16.06.2008 · Für Ivan Klasnic wurde das für die Kroaten sportlich zweitrangige Spiel zum Karrierehöhepunkt: Der Stürmer ist der erste Spieler, der ein EM-Tor mit transplantierter Niere erzielte. Zudem zerstörte er die letzten Hoffnungen der Polen.
Von Elisabeth Schlammerl, KlagenfurtAm Ende packte die Polen noch einmal der Ehrgeiz, wenigstens nicht noch als schlechteste Mannschaft der Vorrundengruppe B die Europameisterschaft verlassen zu müssen. Aber Kroatien, das sich schon vor der Partie am Montagabend im Klagenfurter Wörtherseestadion den Gruppensieg gesichert hatte, gab sich auch im dritten Vorrundenspiel keine Blöße, trotz zahlreicher Umstellungen, und gewann vor 30.000 Zuschauern durch ein Tor des Noch-Bremers Ivan Klasnic 1:0.
Die polnischen Fans hatten offenbar schon vor der Partie ihrer Mannschaft nicht mehr viel Vertrauen geschenkt. Denn nicht nur Karten für das letzte Gruppenspiel hatten sie vor dem Stadion verkauft, sondern auch für die Viertelfinalpartien der beiden besten Mannschaften aus der Gruppe B in Wien und Basel.
Klasnic spielt von Beginn an - und trifft zum Sieg
Dass Slaven Bilic die meisten seiner Stammkräfte für das Viertelfinale am Freitag in Wien gegen die Türkei schont, war zu erwarten gewesen. Auf insgesamt neun Positionen veränderte er die kroatische Mannschaft im Vergleich zum Duell mit den Deutschen; sogar der Nummer ein, Stipe Pletikosa, gönnte er eine Pause. So kam erstmals in diesem Turnier der Bremer Ivan Klasnic zum Einsatz, der den Hamburger Ivica Olic ersetzte.
Überraschend war hingegen die Aufstellung der Polen, denn auch Leo Beenhakker nahm einige Umbesetzungen vor, ließ die gegen Österreich teilweise überforderten Verteidiger Mariusz Jop und Pawel Golanski ebenso auf der Bank wie Stürmer Euzebiusz Smolarek - wohl eine Konsequenz aus der anhaltenden Torflaute des ehemaligen Bundesliga-Profis, der seit elf Spielen nicht getroffen hat.
Kroatien ging es eher gemächlich
Die Polen traten im Wörtherseestadion allerdings nicht so auf, als ob sie sich noch ernsthafte Chancen auf den Einzug ins Viertelfinale ausrechnen würden. Sie spielten verhalten, ohne ernsthaft Druck auszuüben auf den Gegner. Zwar sorgten sie nach neun Minuten für die erste Strafraumszene, allerdings anders als es die immer ruhiger werdenden Fans gerne gesehen hätten. Der Wolfsburger Jacek Krzynowek stieß mit Jerko Leko zusammen, es dauerte ein bisschen, ehe sich beide wieder aufrappelten. Zwei Minute später landete ein Kopfball von Dariusz Dudka neben dem Tor, das war's mit den polnischen Angriffen in der ersten Halbzeit.
Kroatien wirkte nicht gerade wild entschlossen, auch das dritte Gruppenspiel als Sieger zu beenden. Der Gruppensieger ging es eher gemächlich an, aber die sehr nachlässig verteidigenden Polen ermöglichten der Mannschaft bald ein paar gute Möglichkeiten.
Rakitic als Dreh- und Angelpunkt bei den Kroaten
Vor allem Ivan Rakitic, neben Danjiel Pranjic der einzige aus der Stammelf, überzeugte nach einer Viertelstunde als kreativer Kopf der kroatischen Offensive. Fast alles lief über den Schalker - und einmal hätte er auch selbst die längst verdiente Führung erzielen können, aber er scheiterte am besten Polen, Torhüter Artur Boruc (35.). Noch besser waren die beiden Chancen von Klasnic (32. und 45.), der jeweils alleine vor dem polnischen Tor den Ball nicht über die Linie brachte. Und auch der dritte Bundesliga-Legionär der Kroaten, der in Klagenfurt auf dem Platz stand, hätte sich in die Torschützenliste eintragen können, aber Dortmunds Mladen Petric rutschte am Ball vorbei (30.).
Kurz nachdem in Wien das 1:0 für die Deutschen gefallen war (Siehe: Deutschland im EM-Viertelfinale: Zwischen Wunsch und Wirklichkeit), gingen auch die Kroaten in Führung und zerstörten damit die letzten vagen Hoffnungen der Polen. Pranjic flankte von der linken Seite in die Mitte zu Klasnic, der machte es besser als in der ersten Hälfte und schob den Ball aus kurzer Distanz ins Tor (52.). Der Bremer Bundesligaprofi schrieb damit ein Stück Fußballgeschichte, war er doch der erste Spieler, der ein EM-Tor mit transplantierter Niere erzielte.
Beenhakker brachte dann doch noch Smolarek als zusätzlichen Stürmer, aber er stand im Schatten des gebürtigen Brasilianers Roger Guerreiro, der einzige, der die kroatische Abwehr wenigstens ab und zu in Verlegenheit brachte. Am Ende bäumten sich die Polen noch auf gegen die Niederlage, aber der Einsatz kam zu spät - und sie schieden sieglos aus dem Turnier aus.