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1:1 gegen Griechenland Ein Lewandowski reicht Polen nicht

 ·  Zwei Tore und zwei Platzverweise: Die Partie zwischen Polen und Griechenland übertrifft den Unterhaltungswert anderer Eröffnungsspiele deutlich. Am Ende kann der EM-Gastgeber beim 1:1 froh sein, dass Karagounis einen Elfmeter verschießt.

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© REUTERS Albtraum im Eröffnungsspiel: Polens Torwart Wojciech Szczesny fliegt vom Platz

Es war kein Fußballfest, das die Europameisterschaft 2012 zum Auftakt für ihr Publikum geboten hat, aber eine Partie mit viel Aufregung und Diskussionsstoff – und von einem Unterhaltungswert, der mit zwei Toren und zwei Hinausstellungen die meisten anderen Eröffnungsspiele großer Turniere deutlich übertraf.

Dabei ist dem Gastgeber Polen der erhoffte Traumstart am Freitag in Warschau gegen Griechenland aber nur fünfzig Minuten lang gelungen. In Führung durch das Tor des Dortmunders Robert Lewandowski (17. Minute) und in Überzahl nach der Gelb-Roten Karte für den Bremer Sokratis (44.), schenkten die Polen den Vorteil her, als sie Dimitris Salpingidis den Ausgleich (51.) zum 1:1-Endstand erlaubten.

Elf Minuten später musste der polnische Torwart Wojciech Szczesny wegen einer Notbremse gegen Salpingidis vom Platz, doch sein Ersatzmann Przemyslaw Tyton hielt den Elfmeter von Giorgios Karagounis und bewahrte sein Team damit vor der Niederlage. „Das Unentschieden ist am Ende verdient. Es war unsere eigene Schuld, dass wir nicht gewonnen haben“, sagte Lewandowski.

Vor Anpfiff des Spiels hatten die 58.000 Zuschauer unter dem luftigen Zeltdach des neuen Nationalstadions eine heitere, bonbonbunte EM-Auftaktfeier ohne den schwülstigen Sinnbalast vieler olympischer Eröffnungen erlebt.

Dass die inszenierte Unbeschwertheit nicht über die politische Last dieser Europameisterschaft hinwegtäuschen kann, zeigte der Blick auf die Ehrentribüne, wo Michel Platini, der Präsident der Europäischen Fußball-Union, sichtlich unbehaglich neben Wiktor Janukowitsch saß, dem Präsidenten der Ukraine, dessen Demokratieverständnis für deutliche Distanz im Rest des politischen Europa gegenüber dem Turnier gesorgt hat.

Die Polen legten los wie die rot-weiße Feuerwehr und überliefen die Griechen in der ersten halben Stunde vor allem immer wieder auf ihrer Schokoladenseite, der rechten, mit den Dortmundern Piszczek und Blaszczykowski. Nach 14 Minuten verpasste Lewandowski in der Mitte Piszczeks scharfe Hereingabe vor dem leeren Tor um Stirnesbreite.

Drei Minuten später kombinierten sich wieder rechts Blaszczykowski und Piszczek durch, und diesmal fand der stürmende Verteidiger mit seiner präzisen Flanke den dritten Dortmunder, Lewandowski. Der Torjäger ließ mit einem feinen Kopfballaufsetzer Torhüter Chalkias keine Chance, und frenetisch bejubelten Team und Fans den ersten polnischen Treffer im Auftaktspiel eines großen Turniers seit 1974, als der legendäre Grzegorsz Lato, später Torschützenkönig der WM in Deutschland und heute polnischer Verbandspräsident, getroffen hatte.

Kurz vor der Pause sieht Sokratis die Rote Karte

Die Griechen kamen in der ersten Halbzeit nur zu einer brauchbaren Torszene, als der frühere Bundesliga-Torjäger Theofanis Gekas nach zwölf Minuten eine Freistoßflanke von Karagounis etwas zu weit über den schütteren Schädel rutschen ließ. Doch nach der Führung nahmen die Polen etwas zu deutlich das Tempo aus ihrem Spiel und verloren mehr und mehr die Dominanz, denn ihnen fehlte die Ballsicherheit, um die Partie zu kontrollieren.

Dennoch schienen sie lange Zeit nicht in Gefahr zu geraten gegen die laufschwächeren Griechen, zumal kurz vor der Pause Sokratis nach einem Hakeln als letzter Mann die Gelb-Rote Karte erhielt. Die Griechen haderten mit dem spanischen Schiedsrichter Carlos Velasco Carballo, der ihnen kurz darauf einen Handelfmeter verweigerte, allerdings zu Recht, denn Perquis war im Fallen eindeutig unabsichtlich mit der Hand an den Ball geraten.

Rote Karte und Elfmeter für den polnischen Torwart

Doch nach der Pause gaben die Polen das Spiel in Überzahl aus der Hand. Auf der linken Abwehrseite, wo Boenisch mangels Spielpraxis in Bremen keine überzeugende Partie bot, setzte sich Torosidis durch, dessen Flanke Torwart Szczesny, bis dahin völlig unbeschäftigt, zwar vor Gekas erreichte. Doch der Ball fiel dem zur Pause eingewechselten Salpingidis vor die Füße, der aus kurzer Entfernung einschoss.

Und schon seine zweite Abwehraktion im gesamten Spiel wurde dem Torwart vom FC Arsenal dann schließlich zum Verhängnis. Salpingidis entwischte der polnischen Abseitsfalle, Szczesny erwischte den Griechen am Fuß – das bedeutete die Rote Karte und Elfmeter für Griechenland. Herein kam Ersatztorwart Przemyslaw Tyton, dessen Arbeitsprotokoll den umgekehrten Verlauf nahm – er wurde gleich mit seiner ersten Aktion zum Helden.

Die beiden Abwehrreihen haben am Ende Glück

Den schwach geschossenen Elfmeter des griechischen Kapitäns Karagounis hielt er bravourös. Danach hatte die poröse Polen-Abwehr Glück, als ein Treffer von Salpingidis hauchdünn Abseits gegeben wurde – und die der Griechen, als Katsouranis in letzter Minute bei einer Abwehr einen Querschläger knapp über die Latte des eigenen Tores setzte.

Polen - Griechenland 1:1 (1:0)

Polen: Szczesny - Piszczek, Wasilewski, Perquis, Boenisch - Murawski, Polanski - Blaszczykowski, Obraniak, Rybus (70. Tyton) - Lewandowski
Griechenland: Chalkias - Torosidis, Sokratis, Avraam Papadopoulos (37. Kyriakos Papadopoulos), Holebas - Maniatis, Katsouranis, Karagounis - Ninis (46. Salpingidis), Gekas (68. Fortounis), Samaras
Schiedsrichter: Velasco (Spanien)
Zuschauer: 56.070 (ausverkauft)
Tore: 1:0 Lewandowski (17.), 1:1 Salpingidis (51.)
Besonderes Vorkommnis: Tyton (Polen) hält Foulelfmeter von Karagounis (71.)
Gelbe Karten: - / Holebas, Karagounis
Gelb-Rote Karten: - / Sokratis (44./wiederholtes Foulspiel)
Rote Karten: Szczesny (69./Notbremse) / -

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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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