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Andreas Möller, Elfmeterheld „Ich würde nicht drauf wetten“

24.06.2008 ·  Den bislang letzten deutschen Elfmeter bei einer EM verwandelte Andreas Möller: im Halbfinale 1996 gegen England. Berühmt wurde nicht nur sein Tor, sondern auch die Pose danach: „Ich fand das einen Ausdruck von Stärke“ sagt er im Gespräch mit FAZ.NET.

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Den bislang letzten deutschen Elfmeter bei einer EM verwandelte Andreas Möller: im Halbfinale 1996 gegen England.

Wir möchten mit Ihnen über die Kunst des Elfmeterschießens sprechen.

Um Himmels willen.

Wie meinen Sie das?

Ich bin ja gar kein typischer Elfmeterschütze. Hätte ich in meiner Karriere auch noch Elfmeter geschossen, hätte ich mit meinen Toren sicher einige Rekorde gebrochen. Bei den zwanzig, die ich in der Bundesliga geschossen habe, lag meine Quote vielleicht bei achtzig Prozent.

Und dann sollten ausgerechnet Sie den letzten Elfmeter im Halbfinale gegen England schießen?

Der Berti Vogts ist rum gegangen und hat in einige Gesichter geschaut, andere haben ab gewunken. Ich habe ein gutes Spiel gemacht, war Kapitän der Mannschaft, da war es für mich eine klare Sache, dass ich auch den Elfmeter schieße.

Und dann waren Sie so sicher, dass Sie sich diese, sagen wir: etwas provokative, Jubelpose schon vorher überlegt hatten?

Das war intuitiv, das überlegt man sich vorher nicht. Ich fand das einen Ausdruck von Stärke. In deren Wembleystadion haben wir, die deutsche Nationalmannschaft, die Heimmannschaft aus dem Turnier geschossen: Seht her, so haben wir das gemacht!

Wann haben Sie entschieden, wohin Sie schießen?

In dem Moment, als das Elfmeterschießen losging.

Und dann noch einmal darüber nachgedacht? Vielleicht Seaman, den englischen Torwart, beobachtet?

Nein, gar nicht, um Gottes willen. Das ist das Schlimmste, was man machen kann.

Ist das ein Gesetz für alle Schützen?

Es gibt natürlich Spieler, die gucken den Torhüter aus oder machen einen besonderen Trick oder lassen das vom Gefühl her bis auf die letzte Millisekunde auf sich zukommen. Das kann man nicht richtig greifen, das macht der Fußballinstinkt im Gehirn eines Fußballers automatisch.

Es gibt ja alle möglichen wissenschaftlichen Erkenntnisse über Elfmeter. Haben Sie sich als Spieler damit beschäftigt?

Ich jetzt weniger, aber ich kann mir schon vorstellen, dass man auf Statistiken schaut. Gerade die Torhüter sind prädestiniert dafür. Ich würde das als Torhüter auch machen, ich würde mir sogar eine kleine Datenbank zulegen.

Was lernt man in der Trainerausbildung über Elfmeter?

Dass man in der Mannschaft ausloten muss. Es gibt Spieler, die mögen solche Situationen, die gehen hin, nehmen den Ball und schießen den Elfmeter. Es gibt Spieler, die wenden sich ab und sagen, damit will ich nichts zu tun haben. Es gibt selbst Weltklassespieler, die die Finger davon lassen. Platini, Hoeneß, Zico, Maradona, Matthäus - sie alle haben schon Elfmeter verschossen.

Ein gutes Stichwort: Lothar Matthäus hat ja im WM-Finale 1990 Andreas Brehme den Vortritt gelassen - angeblich, weil sein Schuh vorher kaputtgegangen war.

Schmunzel, schmunzel.

Stimmt es oder stimmt es nicht?

Ich saß ja auf der Bank und habe mich auch gewundert, warum er nicht schießt. Er hat in dem Moment gesagt: Ich fühl' mich nicht sicher. Und das ist ja auch ein Zeichen von Stärke.

Die Deutschen gelten ja als Elfmeterprofis. Können Elfmeter wirklich so etwas wie die Stärke einer Fußballnation sein?

Es ist nicht zu greifen. Der deutsche Spieler ist natürlich stabil, er hat innere Stärke. Aber was ist, wenn wir jetzt gegen die Türken im Elfmeterschießen ausscheiden? Fußball bleibt ein unberechenbares Spiel.

Sind dann am Ende alle Erklärungsversuche Unsinn?

Ich sag mal so: Man kann Tendenzen abgeben, aber mein Vermögen würde ich nicht drauf wetten.

Wie ist der perfekt geschossene Elfmeter?

Rein.

Die Fragen stellte Christian Kamp

Quelle: F.A.Z.
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