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Donnerstag, 20. Juni 2013
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2:0 gegen Frankreich Spanien ohne großen Glanz

 ·  Das Spiel des Welt- und Europameister atmet nicht mehr die Frische der goldenen Jahrgänge 2008 und 2010. Gegen Frankreich reicht Spanien im EM-Halbfinale ein Kopfball und ein Elfmeter eines Jubilars zum 2:0-Sieg.

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© dapd Entscheidender Einschlag: Xabi Alonso köpft die Spanier ins Halbfinale

Ohne den großen Glanz, aber auch ohne Gefahr hat der Titelverteidiger am Samstagabend in Donezk ziemlich kommod das Halbfinale der Fußball-Europameisterschaft erreicht: mit einem 2:0-Sieg nach Toren von Xabi Alonso (19. Minute/90. per Foulelfmeter). Das Spiel der Europa- und Weltmeister aber atmete in der Donbass-Arena nicht mehr die Frische der goldenen Jahrgänge 2008 und 2010.

Zu viel wirkt nur noch wie perfekte Routine, zu wenig situativ und erkennbar erfolgshungrig. Doch das reichte auch bei dieser EM in Polen und der Ukraine bisher allemal, um sich die Gegner vom Leibe zu halten. Frankreich, noch vor zwölf Jahren die Grande Nation des Fußballs, muss nun heimreisen; Spanien trifft am Mittwoch im Halbfinale von Donezk auf den starken iberischen Nachbarn Portugal (20.45 Uhr / Live im F.A.Z.-Ticker).

Europameister, Weltmeister, nur zwei verlorene Pflichtspiele seit 2006: Eigentlich sprach wieder einmal alles für die Spanier. Doch da war noch etwas anderes: die miserable Bilanz der „furia roja“ gegen „Les Bleus“ bei Welt- und Europameisterschaften. Noch nie hatte Spanien bei zuvor sechs Versuchen und fünf Niederlagen gegen Frankreich, wenn es um etwas ging, gewonnen.

Zuletzt verabschiedeten sich die Iberer 2006 von der Weltmeisterschaft in Deutschland nach einem 1:3 gegen die Equipe Tricolore im Achtelfinale. „Es wird Zeit, diese Geschichte zu verändern“, hatte Trainer Vicente del Bosque vor der Viertelfinal-Begegnung in Donezk gesagt, und seine Mannschaft ließ diesen Worten Taten folgen.

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Rot und Gelb stehen im Halbfinale: Dort geht es für Spanien gegen Portugal © REUTERS Rot und Gelb stehen im Halbfinale: Dort geht es für Spanien gegen Portugal

Die Vorzeichen standen ja auch recht gut, obwohl sich der Titelverteidiger in den Gruppenspielen sowohl beim sehenswerten 1:1 gegen Italien als auch beim dürftigen 1:0-Erfolg über Kroatien nach Kräften abmühen musste. Die Franzosen waren erst einmal froh, ihre hausgemachten Probleme - den Kabinenzoff nach der 0:2-Niederlage gegen Schweden im letzten Gruppenspiel - zu den Akten gelegt zu haben.

Die viel dringendere Frage, die sich Trainer Laurent Blanc, Weltmeister 1998 und Europameister 2000, stellte, war die, wie man den Ballbesitzgroßmeistern im roten Trikot beikommen solle. Blanc hatte eine ultradefensive Strategie in einem flexiblen 4-5-1-Sytem gewählt; del Bosque verzichtete wie gegen Italien zunächst auf Torres, eine klassische Sturmspitze, und ließ stattdessen den katalanischen Ballkünstler Fabregas vom FC Barcelona ganz vorn stürmen - falls er mal darauf Lust hatte.

Aus dem Räderwerk der Techniker ragt einer heraus

In Wirklichkeit zelebrierten die Spanier auch am Samstag ihren flächendeckenden Kombinationsfußball, verbunden mit vielen Positionswechseln der Selección. Frankreich wollte erklärtermaßen die erste halbe Stunde erst einmal torlos überstehen, doch dann stand es schon nach 19 Minuten 1:0 für Spanien, weil Iniesta auf der linken Seite Verteidiger Jordi Alba den Ball in den Lauf gespielt hatte und der so genau flankte, dass Xabi Alonso in seinem hundertsten Länderspiel per Kopfballaufsetzer erfolgreich war.

Jener Mittelfeldspieler von Real Madrid, der gegen die Franzosen sonst fast alle Spielzüge seines Teams einleitete, der auch mal lange Bälle in das kollektive Kurzpassspiel einstreute und jederzeit das offenbarte, was im Fußballsprachgebrauch Präsenz heißt. Mit anderen Worten: Aus dem spanischen Räderwerk der Techniker de luxe ragte einer noch heraus.

Nach 64 Minuten heißt es bei Frankreich: Attacke

Andererseits verwunderte auch, wie oft sich der Titelverteidiger damit beschied, der Schönheit des Spiels zu dienen. Gegen die selten an den Ball kommenden Franzosen fehlte der letzte Druck, um die eigene Klasse auch im Ergebnis zu untermauern. So kam es dazu, dass Torhüter Casillas einmal seine Elf vor Schlimmerem bewahren musste, als er Cabayes Freistoß parierte (32.).

Aus dem Spiel heraus kam die Mannschaft von Trainer Laurent Blanc aber kaum dazu, ihre Stärken zu zeigen. Der Münchner Ribéry war neben Cabaye der einzige Spieler im weißen Trikot, der sich furchtlos auf die hochherrschaftlichen Spanier stürzte - zu wenig, um den Champion zu beeindrucken. Erst nach 64 Minuten traute sich Blanc, ein neues Zeichen zu setzen: in Richtung Attacke.

Xabi Alonso beseitigt auch die letzten Zweifel

Menez und Nasri kamen, und die Raumzusteller Debuchy und Malouda gingen. Kollege des Bosque reagierte prompt und hielt mit seinem Austauschprogramm offensiv dagegen. Pedro durfte rechts anstelle des Ballzirkulators Silva angreifen, und in der Mitte bekam Torres (für Fabregas) als zentrale Spitze seinen Auftritt. Das Publikum, längst eine Spur angeödet, ob der klinischen Kunst der Spanier, reagierte reserviert.

Viel Neues tat sich auch danach nicht, sieht man von dem nun erkennbar größeren Mut der Franzosen ab. Er reichte nicht aus, den Sieger noch zu erschrecken. Im Gegenteil: Nach Reveillères Foul an Pedro nutzte Xabi Alonso auch seine zweite Torchance per Strafstoß sicher und beseitigte in der neunzigsten Minute die letzten Zweifel am ungefährdeten Sieg.

Spanien - Frankreich 2:0 (1:0)

Spanien: Casillas - Arbeloa, Piqué, Sergio Ramos, Jordi Alba - Busquets, Xabi Alonso - David Silva (65. Pedro Rodriguez), Xavi, Iniesta (84. Santi Cazorla) - Fàbregas (67. Torres)
Frankreich: Lloris - Réveillère, Rami, Koscielny, Clichy - Cabaye, M’Vila (79. Giroud), Malouda (65. Nasri) - Debuchy (64. Menez), Ribéry - Benzema
Schiedsrichter: Rizzoli (Italien)
Zuschauer: 47.000
Tore: 1:0 Xabi Alonso (19.), 2:0 Xabi Alonso (90.+1/Foulelfmeter)
Gelbe Karten: Sergio Ramos / Cabaye, Menez

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