spiel wurde erst mal festgelegt, mit welchem Hemd, mit welchen Strümpfen und mit welchem Schlips wir die Heimreise antreten. Da hab ich dann losgeledert, was mir hinterher leid getan hat.

Weil Sie eigentlich ein gutes Verhältnis zu Helmut Schön hatten?

Der hat immer zu mir gehalten. Aber nach Cordoba hat es zwei Jahre gedauert, bis wir uns wieder versöhnt haben.

Werden Sie oft von Österreichern auf Cordoba angesprochen?

Ja, ich wundere mich immer wieder, wie viele sich noch daran erinnern können. Aber falls die Österreicher am Montag gegen die Deutschen gewännen, wäre Cordoba als Thema wohl für alle Zeiten gestrichen. Aber das halte ich für äußerst unwahrscheinlich.

Die Fragen stellte Martin Wittmann.

Quelle: F.A.Z.
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