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1:1 gegen Polen Oldie Vastic rettet Österreich in letzter Sekunde

13.06.2008 ·  Welch eine Dramatik in Wien: Lange lag Mit-Gastgeber Österreich im zweiten EM-Spiel gegen Polen mit 0:1 hinten. Doch dann entschied der Schiedsrichter in der Nachspielzeit auf Elfmeter. Vastic ließ sich die Chance nicht entgehen und glich aus.

Von Roland Zorn, Wien
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Noch ist Österreich nicht verloren. Dank eines von Vastic in letzter Minute genutzten Foulelfmeters schaffte der Mitausrichter der Fußball-Europameisterschaft am Donnerstagabend noch ein 1:1 gegen die Polen in Wien. Die Mannschaft von Trainer Leo Beenhakker war in diesem zweiten Spiel der Gruppe B durch Guerreiro nach einer halben Stunde in Führung gegangen und sah schon wie der Sieger aus, als Österreich noch eine Chance bekam.

Ein Sieg am Montag gegen Deutschland in Wien kann die Gastgeber tatsächlich noch ins Viertelfinale befördern, falls gleichzeitig die als Tabellenführer schon qualifizierten Kroaten gegen Polen gewinnen oder unentschieden spielen. Eine spannende Konstellation, bei der nervenstarke Mannschaften gefragt sind.

Eine Arena in Rot fiebert mit den Mannschaften

Das Vorspiel hatte beiden Teams Mut gemacht. Deutschlands 1:2 gegen Kroatien verhieß sowohl den Polen als auch der auf drei Positionen veränderten österreichischen Elf frische Perspektiven. Entsprechend laut füllte sich der Resonanzraum des mit 51.000 Besuchern ausverkauften Ernst-Happel-Stadions. 15.000 Polen kamen gegen 36.000 Österreicher akustisch gut an. Eine Arena in Rot fieberte dieser Begegnung zweier Verlierer des ersten Spieltags entgegen.

1:1 gegen Polen: Oldie Vastic rettet Österreich in letzter Sekunde

Österreichs Teamchef Josef Hickersberger hatte im Vergleich zum 0:1 gegen Kroatien von einer Dreier- auf eine Viererabwehrkette umgestellt und von Beginn an erstmals Korkmaz, Leitgeb und Garics aufgestellt. Polens Cheftrainer Leo Beenhakker musste nach dem Ausfall des Dortmunders Blaszczykowski das Fehlen des verletzten Kapitäns Zurawski kompensieren. Er tat es mit dem Gleichmut des Fußball-Fahrensmanns.

Die Nerven verlor Beenhakkers geduldiges Team nie

„Wir können Polen besiegen, wenn wir nicht blindlings in die polnische Falle rennen“, hatte Österreichs Cheftrainer vorhergesagt. Polen aber stellte zunächst keine Falle auf, sondern warf sich in Person des exzellenten Torhüters Boruc den wilden Attacken Austrias entgegen. Nachdem Harnik freie Schussbahn hatte und vorbeischoss (11.), scheiterte der Bremer Sausewind danach im Zweikampf Eins gegen Eins ebenso am Schlussmann von Celtic Glasgow (14.) wie wenig später Leitgeb (16.).

Die allzu ungestümen Österreicher, aus dem Mittelfeld angetrieben von Ivanschitz und Leitgeb, suchten anders als gegen Kroatien von vornherein ihr Heil in der Attacke. Die Polen waren sichtlich beeindruckt, wenn Harnik, Leitgeb und der kommende Frankfurter Korkmaz auf sie zustürmten. Doch die Nerven verlor Beenhakkers geduldiges Team nie.

Kühle, professionelle Polen übernehmen die Federführung

Und so führte schon der erste gescheite Angriff der Polen zum 1:0. Smolarek hatte zu Saganowski gepasst, und dessen Vorlage veredelte der erst vor kurzem eingebürgerte Brasilianer Guerreiro aus kurzer Entfernung kaltschnäuzig zum 1:0 (30.). Der 26 Jahre alte Offensivspieler spricht zwar noch kein Wort polnisch, doch das war am Donnerstagabend auch nicht gefragt. Guerreiros Tor machte fürs erste die Österreicher sprachlos, die kaum begreifen konnten, dass sie als die bessere Mannschaft derart hart bestraft worden waren, zumal Guerreiro im Moment der Ballabgabe von Saganowski klar im Abseits stand.

Nach dem Wechsel spürten die österreichischen Fans rasch, dass sich ihre Mannschaft bei ihren anfänglich permanenten Schnellangriffen müde gelaufen hatte. Die kühler, professioneller agierenden Polen übernahmen nun die Federführung in dieser Partie und drängten auf eine frühe Entscheidung.

Die immergrüne Hoffnung Ivica Vastic schlägt zu

Dabei tat sich vor allem der Wolfsburger Krzynowek mit seiner immensen Schuss- und Kampfkraft hervor. Hickersberger reagierte und hörte auf Volkes Stimme. Der stürmisch geforderte „Ivo“, Ivica Vastic, kam - mit 38 die immergrüne Hoffnung der Österreicher - und dazu der Angreifer Kienast (64.).

Doch die Verhältnisse, sie änderten sich erst in der Nachspielzeit. Als Schiedsrichter Webb aus England den Österreichern nach Lewandowskis Zupfer an Prödl einen Strafstoß schenkte und Vastic die einmalige Gelegenheit nutzte, schrie Österreich vor Glück auf. Nun ist die Chance noch da auf das Viertelfinale und die die Deutschen müssen sich für Montag noch mehr Sorgen machen.

Österreich - Polen 1:1 (0:1)
Österreich:
Macho - Garics, Prödl, Stranzl, Pogatetz - Aufhauser (74. Säumel) - Leitgeb, Ivanschitz (64. Vastic), Korkmaz - Harnik, Linz (64. Kienast)
Polen: Boruc - Wasilewski, Jop (46. Golanski), Bak, Zewlakow - Dudka, Lewandowski, Krzynowek - Guerreiro (85. Murawski) - Saganowski (83. Lobodzinski), Smolarek
Schiedsrichter: Howard Webb (England)
Tore: 0:1 Guerreiro (30.), 1:1 Vastic (90.+3, Foulelfmeter)
Zuschauer in Wien: 51.428 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Korkmaz, Prödl (2) - Wasilewski, Krzynowek, Bak

Quelle: FAZ.NET
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