17.06.2008 · Der niederländische Bondscoach Marco van Basten berief neun neue Spieler in die Startelf, doch die machten ihre Sache gegen viel zu passive Rumänien nicht schlecht. Huntelaar und van Persie trafen ins Tor - zur großen Freude von Italien.
Von Christian Kamp, BernNach einer guten Stunde hatten die rumänischen Fans die letzte Hoffnung aufgegeben. Trotzig, vielleicht auch mit ein bisschen Stolz über die Gesamtleistung ihrer Mannschaft bei dieser Europameisterschaft, stimmten sie die Nationalhymne an. Sie wussten: Gegen die niederländische Reservistenelf war nichts mehr auszurichten. Völlig verdient verloren die Rumänen ihr letztes Vorrundenspiel am Dienstag in Bern 0:2 - angesichts des italienischen Erfolgs gegen Frankreich hätten sie ihrerseits einen Sieg benötigt, um das Viertelfinale noch zu erreichen. (Siehe: 2:0 gegen Frankreich: Italien überlebt).
Doch mit einer rundum mutlosen Vorstellung vergab das rumänische Team jede Chance auf die finale Überraschung in dieser schwersten Gruppe der EM. Die Niederländer dagegen feierten dank der Tore von Klaas Jan Huntelaar (55. Minute) und Robin van Persie (87.) den dritten Sieg im dritten Spiel und ersparten sich damit zugleich jeden Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung.
Gleich neun Änderungen nahm van Basten vor
Vor Anpfiff war die Lage im Stade de Suisse noch weit übersichtlicher als beim Spiel der Italiener und Franzosen im 120 Kilometer entfernten Zürich. Rumänien benötigte einen Sieg, um sicher eine Runde weiter zu sein, die Holländer standen schon als Gruppensieger fest. Diese Konstellation weckte bei manchem den Argwohn, Bondscoach Marco van Basten könnte seiner Mannschaft Zurückhaltung verordnen, um ein weiteres Duell mit den Fußball-Großmächten Italien oder Frankreich auf elegante Art unmöglich zu machen. Van Basten jedoch hatte versichert: „Wir nehmen dieses Spiel ernst.“
Die Aufstellung sprach eine andere Sprache: Gleich neun Änderungen (inklusive des Torhüters) nahm van Basten vor. Boulahrouz und Engelaar waren die einzigen Verbliebenen aus der zuvor so großartig aufspielenden Startelf aus den Partien gegen Italien und Frankreich. Aber was heißt schon B-Team, wenn Offensivkönner wie Robben, van Persie und Huntelaar auf den Platz stehen?
Standfußball gegen Zehn-Mann-Defensive
Den partywütigen holländischen Fans, die zum dritten Mal bei dieser EM die Berner Innenstadt in Orange getaucht hatten, war es ohnehin egal. Sie sangen und tanzten auch an diesem Abend in Titellaune und -form. Das Spiel allerdings drückte in den ersten Minuten doch auf die Stimmung. Wie festgeschraubt auf ihren Positionen begannen die Niederländer. Standfußball gegen Zehn-Mann-Defensive drohte das Experiment des Abends zu werden, denn auch die Rumänen schienen zuallererst auf ein genehmes Resultat aus Zürich zu bauen.
Als „das wichtigste Spiel unserer Generation“, hatte Banel Nicolita diese Partie bezeichnet. Es war die Gelegenheit, endlich aus dem Schatten der „goldenen“ Vorgängergeneration um Gheorghe Hagi zu treten. Doch davon war nichts zu spüren. Die erste gute Szene hatten nach 19 Minuten die Niederländer. Nach einer Flanke von Engelaar fand van Persie beim Kopfball nicht den perfekten Zeitpunkt zum Absprung. Die Rumänen suchten vor allem Adrian Mutu. Doch dessen Schuss vom Fünf-Meter-Raum wurde im letzten Augenblick geblockt; auch ein Versuch aus 20 Metern verfehlte das Tor (24./30.).
Ohne jede Courage fügten sie sich in die Niederlage
Das war es aber auch schon an Offensivbemühungen - zu wenig, um sich eine Führung zu verdienen. Und verwunderlich angesichts der italienischen Führung, die sich natürlich auch bis nach Bern herumgesprochen hatte. Die Holländer aber wurden besser und besser. Zwei wunderbare Kombinationen brachten beinahe Erfolg: Zuerst waren es, auf der starken rechten Seite, Afellay und Boulahrouz - doch Huntelaar schoss über das Tor (33.). Dann spielte Huntelaar einen gescheiten Pass auf Robben, der, frei vor Torhüter Lobont, um Zentimeter vorbeischoss. Kurz nach der Pause durfte es van Persie aus der Nahdistanz versuchen, und noch einmal kamen die Rumänen davon: Lobont hielt.
Dann aber war es soweit: Affelay flankte von rechts, Huntelaar lenkte den Ball ins Tor. Nicht einmal das weckte die Rumänen aus ihrer Lethargie. Mutu rutschte noch einmal bei einem Schussversuch aus, das war es. Ohne jede Courage fügten sie sich fortan in die Niederlage - van Persies Tor zum 0:2 machte da schon keinen Unterschied mehr.