21.06.2008 · Bis zur 119. Minute war es langweiliges Spiel. Dann köpfte Klasnic Kroatien scheinbar ins Halbfinale. Doch zum dritten Mal in diesem Turnier feierten die Türken ein Comeback in der Nachspielzeit und gewannen schließlich 3:1 im Elfmeterschießen.
Von Roland Zorn, WienDer Bremer Stürmer Ivan Klasnic schien Kroatien am Freitagabend in Wien zu einem nie erlebten Hochgefühl bei einer Fußball-Europameisterschaft verholfen zu haben. In der 119. Minute des Viertelfinalspiels gegen die Türkei in Wien schoss der in Hamburg aufgewachsene und spät eingewechselte Angreifer den Treffer zum 1:0-für die über die gesamte Spielzeit etwas bessere Mannschaft. Doch der Knalleffekt der Türkei in diesem zweiten Viertelfinalduell kam wenig später. Semih glich noch aus zum 1:1 (120.), und so folgte zum hochdramatischen Schluss dieser Begegnung ein Elfmeterschießen.
Erst danach stand fest, gegen wen die deutsche Mannschaft am kommenden Mittwoch ihr Halbfinalduell in Basel bestreiten wird: Es sind die Comeback-Spezialisten der Türkei, die erstmals die Runde der letzten Vier bei einer EM erreichte. Mit 3:1 siegte die nervenstärkere Mannschaft gegen eine beim Strafstoßschießen dreimal patzende kroatische Elf. So wie der glückliche Gewinner im Wiener Ernst-Happel-Stadion am Freitag jedoch auftrat, scheinen die Aussichten für die Elf von Bundestrainer Joachim Löw gut zu stehen.
Die Mannschaft mit den erstaunlichen Comebacks
„Wir werden wieder kämpfen wie die Löwen“, hatte der „Imperator“ vorher versprochen. Fatih Terim, der autokratische Trainer der Türken, hatte noch einmal an den Patriotismus seiner Spieler appelliert, denen zuvor gegen die Schweiz und Tschechien zwei erstaunliche Comebacks nach 0:1- und 0: 2-Rückständen gelungen waren. Dabei standen Terim eine ganze Reihe verletzter oder gesperrter Spieler, allen voran Torwart Volkan und Vorkämpfer Servet, nicht zur Verfügung.
3:1 im Elfmeterschießen gegen Kroatien: Die Türkei trifft im Halbfinale auf Deutschland
Kollege Slaven Bilic dagegen konnte aus dem Vollen schöpfen. Er war nach drei Siegen in den Gruppenspielen überaus optimistisch. „Wir sind die bessere Mannschaft“, tönte Bilic und relativierte die türkischen Wendemanöver. „Sie geben zwar nie auf, aber wer will schon Spiel für Spiel zurückkommen? Das allein verrät auch einiges über die Schwächen der Türken.“
200.000 Fans feierten in der Stadt
Wien war am Freitag gespannt auf ein von vielen Emotionen drumherum begleitetes Viertelfinale, zumal tausende Kroaten und Türken in der österreichischen Hauptstadt zu Hause sind. 200.000 Menschen fieberten an diesem 28 Grad warmen Sommerabend auf den Straßen, Plätzen und Fanmeilen dem Spiel des Tages entgegen. Im Stadion gaben dem Ereignis auch der türkische Ministerpräsident Erdogan und sein kroatischer Kollege Sanader die Ehre.
Sie erlebten mitsamt 51.000 Zuschauern in der ausverkauften Arena eine ausgeglichene, nur selten bewegende Begegnung, die in der ersten Hälfte von zwei Spielern geprägt war, die eigentlich aufeinander achten sollten und doch zuzeiten Freiräume für ihre Kreativität fanden. Da war zum einen der Münchner Hamit Altintop, den Terim von der ungeliebten Rechtsverteidigerposition weg ins offensive Mittelfeld beordert hatte, und zum anderen der wendige, pfeilschnelle und am Ball sehr geschickte kroatische Spielmacher Modric.
Wenige Geistesblitze von Modric
Modric sorgte mit seinen Tempovorstößen in den wenigen Momenten, da die Partie zu voller Schönheit aufblühte, für die atemraubenden Szenen. Vor allem, als er einmal in den türkischen Strafraum eindrang und quer auf Olic passte. Doch der Schuss des Hamburgers aus drei Metern Torentfernung (19.) traf nur die Latte und Kranjcars anschließender Kopfball flog übers Tor. Das kroatische Bankpersonal, angeführt von dem wie immer leidenschaftlich mitgehenden Bilic, hatte zu früh gejubelt.
Modrics Gegenspieler Altintop organisierte in den ersten 45 Minuten die etwas zu breit angelegten Mittelfeldaktionen der Türkei, ohne dass die von den Bundesligaprofis Simunic und Robert Kovac angeführte kroatische Abwehr damit allzu sehr unter Druck geriet. Gefährlich wurde es nur bei Mehmet Topals Distanzschuss (38.), der sein Ziel ähnlich knapp verfehlte wie Lukas Podolskis gewaltiger Versuch am Abend zuvor. Die vorher schon recht ereignisarme Partie versandete nach dem Wechsel fürs erste. Ein, zwei Geistesblitze von Modric vermochten die Gemüter nicht zu erhitzen.
Dramatik in den letzten Minuten
Der Schalker Ivan Rakitic hätte das Spiel nach siebzig Minuten in Richtung Kroatien drehen können, doch sein Schuss nach Doppelpass mit Olic war zu hoch angesetzt. Die Türken konnten von Glück reden, dass in der kroatischen Schlussoffensive innerhalb der regulären Spielzeit der Kopfball des wieder einmal sehr dynamischen Dauerläufers Olic um ein paar Zentimeter zu ungenau plaziert war (73.). Kroatien war nun nah dran am Erreichen des großen Zwischenziels. Srnas Freistoß (82.) hatte Trefferqualität, wäre nicht Volkans gleichwertiger Ersatzmann Rüstü im Fluge zur Stelle gewesen. Und noch einmal bewies die jahrelange Nummer eins im türkischen Tor Nehmerqualitäten, als er Olics Schuss aus kurzer Entfernung zu fassen bekam (89.).
In der Verlängerung wurden die Türken ihrem Ruf gerecht, spät, dann aber noch einmal gewaltig kommen zu können. Die topfit getrimmte Mannschaft spielte gegen die müder werdenden Kroaten ihre Reserven aus und hätte durch Tuncays Flachschuss (102.) beinahe das 1:0 erzielt. Erst gegen Schluss dieser Partie überschlugen sich dann die Ereignisse. Klasnic traf zum 1:0 für Kroatien (119.), Semih glich aus (120.+2), und dann gab's noch einen drauf: Elfmeterschießen.
KISMET!...
Faruk Yalcin Dinc (fereli)
- 21.06.2008, 02:48 Uhr
Es war ein glücklicher, aber auch ein starker Mannschaftsieg.!
Mehmet Mantikli (logisch74)
- 21.06.2008, 05:26 Uhr
"Harmlose" Türken?
Guangtou Li (liguangtou)
- 21.06.2008, 06:14 Uhr
Hochmut..
Harald Kiri (haraldkiri)
- 21.06.2008, 10:09 Uhr
Liebe Kroaten - Selbst schuld, Liebe Türken - Gratulation zum Willen eurer Kicke
Marc Stock (marcopolo79)
- 21.06.2008, 12:10 Uhr