30.06.2012 · Beide Finalisten stehen verdient im Endspiel. Italiens Stärke sind automatisierte Spielzüge, bei denen alle wissen, was sie zu tun haben. Spanien wird Europameister, wenn es Tempo auf die Außenbahnen bekommt.
Von Thomas TuchelRichtlinien für Lesermeinungen
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Mit klarer Kritik stehen Sie da ziemlich allein da
Tja Herr Tuchel, leider fehlt beim DFB, Clubs und dt.
Fußballberichterstattern Ihre Einsicht, Bescheidenheit etc. Auch
nach dem verlorenen 1/2 Finale nur "knapp" gescheitert (mE
"knapp" am 0:4 vorbei), war man immernoch gefühlt
"Favorit" (ganz wichtiger Unsinn, so wie auch
"Augenhöhe" mit WM- und EM Sieger, "goldene
Generation, beste aller Zeiten", "spielerisch
stärkste"). Reus war der Meinung man war besser als ITA,
Schweinsteiger wird wie nach 08 von "1-2 Standards einüben
reden", Löw sprach von "4 Klassespielen !" usw usf.
Seit vielen Jahren 0 echte Außenspieler (Def.+Off.), klassische
6er, spielstarke Innenverteidiger, und wenige int. Klassestürmer
(1?) kennzeichnen mE die dt. Nationalelf. 1 Titel seit Kampfsieg 96 in
allen int. Wettbewerben haben heute keine Auswirkungen auf DFL (Rauball
und Co), DFB und Medienstatements. Woher auch, es gibt ja im Vgl. zu E,
I, UK, F auch kaum Fußballmedien, aber man wußte trotzdem
genau daß E "satt/müde" ist, I "leichte
Fortschritte" macht...
Nöö
ein Beispiel für gefährliches Halbwissen:-) ich sprach von "echten", Spezialisten: Außenstürmer, Mittelfeldspieler und Außenverteidiger, als Beispiel für in D ausgestorbene spezifische, technische Postionen, in diesem Fall Eigenschaften (1 gegen 1, Dynamik, Flanken), zB Ribéry, NL Spieler, Navas etc. Die von Ihnen genannten, guten-bis sehr guten Allrounder spielen entw. auch mal außen oder stellen internat. nichts dar.
Tuchel macht auf einen nicht unwichtigen Umstand aufmerksam, der im
allgemeinen Enttäuschungsgebrüll schnell untergeht. Es ist
immer auch Glück dabei - dass Italien aus exakt zwei Chancen in der
1. HZ exakt zwei Tore macht, war eigentlich gar nicht zu erwarten. So
effizient hatten sich die Italiener im Turnierverlauf bislang wahrlich
nicht gezeigt. Man denke nur an die Riesenchance Balotellis gegen
Spanien, die er anfängerhaft verdaddelte, sowie an seine Vielzahl
erfolgloser Torschüsse gegen England.
.
Fehler passieren immer, das soll nicht bagatellisiert werden. Doch
problematisch scheint eher die gehobene Erwartungshaltung des Publikums,
die nicht akzeptieren kann, dass Erfolg nur bis zu einem bestimmten
Grade planbar ist. Am Ende entscheiden dann Kleinigkeiten (wie Scholl
richtig bemerkte), oft einfach auch ein Quäntchen Glück.
Schade, das sind zwar interessante...
...Ansichten zum anstehenden Euro-Finale, aber noch lieber wäre mir
eine Analyse gewesen, ob Löw die Euro "vertuchelt" hat.
Vom "Meister der taktischen Nanoanpassung" hätten da
sicher spannende Einblicke kommen können. Bemerkenswert finde ich,
dass sowohl Löw wie auch Tuchel mit "besonders
Schlausein" resultatmässig etwa am gleichen Punkt landeten:
Sicher inmitten der Vergleichbaren. Obwohl die Ausgangslage nicht
unterschiedlicher sein könnte - Tuchel steht viel
mittelmässige Qualität zur Verfügung, Löw viel
aussergewöhnliche - brachte all die verwandte Akribie ein
ähnliches Resultat.
Ist ständiger Wechsel und damit unweigerlich einhergehende, latente
Verunsicherung der Beständigkeit überlegen? Prandelli
würde wohl "Jein" antworten, Del Bosque würde die
Frage nicht mal verstehen, so absurd erschiene ihm nur der Gedanke. Die
Beiden werden es schon heute Abend beantwortet kriegen, Herr Tuchel in
der anstehenden Saison, und Löw 2014. "König
Fussball" in seiner ganzen Unberechenbarkeit.