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Das Album zum Turnier Das Panini-Prinzip

03.06.2008 ·  Sammeltrieb und Fußball gehören untrennbar zusammen und werden von den Panini-Bildern zu jedem Großturnier wieder bedient. Der künstliche Geruch des Klebers, all die fremden Länder: Die Eindrücke des Albums sind für manchen Sammler stärker als die von den Spielen des Turniers.

Von Christian Kamp
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Schon wieder keine Schweden. Nur eine Woche noch bis zum Eröffnungsspiel, und die Doppelseite 48/49 ist immer noch blank. Kein Gesicht, das die leeren Rahmen mit Leben füllt. Nur die Namen der Spieler und die Nummern, 390 bis 409. Die Tschechen schon fast voll, Niko Kovac schon viermal. Aber kein Ljungberg, und auch kein Rosenberg. Sammlerpech? Oder sind es diesmal die Schweden, die einem die Freude am Panini-Album verderben? Wie die Engländer Adams, Ferdinand und Fowler, denen man heute noch gram ist, weil es von ihnen bei der WM 1998 lange keine Bilder gab. Oder die Iren, die vier Jahre später unschöne Lücken ins Album rissen.

Mit den Sammelbildern ist es wie mit dem Fußball: Seit das eine wie das andere ein großes Geschäft geworden ist, ist es für die Profis keine Frage der Ehre mehr, ihr Gesicht auf zigtausend Klebebildern zu sehen. Es ist eine Frage des Geldes und der Lizenzen. Irgendwann in den 90er Jahren fing es an mit Bildern, die nicht (oder erst spät) produziert wurden.

Die Sammler-Handgriffe sitzen noch

Was macht das Sammeln noch für einen Sinn, wenn das Album nicht voll wird? Panini fand Lösungen: Um die Rechte des englischen Verbands nicht zu verletzen, wurden die Gesichter der Spieler auf einen neutralweißen Rumpf montiert, der nicht als Nationaltrikot zu erkennen war. Die Spanier waren einmal gar in ihren Klubtrikots abgebildet.

Wieder zum Kiosk, für drei Euro gibt es in diesem Jahr nur noch fünf der rotweißen Päckchen, fünf Bilder sind jeweils darin. Das Geschäft läuft ordentlich, aber bei weitem nicht so gut wie bei der WM vor zwei Jahren, sagt der Verkäufer im Frankfurter Nordend. Die Handgriffe jedenfalls sitzen noch, eingeschliffen über mehr als zwei Jahrzehnte: Mit Schwung einen Zentimeterstreifen vom Packungsrand abreißen (komisch, nie nehmen die Bilder Schaden), der vertraute Ruck beim Herausziehen (sie haften noch leicht an der Verpackung), der erste Eindruck ist gut: Die meisten Gesichter sind noch fremd. Aber wieder kein Schwede.

Die Panini-Welt ist egalitär, jeder Spieler immer gleich viel wert

Das Prinzip Panini, man weiß es längst, funktioniert mit zehn Jahren genauso wie jenseits der Dreißig. Gleich ein Dutzend Päckchen verlangt der Junge - und er ist höchstens zehn - vom Verkäufer. Wie viel von seinem Taschengeld mag das gewesen sein? Sammeltrieb und Fußball, es ist eine unschlagbare Zusammenführung zweier Neigungen, die schon im Kindesalter ausgeprägt sind.

Eine Reihe von Schulen hat die Bilder auf ihren Pausenhöfen verboten, weil ihnen die Tauscherei zu viel wurde. Dabei geht es nicht einmal besonders kapitalistisch zu: Drei Ballacks für einen Friedrich - das ist nur Legende. In der egalitären Panini-Welt war jeder Spieler noch immer gleich viel wert.

All die fremden Länder - und Aleinikov

Jenseits der Dreißig: Mit kindlicher Freude klebte der nordrhein-westfälische Bauminister Wittke, Jahrgang 1966, vor zwei Jahren seine Bilder ein - im Landtag. Die Opposition war empört, doch die Anfrage an Ministerpräsident Rüttgers versandete im kollektiven WM-Taumel. Fußball und Sammeln, das Prinzip bleibt. Es wächst sogar noch mit den Jahren, weil es aufgeladen wird mit persönlichen Erinnerungen und dem kollektiven Anekdotenschatz der Fußballgeschichte.

Die Eindrücke vom ersten Panini-Album sind oft stärker als die von den Spielen des jeweiligen Turniers. Die Bilder auf dem Marmortisch im großelterlichen Wohnzimmer, der aufdringlich-künstliche Geruch des Klebers, all die fremden Länder: Magyarorszag, Ceskoslovensko, SSSR. Noch heute heißt einer, der auf dem Sportplatz zu viel dribbelt: Aleinikov. Das Sammelbild von 1986 hat längst Kultstatus.

Klasnic und Petric teilen einen Rumpf

Und diesmal? Sieht es ordentlich aus. Gut, Timo Hildebrand schmollt in Valencia. Aber kein Vorwurf: Der Bundestrainer kann sich ja nicht nach dem Album richten, auch Schneider und Hilbert sind bei Löw nicht dabei. Den Niederländern wiederum sind offenbar die Spieler ausgegangen - oder warum haben sie sonst als einziges Team ein Doppelbild mit jubelnden Fans, um die Seite zu füllen?

Und natürlich gibt es den Panini-Klassiker, die Montage. Eine Handvoll Länder verfügt wieder nur über ein begrenztes Set an Rümpfen für ihre Spieler - zum Beispiel die Kroaten: Hier teilen Klasnic und Petric ein Modell, ebenso Simic und Niko Kovac (dem man immerhin noch etwas Nackenmatte über den Kragen gelegt hat).

Am Ende überwiegt der Ärger - wer braucht Action-Bilder?

Insgesamt aber haben sich die Gestalter diesmal mehr ins Zeug gelegt als bei den letzten Turnieren. Layout und Grafik sind modern, aber nicht zu verspielt. Es gibt wieder eine Ehrentafel der früheren Sieger. Auch die Rückkehr zu Doppelbildern bei Stadien und Städten begrüßt der Sammler - man erkennt nämlich wieder etwas. Und erst die Mannschaftsfotos: Opulente Vierer-Bilder hat es seit mindestens fünfzehn Jahren nicht mehr gegeben. Selbst eine Frisur aus einer vergangenen Fußballepoche hat es in dieses Jahrtausend geschafft: Der Spanier Puyol mit seinem Lockenmopp hätte jede südamerikanische Mannschaft der 80er geschmückt.

Und doch: Am Ende überwiegt der Ärger. Mit 60 "Action"-Bildern ist das Album ohne jede Not auf insgesamt 535 aufgebläht - als wäre der Spaß noch nicht teuer genug. 107 Päckchen, rund 64 Euro also, beträgt die Mindestinvestition, realistisch ist eher das Doppelte oder Dreifache - wenn man genügend Tauschpartner hat. Am Donnerstag kam ein Kollege vorbei. Ein Bild fehlt ihm noch: Nummer 534, das Siegerfoto der französischen Mannschaft von 2000. Und die Schweden? Hat er schon lange voll. Vielleicht ja in der nächsten Packung.

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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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