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3:0 gegen Russland Spaniens Künstler erwarten Deutschland im Finale

27.06.2008 ·  Angstfrei, offen und in der zweiten Hälfte auch spielerisch deutlich überlegen: So stoppten die Iberer den russischen Lauf. Xavi brachte Spanien in Führung, Güiza und Silva machten den Final-Einzug gegen Deutschland perfekt. Olé.

Von Roland Zorn, Wien
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Olé! Spanien heißt der Endspielgegner der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz. Am Sonntag geht es im Wiener Ernst-Happel-Stadion um den großen Preis dieses aufsehenerregend guten Turniers, bei dem immer wieder andere Teams geglänzt haben. In der Vorrunde die Niederländer, die dann von den zauberhaften Russen nach Hause geschickt wurden.

Am Donnerstag trumpften in Wien die Spanier auf, die Russland im Halbfinale angstfrei, offen und in der zweiten Hälfte auch spielerisch deutlich überlegen begegneten. In dieser Form sind die Profis aus der Primera División und der Premier League auch gegen die Deutschen Favorit.

Spanien war vor dem neuen „Russland“ gewarnt

Doch das muss, wie die Erfahrung dieser EM lehrt, nichts heißen. Xavi (50. Minute), Güiza (73.) und Silva (82.) schossen die Treffer zum auch in dieser Deutlichkeit angemessenen 3:0-Erfolg für eine besonders spielstarke, kombinationssichere und auch ausgebuffte Mannschaft. Ihr beizukommen wird sicher extrem schwer.

3:0 gegen Russland: Spaniens Künstler erwarten Deutschland im Finale

Alles noch einmal von vorn und alles doch ganz anders: Mit gemischten Gefühlen und gemeinsamer Siegeszuversicht starteten Russen und Spanier in das erste Halbfinalabenteuer ihrer Nationalmannschaften seit langen, langen Jahren. Die Russen hatten sich vorher eingeredet, dass ihre 1:4-Niederlage aus dem Vorrundenspiel der Gruppe D keine Blaupause für das Wiedersehen hergebe, und sie hatten dafür nach ihrer imponierenden Erfolgsserie auch gute Argumente; die Spanier waren vor dem „neuen“ Russland gewarnt und doch davon überzeugt, dass sich die Geschichte am Ende wiederhole.

Schon die Statisitk sprach vorher für die Iberer

Auf jeden Fall bekamen die 51.000 Zuschauer im ausverkauften Ernst-Happel-Stadion die beiden vielleicht kombinationssichersten und spielstärksten Teams des Turniers zu sehen (klammert man einmal die an Russland gescheiterten Holländer aus). „Bleibt locker, steigert euch nicht rein und seid bereit, alles zu geben“, hatte Trainer Guus Hiddink seine Russen angefeuert.

„Wir treffen auf die konditionsstärkste Mannschaft der EM, aber unsere Spieler bilden eine Einheit, die nur schwer zu schlagen sein wird“, hatte Luis Aragones über die von ihm in die Runde der letzten Vier geführten Spanier gesagt. Die Statistik sprach sowieso für die Iberer, die in neun Länderspielen erst einmal gegen Russland verloren hatten.

Spanien hält das Tempospiel der Russen auf

Aragones konnte seine beste Elf aufbieten, Hiddink musste auf die gesperrten Torbinski und Kolodin verzichten. Doch bei der „Sbornaja“ waren sowieso aller Augen auf Andrej Arschawin gerichtet, der, weil noch gesperrt, im ersten Duell mit den Spaniern gefehlt hatte. Der EM-Superstar der vergangenen zwei Spieltage kam in der ersten Hälfte aber nicht in Fahrt, so wie die russische Mannschaft von den aufmerksamen spanischen Mittelfeld- und Abwehrspielern meist ausgebremst wurde. Nur Pawljutschenko (31. und 35.) besaß Torgelegenheiten, doch die Schüsse des Moskauers verfehlten ihr Ziel knapp.

Die Spanier hielten zwar das Tempospiel der Russen auf, drangen mit ihrem komplexen Kombinationsfußball aber auch nicht recht durch. Ein Schuss von Torres (6.) und einer von Villa (11.) waren aussichtsreich, doch Torhüter Akinfejew parierte zweimal gut. Der bisher treffsicherste EM-Stürmer Villa (vier Tore) wurde, am linken Sprunggelenk verletzt, in der 35. Minute durch Cesc Fabregas ersetzt, wodurch das spanische Mittelfeldnetz noch dichter ineinander verwoben war. Aragones setzte fortan statt auf ein 4-1-3-2- auf ein 4-1-4-1-System.

Xavi hält seinen Fuß reaktionsschnell hin - 1:0

Insgesamt herrschte jedoch beiderseits viel, manchmal zu viel Respekt voreinander. Es überwogen defensive Strategien auf hohem Niveau. Öffnen tat sich in den ersten 45 Minuten nur der Himmel zu einem der in Wien dieser Tage üblichen Gewitterspektakel. Das Spiel floss erst nach der Pause, weil nun endlich das passierte, warum Fußball gespielt wird. Die Spanier gingen nach fünfzig Minuten dank des Zusammenspiels ihrer Barcelona-Connection in Führung.

Iniesta hatte Beresutski versetzt und schussähnlich vor das Tor geflankt. Dort hielt sein Freund Xavi reaktionsschnell den rechten Fuß zum 1:0 hin, und die Südeuropäer hatten sich endlich den ersehnten Vorteil verschafft. Er befreite die Spanier, die gegen zunehmend verkrampfte Russen weitere Chancen herausspielten - und den Abschluss meist nur knapp verpassten. In der Coaching-Zone reagierte Hiddink zusehends angefressen. Die auf dem Rasen wachsende Mutlosigkeit seiner Mannschaft verärgerte den niederländischen Trainer.

Güiza sorgt mit dem 2:0 für die Vorentscheidung

Klaglos nahmen dagegen zwei Stars der „Furia Roja“ ihre Auswechslung aus. Aragones macht bei seinen Personalentscheidungen auch vor seinen besten Kräften nicht halt. Und so mussten Torschütze Xavi, der im sechzigsten Länderspiel seinen siebten Treffer erzielte, und der stets gefährliche Angreifer Torres den Kollegen Xabi Alonso und Güiza (69.). Und der alte Herr aus Madrid tat gut daran.

Güiza schoss nämlich vier Minuten später das 2:0 auf aufsehenerregende Art und Weise. Er hob den Ball an Akinfejew vorbei ins Netz, nachdem Fabregas ihm das Spielgerät wie im Training zugelupft hatte. Den Schlusspunkt setzte Silva (82.) mit einem plazierten Schuss (82.) zum 3:0, nachdem ihn Fabregas fabelhaft freigespielt hatte. Die deutsche Nationalmannschaft muss sich also am Sonntag auf einiges gefasst machen, doch in der Rolle des Außenseiters hat sie sich ja schon gegen Portugal äußerst wohl gefühlt.

Russland - Spanien 0:3 (0:0)
Russland:
Akinfejew - Anjukow, Ignaschewitsch, Wassili Beresuzki, Schirkow - Semak - Saenko (57. Sytschew), Semschow (56. Biljaletdinow), Syrjanow - Arschawin, Pawljutschenko
Spanien: Casillas - Sergio Ramos, Marchena, Puyol, Capdevila - Iniesta, Marcos Senna, Xavi (69. Xabi Alonso), David Silva - Villa (34. Fàbregas), Torres (69. Daniel Güiza)
Schiedsrichter: de Bleeckere (Belgien)
Zuschauer: 51.428 (ausverkauft)
Tore: 0:1 Xavi (50.), 0:2 Daniel Güiza (73.), 0:3 David Silva (82.)
Gelbe Karten: Biljaletdinow, Schirkow / -

Quelle: FAZ.NET
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